Austria's Klaus Kroell crashes into the fence during the men's Super-G race at the Alpine Skiing World Cup finals in Lenzerheide March 14, 2013. REUTERS/Denis balibouse (SWITZERLAND - Tags: SPORT SKIING)

© Reuters/DENIS BALIBOUSE

Weltcup-Finale
03/14/2013

Klaus Kröll schwer gestürzt

Marcel Hirschers Gesamtweltcup-Triumph wird durch Klaus Krölls Unfall beim Abbruch-Rennen überschattet.

von Wolfgang Winheim

Marcel Hirscher führt im Gesamtweltcup zwei Torläufe vor Saisonschluss immer noch mit 149 Punkten Vorsprung. Seit Donnerstag steht er als Weltcup-Gesamtsieger fest. Denn Rivale Aksel Lund Svindal verzichtet auf einen Slalomstart. Aber der Hirscher wollte zunächst weder den Sekt einkühlen noch sich zur erfolgreichen Titelverteidigung gratulieren lassen. Zu viel war beim letzten Speedrennen der Saison beim Weltcup-Finale in Lenzerheide (Schweiz) passiert. Oder wie es Hirscher deutlich formulierte: „Es ist traurig, dass die Sicherheit nicht im Mittelpunkt steht.“

Wie zu Saisonbeginn, als sich Max Franz in Beaver Creek eine schwere Gehirnerschütterung zuzog, endete auch der letzte Super-G für einen Österreicher im Krankenhaus. Klaus Kröll zog sich einen komplizierten Bruch des linken Oberarmes zu. Und warum?

Weil nach der Abfahrtsabsage am Mittwoch wegen Nebels im Super-G am Donnerstag Wind und diffuses Licht zum problematischen Spielverderber wurden. Slalom-Weltmeister Hirscher hätte mit Nummer 27 als letzter Läufer starten sollen. Doch so weit kam es erst gar nicht.

FIS-Direktor Günter Hujara (Deutschland), der FIS-Delegierte Peter Obernauer (Österreich) und ihre Assistenten wollten, dass der finale Kampf um den Gesamtweltcup nicht neuerlich durch eine Absage beeinflusst wird. Immer wieder wurde der Start verschoben.

Dann ließ man die Trainer abstimmen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass so was in meiner 36-jährige Tätigkeit schon einmal passiert ist“, meinte dazu ÖSV-Sportdirektor Hans Pum. Die Abstimmung endete mit einem 5:5. Danach wurden, so der Südtiroler Weltklassepilot Christof Innerhofer, „auch wir Läufer befragt, aber nicht erhöht“. Laut einer anderen Version sollen die Läufer mit 6:4 für eine Durchführung plädiert haben, wobei nur bestätigt wird, dass Weltmeister Ted Ligety als Athletensprecher fungierte.

Mit Nummer 1 musste der Franzose Gauthier de Tessieres ins Rennen. „Ich war Test- und Crashpilot“, erzählte der Franzose – erleichtert, einen „Fast-Abflug“ in Zielnähe überstanden zu haben. Nach ihm legte der neue Juniorenweltmeister Mayrpeter aus Oberösterreich eine Talent- und Mutprobe ab.

Kopfschüttelnd schwang ein Läufer nach dem anderen im Ziel ab, bevor Routinier Kröll mit Nummer zehn startete. Der Deutsche Felix Neureuther kehrte zu diesem Zeitpunkt schon ins Hotel zurück. „Zu gefährlich.“

Schock

Hirscher erlebte in einer Hütte beim Startbereich vor dem Bildschirm mit, wie Kröll nach einer schwer einsehbaren Bodenwelle bei böigem Wind von der Ideallinie abkam und das Fangnetz streifte. Seine Ski verfingen sich in den roten Maschen, kopfüber krachte der 32-jährige Steirer in die Netze. Kröll konnte sich zwar gleich wieder bewegen, aber aus eigener Kraft nicht aufstehen. Angehängt an einem Seil wurde Kröll per Hubschrauber abtransportiert. Zum Befremden von ÖSV-Sportdirektor Pum dauerte die Bergung „für Schweizer verhältnisse ungewöhnlich lang.“

Während der Unterbrechung beschloss der ÖSV seine restlichen Starter abzuziehen. Danach erfolgte der endgültig Abbruch, der zumindest auf die Super-G-Disziplinenwertung keinen Einfluss hat. Svindal stand schon vor dem Rennen als Gewinner der kleinen Glaskugel fest. Bei dem Damen hingegen wurde Julia Mancuso durch die Absage um ihre Chance gebracht, Tina Maze die kleine Kugel doch noch wegzuschnappen.

