Sport | Wintersport
28.12.2011

"Man muss die Jungen warnen"

Michael Walchhofer gewann in Bormio drei Mal. Heute steht er Österreichs jungen Abfahrern als Berater zur Seite.

Klaus Kröll zwang die Konkurrenz vor der Abfahrt in Bormio zu Überstunden bei der Video-Analyse. Alle wollten wissen, welche Linie den Steirer zur überlegenen Bestzeit im Abschlusstraining getragen hatte. Dominator Kröll glaubt, dass er a) noch Reserven habe und b) das Rennen am Donnerstag (11.45 Uhr/live ORFeins), erst vor dem Zielhang entschieden werde. Dort, wo die Rennfahrer, bedingt durch einen Licht-Schatten-Wechsel, nahezu blind und blau (vor Erschöpfung) über eine weiße Waschrumpel rasen.

Zwei dritte Plätze (durch Hannes Reichelt und Kröll) waren die bisherige Ausbeute der österreichischen Abfahrer, die - so Cheftrainer Mathias Berthold - nicht der wahren Leistungsstärke und schon gar nicht der hohen Erwartungshaltung der Ski-Fans entspricht. In Bormio wurden sie stets besonders verwöhnt. Zwölf von 18 Abfahrten auf der gefürchteten Piste "Stelvio" endeten mit ÖSV-Siegen, während die Schweizer dort im Weltcup noch keinen einzigen einfahren konnten. Wird Kröll im inoffiziellen Ski-Ländermatch Österreich - Schweiz auf 13:0 stellen und die Nummer-1-Position von Michael Walchhofer übernehmen? Walchhofer hat in Bormio drei Mal gesiegt und nach seinem Rücktritt am Pistenrand als ÖSV-Berater die meiste Übersicht.

KURIER: Herr Walchhofer, wer ist am Donnerstag Ihr Favorit?
Michael Walchhofer: Didier Cuche muss man immer auf der Rechnung haben.

Und Klaus Kröll?
Er muss heiß sein, um so richtig aus sich herausgehen zu können.

Der ÖSV hat in Bormio-Abfahrten öfter aufgetrumpft als alle anderen Nationen zusammen. Zufall?
In Bormio gibt es keine Zufallssieger. Bormio ist extrem schwierig. In Gröden oder in Lake Louise hingegen kommt es oft zu einer Windpartie.

Hören die Debütanten, wegen denen Sie eigens sechs Stunden nach Bormio anreisten, überhaupt auf Sie?
Ich bin angenehm überrascht über die gute Basis, die wir gleich gefunden haben. Es geht nicht nur darum, Jungen die richtige Linie zu zeigen. Man muss sie auch warnen und ihnen bei einigen Stellen die Angst nehmen, die beim gewöhnlichen Abrutschen oft einen ganz anderen Eindruck machen, als wenn’st mit Tempo 120 daherkommst. Gerade in Bormio spielt die Psyche eine große Rolle. Da bedarf es schon eines Tunnelblicks, um sich zu überwinden und zu konzentrieren.

Streben Sie nun ein Traineramt an?
Nein. Obwohl ich den Trainerkurs schon als ganz Junger 1998 absolviert habe. Ein hauptamtlicher Trainerjob ist so zeitintensiv und mit so vielen Reisen verbunden, da hätte ich ja gleich weiterfahren können. Ich will nur, nachdem mich Andi Evers und Mathias Berthold darum gebeten haben, mithelfen und die Jungen vor den Abfahrten in Kitzbühel, Garmisch und vielleicht auch im Frühjahr auf der Olympiapiste in Sotschi beraten.

Somit hat abgesehen von Ihren Pflichten als dreifacher Vater das Studium Vorrang?
Genau. Ich strebe den Master of Business an.

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