WM-Gold für Limbacher im Skicross

Ein Finger von Andrea Limbacher (li.) machte den Unterschied.
Die Oberösterreicherin Andrea Limbacher sorgt am Schlusstag der WM am Kreischberg für die Sensation.

Mit ihr hatte niemand gerechnet, nicht einmal sie selbst. Am letzten Tag der Weltmeisterschaft der Snowboarder und Freestyle-Skifahrer holte Andrea Limbacher Gold. Die Oberösterreicherin siegte im Ski-Cross-Finale am Kreischberg vor der Französin Ophelie David. Bronze ging an die Schweizerin Fanny Smith.

Die 25-jährige Limbacher erwischte einen perfekten Start, führte fast das gesamte Rennen. Doch nach dem Zielsprung schloss Ophelie David auf, Schulter an Schulter rasten die Damen über die Ziellinie. Das Zielfoto brachte die Entscheidung zwischen Weltmeisterin und Platz zwei – Limbacher war um eine Fingerlänge (!) voran und gewann das dritte Ski-Cross-Gold für Österreich in der Geschichte. 2005 siegte Karin Huttary, 2009 Andreas Matt.

Limbachers Gold ist der Lohn für einen leidvollen Weg. Nach einem Kreuzbandriss kämpfte sie sich wieder zurück, doch die Saison verlief nicht nach Wunsch – bis Sonntag. "Es ist unbeschreiblich, den Tag werde ich sicher nie vergessen", sagte die neue Weltmeisterin, die bisher erst zwei Weltcuprennen gewinnen konnte, das bislang letzte vor mehr als zwei Jahren. "Ich wusste, dass ich es drauf habe und dass nur einmal das Glück auf meiner Seite sein muss. Das war heute einmal da."

Würdiger Abschluss

Die Ski-Crosser boten zum Abschluss der Heim-WM eine spektakuläre Show vor vollen Tribünen – überschattet allerdings von schwerer Stürzen. Am schlimmsten erwischte es den Österreicher Thomas Zangerl im Halbfinale. Der Tiroler wurde nach einer Kollision mit dem Schweizer Armin Niederer mit dem Akja abtransportiert. Er war ansprechbar, klagte aber über Brust- und Rückenschmerzen. Mitfavorit Andreas Matt, der Bruder von Mario Matt, scheiterte bereits im Viertelfinale. Glück im Unglück: Mit einer akrobatischen Einlage am Zielsprung vermied er einen schweren Sturz.

Bei der ersten gemeinsamen Weltmeisterschaft von Snowboardern und Ski-Freestylern holte Österreich sechs Medaillen, je zwei in Gold, Silber und Bronze (siehe Medaillenspiegel).

Dass die österreichischen Alpin-Snowboarder verlässliche Medaillenlieferanten sind, bewiesen sie auch bei der Heim-WM. Die 41-jährige Claudia Riegler gewann den Parallel-Riesentorlauf, Olympiasiegerin Julia Dujmovits holte im Parallelslalom Silber, Marion Kreiner und Benjamin Karl haben eine Bronzemedaille um den Hals hängen. Anna Gasser wurde Vizeweltmeisterin im Slopestyle der Snowboarderinnen.

So weit zum Positiven.

In anderen Disziplinen ist Österreich weit weg von der Spitze. Bei den Skifahrern etwa in der Buckelpiste oder beim Springen (Aerials). Kein einziger österreichischer Snowboarder war in der Halfpipe am Start. "Da sind wir momentan auf null", sagt Christian Galler, der sportliche Leiter der Snowboarder – und übt gleichzeitig Kritik am ÖSV und dessen Präsidenten Peter Schröcksnadel: "Die letzten Aussagen, die nach Sotschi vom Präsidenten gekommen sind, schließen Halfpipe eher im Projekt bei uns aus."

Kritisiert wurde auch der Termin der Weltmeisterschaft, unmittelbar vor den X-Games in Aspen. Viele Top-Stars belächeln die WM und verzichten auf eine Teilnahme. Allen voran Snowboard-Halbgott Shaun White.

Nation Gold Silber Bronze
1. USA 4 3  4
2. Schweiz 3  - 4
3. Kanada 2  6  1
4. Österreich  2 2  2
5. China 2  1 1
6.  Australien 2 1  1
7. Italien 2  - 1
8. Frankreich  1 4  1
9. Russland  1 2  -

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