Nach Berthold-Kritik: Hujara verteidigte Vorgehen

Günter Hujara hat am Donnerstagabend in der Mannschaftsführersitzung in Lenzerheide die Entscheidung verteidigt, nach den Coaches auch die Athleten zu befragen, ob der Weltcup-Super-G durchgeführt werden soll. "Das ist genau das, was immer verlangt wird. Deshalb haben wir den Athletensprecher installiert", sagte der FIS-Renndirektor. ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold sah an diesem Tag "die Jury nicht im Einsatz", er kritisierte auch die lange Dauer der Evakuierung des verunfallten Klaus Kröll.

"Es kann nicht sein, dass die Teams gefragt werden, ob ein Rennen gefahren werden kann", ergriff Berthold vor versammelter Trainerschaft das Wort. Die Meinungen mancher Trainerkollegen hätten ihn auch überrascht. "Für uns war es nicht sicher und nicht fahrbar und weit weg von fair", sagte Berthold. Dass nach den Trainern die Athleten befragt wurden, bezeichnete er als "sehr komisch", schließlich würden da verschiedene Interessen mitspielen. "Ich war nicht nur überrascht, ich war ein bisserl geschockt."

Zustimmung hatte Berthold schon am Nachmittag vom deutschen Alpin-Direktor Wolfgang Maier bekommen. "Wir müssen nicht im letzten Rennen die Gesundheit unserer Sportler riskieren, für etwas, das letztendlich am Schluss dann keinen Wert mehr hat", sagte dieser.

Unterschiedliche Meinungen

In der Mannschaftsführersitzung meldeten sich drei weitere Trainer zu Wort. Mit unterschiedlichen Meinungen. Der französische Coach kritisierte die Absage (mit Gauthier De Tessieres lag sein Schützling in Front) "auf Druck von Österreich", der norwegische befand die Bedingungen für fahrbar (Aksel Lund Svindal hätte seine Chance auf den Gesamtweltcup wahren können), und der italienische meinte: "In so einem Fall muss man nicht demokratisch sein, die Jury soll entscheiden."

"Nach der Fahrt von De Tessieres habe ich im Funk alles von 'gefährlich' bis 'kein Problem' gehört. Ich brauchte eine klare Situation", erläuterte Hujara den weiteren Vorgang. Die Trainer hätten sich mit 6:4 für ein Rennen ausgesprochen, das sei ihm zu uneindeutig gewesen, weshalb er sich an Athletensprecher Ted Ligety (USA) wandte. Der beriet sich mit den anderen Rennläufern und teilte mit, dass man fahren wolle, wenn die Sicherheit nicht gefährdet sei. Hujara befragte die Jurymitglieder, die ihm diesbezüglich grünes Licht gaben. Die Fairness freilich war ob des Windes ein anderes Thema.

In der ob des Sturzes von Kröll bedingten Pause hätten sich die Verhältnisse so stark verändert (Wind, Sicht), dass man sich zum Abbruch entschied. Österreich habe in diesem Fall keinen Druck ausgeübt, wollte Hujara klargestellt haben. Der ÖSV hatte aber bereits vor der Absage seine Läufer vom Start zurückgezogen. Hujara sagte am Ende, er wolle auch in Zukunft Teams und Läufer in die Entscheidungsfindung einbinden.

Kritische Worte fand Berthold auch zur Bergung von Kröll. Es habe zu lange gedauert und den Abtransport in einem Netz empfand er als "Scherz". Der zuständige Rennarzt beschrieb die Rettungskette (mittels genauem Zeitprotokoll auf Großbildleinwand) und war der Meinung, dass alles gut funktioniert habe. Kröll hatte einen Bruch des linken Oberarms mit Beteiligung des Oberarmkopfes erlitten und wurde noch am Donnerstag operiert.

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