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Sport Wintersport
12/05/2011

Lanzingers Rückkehr in den Skisport

Im März 2008 verlor Matthias Lanzinger ein Bein. Nun startet der 30-Jährige ein Comeback als Versehrtensportler.

Schon als Kind hatte er sich fest vorgenommen, bei Olympia eine Medaille zu gewinnen. "Diese Vision ist am 2. März 2008 unterbrochen worden." Matthias Lanzinger sagt bewusst "unterbrochen" statt "zerstört". Denn seinen Traum von Olympia will er 2014 in Sotschi realisieren. Als weltweit erster ehemaliger Weltklasse-Profisportler, der in den Versehrtensport wechselt.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, am Mittwoch Sitznachbar von Lanzinger bei der Pressekonferenz im Wiener UNIQA-Tower, ist überzeugt, "dass Matthias noch bei den Normalen im Weltcup starten würde, wenn es damals in Norwegen net so viele Pannen bei der Versorgung gegeben hätte."

Leidenschaft

44 Monate nach Lanzingers Sturz, der mit dem Verlust eines Unterschenkels endete, ist der Gerichtsprozess noch nicht abgeschlossen. Lanzinger aber will lieber vom Skifahren reden. Er habe heuer im Frühjahr und im Sommer, als er mit regelmäßigem Training begann, wieder die Leidenschaft in sich gespürt. Und allein dieses Feuer, diese Freude am Sport animiere ihn zum Comeback. "Die Gier nach Publicity ist es sicher nicht."

Großes Medienecho wird aber nicht ausbleiben. Und davon profitiere, meint der ÖSV-Versehrtenleiter Michael Knaus, der ganze Behindertensport.

Professionell

Weil Abtenau immer wieder Schauplatz von Behinderten-Rennen ist, stellte der Abtenauer Lanzinger nicht erst heuer fest, "dass Versehrtensportler längst auch wie Profis trainieren." Lanzinger bringt es wieder auf sieben bis acht Trainingseinheiten pro Woche. "Eine g'mahte Wiesn wird die Qualifikation für mich aber nicht."

Lanzinger wird seine zweite Karriere im November in der Skihalle von Landgraf mit einem Slalom mit letzter Nummer beginnen und durch Furchen carven müssen, weil vor ihm 150 Starter in drei Kategorien (stehend, sitzend, blind) auf dem selben Kurs fahren. Am 8. Dezember erfolgt für Lanzinger dann seine Heim- bzw. Speed-Premiere im Pitztal.

Der Pitztaler Benjamin Raich wird sich zu diesem Zeitpunkt in Beaver Creek befinden. Sein Comeback am Sonntag in Sölden, zu dem sich Raich am Mittwoch endgültig entschloss, hört sich im Vergleich zu Lanzinger weniger aufregend an. Kreuzbandrisse gehören leider im Weltcup zum Alltag.