Hirschers Gipfelsturm vor dem Heimspiel

Der Salzburger Marcel Hirscher gewann in Alta Badia und kommt als Weltcup-Gesamtführender nach Flachau.

Marcel Hirscher bescherte sich und dem nächsten (Salzburger) Slalom-Veranstalter das schönste vorweihnachtliche Christkindl. Der erst 22-jährige Salzburger triumphierte im Torlauf von Alta Badia und kommt als Gesamtweltcup-Führender zum Mittwoch-Slalom nach Flachau.

Nichts außer seinem ungewöhnlichen Bewegungstalent schien für den ersten Slalom-Saisonerfolg bzw. fünften Weltcup-Erfolg des Pistenflohs zu sprechen. Weil Hirscher ("So schön es in Südtirol auch ist") den Hang von Alta Badia mit dem flachen Teilstück "so gar nit mag". Und weil er wegen Rückenschmerzen (Souvenir vom sonntägigen Riesenslalom) drei Stunden beim Physiotherapeuten verbrachte.

Wenigstens die Sprunggelenksverletzung, die Hirscher die WM-Teilnahme im Februar gekostet hatte, machte dem Tabletten-Gegner nicht mehr zu schaffen.

Akrobatisch

Marcel Hirscher legte die Basis für seinen Erfolg mit Bestzeit im ersten Lauf just in jener Passage, auf der man ihn aufgrund seines Leichtgewichts im Nachteil wähnte. Mit extremer Innenskilage kompensiert das 1,72-Meter-Bürschchen körperliche Nachteile. Nur der kroatische Beaver-Creek- Slalomsieger und Weltcup-Titelverteidiger Ivica Kostelic kam ihm mit einem 0,11-Sekunden-Rückstand nahe.

Als Hirscher seinen schärfsten Widersacher in Durchgang zwei dynamisch aus dem Starthaus schießen sah, war ihm klar: "Jetzt musst auch 110 Prozent geben." Prompt geriet Hirscher aus der Balance. Akrobatisch vermochte er zu korrigieren. "Daraufhin bin i munter g’worden", meinte er später, nachdem zu Ehren des "Fliegenden Holländers" (Mama Hirscher kommt aus Den Haag) zum zweiten Mal in diesem Winter die österreichische Bundeshymne gespielt worden war. Den ersten Saisonerfolg hatte Hirscher in Beaver Creek im Riesentorlauf gefeiert.

Abgehängt

Am Montag strahlte er gemeinsam mit dem italienischen Olympiasieger Giuliano Razzoli und dem überglücklichen (knieverletzt gewesenen) Deutschen Felix Neureuther vom Slalom-Podest, während Kostelic mit Platz fünf vorlieb nehmen musste.

Anderen ehemaligen Champions erging’s in Gegenwart von Ehrengast Alberto Tomba ungleich schlimmer. Ex-Doppelweltmeister Mario Matt kam nur wenige Tore weit. Doppelolympiasieger Benjamin Raich (Rang 23 ) fährt nach seinem Kreuzbandriss noch seiner einstigen Form nach. Ex-Slalom-Weltgcupgesamtsieger Rainer Schönfelder (drittletzter im ersten Lauf) kämpft am Mittwoch in Flachau vielleicht schon um seine letzte Chance.

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( Kurier ) Erstellt am 20.12.2011