Hirschers zehnter Streich?

In den bisher neun technischen Rennen der Saison hat es der Salzburger jedesmal auf das Podest geschaft.

Marcel Hirscher ist in den technischen Disziplinen ein Musterbild an Konstanz: In den bisher neun Rennen fuhr der Salzburger neun Mal auf das Podest - dreimal als Sieger, viermal als Zweiter, zweimal als Dritter.

Hirscher - 9 Podestplätze in Folge
Rennen 2012 mit Platzierungen Hirscher, Foto Grafik 0065-13-Weltcup.ai, Format 88 x 48 mm © Bild: APA
Die Vorzeichen, dass die Serie am Samstag in Adelboden weitergeht stehen gut: 2012 hat der Salzburger auf dem Chuenisbärgli den Riesentorlauf und den Slalom gewonnen."Das viele und ständige an die Grenze Gehen bringt ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Wenn man in jedem Trainingslauf am Maximum fährt, dann gewöhnt man sich irgendwann daran, sich am Limit zu bewegen", meinte Hirscher über die Gründe für seine aktuelle Hochform, mit der einen Husarenritt nach dem anderen ins Ziel bringt.

"Marcel ist technisch extrem stabil und hat zudem derzeit eine wahnsinnige Sicherheit", meinte ÖSV-Herren-Chefcoach Mathias Berthold über seine aktuelle Nummer eins. Dass Hirscher in den voll gepackten kommenden Wochen, in denen der Hype um seine Person noch einmal deutlich zunehmen wird, den Faden verlieren könnte, kann sich der Vorarlberger nicht vorstellen. "Ich glaube, Marcel hat schon mehrmals bewiesen, dass er mit seiner Rolle und der Situation umgehen kann."

"Cooler Berg"

Als Favorit geht Hirscher aber am Samstag nicht ins Rennen. Denn im Riesentorlauf scheint derzeit kein Weg an Ted Ligety vorbei zu führen. Der US-Amerikaner demolierte in Sölden (2,75), Beaver Creek (1,76) und Alta Badia (2,04) die Konkurrenz. Nur in Val d'Isere siegte Hirscher, Ligety musste sich mit Platz drei begnügen.

Erfolgsrezept? Ted Ligety stärkt sich mit einem slowenischen Pferde-Burger
© Bild: Red Ligety via Twitter
Ligetys Überlegenheit wird auch in seiner US-Heimat immer mehr wahrgenommen. Der 28-Jährige wurde vom Olympischen Komitee der USA bereits zweimal in diesem Jahr (Oktober, Dezember) als Athlet des Monats ausgezeichnet. "Das ist eine riesengroße Ehre für mich", sagte Ligety in Adelboden. "Der Dezember war ein unglaublicher Monat, aber jetzt muss ich fokussiert bleiben und nach vorne blicken."

Denn am Samstag möchte Ligety seinen ersten Sieg in Adelboden feiern. "Adelboden ist ein echter Weltcup-Klassiker auf einem unglaublich coolen Berg. Ich möchte hier unbedingt meinen ersten Sieg holen", meinte der Weltmeister.

Für ÖSV-Routiniers wie Benjamin Raich, Philipp Schörghofer oder Romed Baumann wird es im Kampf um ein WM-Leiberl am Samstag richtig ernst. Denn Adelboden ist bereits der letzte Riesentorlauf vor den Titelkämpfen in Schladming.

WM-Kandidaten

Gemäß Papierform hätten derzeit neben Fixstarter Hirscher Christoph Nösig (85 Weltcup-Punkte), Marcel Mathis (83) und Hannes Reichelt (76) die besten Karten. Da hinken Raich (59), Schörghofer (26) und Baumann (25) hinterher. Und Berthold deutete an, dass es keinerlei Bonus für die Routiniers geben werde. "Dann fahren wir halt mit der jungen Truppe, kein Problem", betonte der Headcoach.

Raich will in Adelboden seine WM-Chance nutzen
epa03502649 Benjamin Raich of Austria clears a gate during the Men's Giant Slalom race of the FIS Alpine Skiing World Cup in Val… © Bild: APA/CHRISTOPHE KARABA
Raich gilt aber als besonderer Adelboden-Spezialist. Der 34-jährige Tiroler hat schon dreimal den Riesentorlauf auf dem Chuenisbärgli gewonnen (2006, 2007, 2009), zudem stand er weitere sechsmal auf dem Stockerl (zweimal Riesentorlauf, viermal Slalom). "Ich hab noch meine Chancen auf die WM, und die will ich natürlich nützen", meinte Raich.

