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24.11.2017

Lake Louise: Theaux war im Training der Schnellste

Der Franzose kam mit der schwierigen Piste in Lake Louise gut zurecht. Bester Österreicher war Matthias Mayer als Zweiter.

Nach zwei Absagen hat es im dritten Anlauf mit dem notwendigen Pflicht-Training für die erste Saisonabfahrt der Herren in Lake Louise doch noch geklappt. Bestzeit ging am Freitag an Adrien Theaux und damit ein Mitglied der französischen Mannschaft, die wegen des kürzlichen Unfalltodes von David Poisson Trauer trägt.

„Ein cooler Bursche, das ist ein gutes Zeichen“, verneigte sich Matthias Mayer. Österreichs Abfahrts-Olympiasieger kam als Zweiter mit 0,35 Sek. Rückstand dem Trainingsschnellsten auf einer wegen der vorangegangen Wetterkapriolen mitgenommenen Strecke am nächsten. „Es war schwierig, die Piste war knollig“, erklärte Mayer und nannte seine Fahrt „beherzt“. „Zweiter am Saisonanfang ist ja nicht so schlecht, ein solider Start“, meinte der Kärntner.

Mayer kommt am Samstag (20.15 Uhr MEZ, live ORF 1) eventuell entgegen, dass die Abfahrt wegen der aktuellen Sicherheitsdiskussion diesmal stellenweise etwas runder gesetzt ist. Der Österreicher ist in Lake Louise im Super-G schon drei mal Zweiter geworden.

Hinter Theaux, Mayer und dem Norweger Kjetil Jansrud zeigte auch Romed Bauman als Vierter stark auf. Max Franz (7.), Hannes Reichelt (9.) und Vincent Kriechmayer (11.) unterstrichen, dass sie die weiteren aktuellen ÖSV-Leistungsträger in der Abfahrt sind. Von den Qualifikation fahrenden Jungen lieferte der Steirer Daniel Danklmaier als 18. die eindrucksvollste Vorstellung ab.

Schwierige Piste

Nach tagelangem Schneeregen präsentierte sich die „Piste Olympia“ am Freitag wie befürchtet schwierig. Zudem ist man 2017 mit dem Start möglichst weit nach oben gegangen. „Es ist anders als sonst und der Kurs war auch mehr in Richtung Super-G gesetzt“, berichtete Jansrud, der 2014 bei der vorletzten Weltcup-Auflage hier beide Speedrennen gewonnen hat.

„Einerseits sind heute viele noch ohne großes Risiko gefahren. Umgekehrt musste man doch zur Sache gehen. Es war ja das einzige Training und sonst wird man im Rennen zu sehr überrascht“, lautete Jansruds Urteil. Dass der achtfache Rekordsieger Aksel Lund Svindal über Platz 29 nicht hinauskam, sagt angesichts der langen Verletzungspausen des Lake-Louise-Rekordlers (8 Siege) nicht viel aus.

Am Ende verneigten sich alle vor Theaux. „Ich ziehe den Hut“, sagte etwa Reichelt, der von seiner eigenen Zeit „schockiert“ war. „Ich denke, da ist noch Luft nach oben“, hoffte der 37-jährige Salzburger, der Lake Louise aber nicht zu seinen Lieblingspisten zählt.

Hoffnung

„Vorne einreihen“ will sich am Samstag Max Franz. „Ich habe heute stellenweise zu viel rausgenommen“, analysierte der Kärntner. Die Hoffnung ist aber da. „Ich war hier in Kanada schon zwei Mal knapp dran, hab's ein Mal erst in der Zielkurve verschissen“, erinnerte er. „Ich hoffe, die Piste ist am Samstag besser.“

„Riesen-Respekt“, sagte dann auch Baumann über die Bestzeit von Theaux. „Wir sind von dem Unfall alle betroffen. Aber niemand so sehr wie die Franzosen. Es ist schrecklich, wenn man einen jahrelangen Wegbegleiter verliert. Dann gleich so eine kompromisslose Fahrt hinzulegen, ist eine starke Leistung.“

Mit seiner eigenen Fahrt und Rang vier war Baumann aber auch zufrieden. „Ich bin hier im Training auch schon als 45. abgeschwungen. Jetzt heißt es am Samstag alles geben, ohne zu verkrampfen. So läuft das Spiel, ich kenne es.“

Favoriten

Die großzügigste Geste in Richtung des Franzosen kam von Christian Walder. „Ich würde Adrien wünschen, wenn er es auch am Samstag so runterkriegt“, sagte der Kärntner nach Platz 23. Favorits sind beim Beginn der Jagd auf den zweifachen Abfahrts-Gesamtsieger Peter Fill (ITA/Platz 6) aber nach wie vor die Norweger. Sie haben hier von den jüngsten neun Rennen acht gewonnen, diesmal treten sie erstmals gleich zu sechst an.

Die Abfahrer starten am Samstag im Gedenken an Poisson mit speziellen Startnummern, auf denen u.a. das Bild des Franzosen gedruckt ist. Die ÖSV-Herren fahren mit Trauerflor. Im Ziel werden zwei Banner an den vor knapp zwei Wochen bei einem Trainingsunfall im nahen Nakiska tödlich verunglückten Abfahrer erinnern.

Das wie immer etwas improvisiert wirkende Strecken-Pressezentrum von Lake Louise ist 2017 besonders gut gefüllt. Nach dem Unfall Poissons sind vor allem aus Frankreich einige Medien außertourlich nach Kanada angereist.