Schörghofer besticht regelmäßig im Training, im Rennen hat es der Salzburger in diesem Winter aber noch nicht ins Spitzenfeld geschafft. "Es ist bisher blöd gelaufen. Aber ich spüre, dass es besser wird", erklärte der WM-Dritte 2011, der sich nicht unter Druck gesetzt fühlt und versicherte: "Ich denke nicht an die WM."

Ein Kessel wie ein Fußballstadion


Als Nummer eins im Gesamt-Weltcup und doppelter Titelverteidiger ist Marcel Hirscher am Freitag ins verschneite Berner Oberland gereist. In Adelboden, wo der Salzburger 2012 im Riesentorlauf und im Slalom triumphierte, soll Hirschers beeindruckende Erfolgsserie am Samstag (Riesentorlauf) und Sonntag (Slalom) weitergehen. Davor sprach der 23-Jährige im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur über die Gründe für seinen Erfolgslauf, seine Liebe zu Adelboden, die Schweizer Krise, Ted Ligety und die bevorstehende Heim-WM.

Sie haben es in allen neun bisherigen Technikrennen des Winters aufs Podest geschafft. Sie scheinen also das Spiel mit dem Limit perfekt zu beherrschen. Wie begründen Sie Ihre aktuelle Sicherheit?
Marcel Hirscher: "Das viele und ständige an die Grenze Gehen bringt ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Wenn man in jedem Trainingslauf am Maximum fährt, dann gewöhnt man sich irgendwann daran, sich am Limit zu bewegen."

Sie haben 2012 auf dem Chuenisbärgli beide Rennen gewonnen. Zählt Adelboden zu Ihren Lieblingsrennen?
"Adelboden ist in gewisser Weise einzigartig. Die Einfahrt in den Zielhang ist unglaublich, unten wartet ein Kessel wie ein Fußballstadion mit 20.000 Schweizer Flaggen. Zudem sind die Schweizer ein äußerst faires Publikum. Das sind schon sehr prägende Erlebnisse, Adelboden ist ein richtig cooles Rennen."

Bei den Schweizer Hausherren läuft es derzeit aber überhaupt nicht nach Wunsch. Geben Ihnen die schwachen Resultate der Schweizer zu denken?
"Ich sehe das nicht als irgendeinen Skandal an, sondern als Beispiel. Man soll die Erfolge schätzen und nicht als Standard ansehen. Denn die Erfolge sind nicht selbstverständlich. Vor zwei Jahren waren die Schweizer ja mannschaftlich und punkto Einzelathleten noch stärker als wir. Man sieht daran, wie viele Komponenten zusammenpassen müssen, um schnell Ski zu fahren. Nicht vergessen darf man natürlich das Verletzungspech der Schweizer."

Ted Ligety hat in Adelboden noch nie gewonnen. Ist der US-Amerikaner aufgrund seiner bestechenden Form dennoch der Mann, den es am Samstag im Riesentorlauf zu schlagen gilt?
"Ich denke, dass es so sein wird. Es soll eisig werden, das sollte ein Garant für eine gute Ligety-Leistung sein. Aber Adelboden ist sehr speziell, hier fährt zum Beispiel auch Benni Raich immer sehr stark. Ich hoffe, dass ich auch wieder vorne mitmischen kann."

Im Jänner warten mit Adelboden, Wengen oder Kitzbühel jede Menge prestigeträchtige Rennen. Ist das schon ein guter Test für den Februar mit der Heim-WM in Schladming?
"Jetzt kann ich ja noch locker und groß reden. Aber ich bin wirklich der Meinung, dass die WM ein Rennen wie jedes andere ist. Einen Orden kriegst nur dann, wenn du schnell Ski fährst. Natürlich ist der Stellenwert höher und der Trubel wird größer sein. Aber mehr als beim Nachtslalom oder beim vergangenen Weltcup-Finale kann eh nicht los sein."

( APA ) Erstellt am 11.01.2013