Hirschers doppelter Befreiungsschlag

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Versöhnung mit Kostelic, erster Sieg in Österreich – trotzdem ist die Freude des Salzburgers nicht ungetrübt.

Nicht einmal beim Neujahrskonzert saßen so viele Österreicher vor dem Bildschirm wie Dienstagabend, als den besten Slalomläufern der Welt von einem "fliegenden Holländer" der Marsch geblasen wurde.

Marcel Hirscher (Mama aus Den Haag, Papa Salzburger Skischulbesitzer) bekam feuchte Augen, als nach seinem ersten Heimsieg im Schladminger VIP-Zelt Rainhard Fendrichs "I am from Austria" ertönte.

Zuvor hatten Hirscher, der Italiener Stefano Gross und Mario Matt vom Siegespodest aus minutenlang Sekt versprüht.

Selbst in der Euphorie bewies Hirscher, dass er stets gut vorbereitet ist. Um brennende Augen zu vermeiden, setzte er eine Skibrille auf. Den Trick, so verriet er, habe er sich von den Motocross-Stars Ken Roczen und Jeffrey Herlings abgeschaut.

Die Motocross-Fahrer nennt er seine Idole. Im Skisport bezeichnet er Benjamin Raich als sein Vorbild. Hirscher legt nach seinem Triumph vor 45.000 Besuchern und durchschnittlich 1,6 Millionen TV-Zeugen erst recht wert auf diese Feststellung, zumal ihn ein Gerücht empört, dass Raich-Betreuer jene anonymen SMS-Nachrichten verfasst hätten, mit denen auf einen "Einfädler" bei Hirschers Sieg in Zagreb hingewiesen wurde. "Wir lassen uns nicht auseinander dividieren" sagt Hirscher, während im ÖSV-Hauptquartier in Innsbruck Zorn dominiert.

Verschwörung

Der größte Fan: Marcel Hirschers Freundin Laura fieberte im Ziel mit und zerdrückte ein paar Freudentränen.
© Bild: Kristian Bisutti

Sportdirektor Hans Pum: "Wie kommt der stets faire Benjamin Raich dazu, dass er jetzt völlig schuldlos in so eine dubiose Sache hineingezogen wird?"

Pum ist sich bewusst, dass der (oder die) wahre(n) Zündler ausgeforscht werden müssten, um weitere Störfeuer zu verhindern. Präsident Peter Schröcksnadel glaubt, schon auf einer heißen Spur (außerhalb des ÖSV) zu sein und kündigt rechtliche Schritte wegen Rufschädigung an.

Hirscher gibt zu, dass er am Start in Schladming, bedingt durch die vorangegangenen Diskussionen, nervös gewesen sei "wie schon lange nicht". Obwohl die Unterredung mit Ivica Kostelic bei der Startnummernvergabe bereits "befreiend" gewesen war. Er, Hirscher, sei der Typ, der immer alles persönlich geklärt haben will.

Zu einem sportlichen Zusammentreffen mit Kostelic kommt es frühestens wieder Mitte Februar beim Olympia-Test in Sotschi, wo Hirscher vielleicht Speed-Skier anschnallen wird. Bis dahin will der sechsfache Saisonsieger (im Beisein von Papa Ferdinand) trainieren, regenerieren und sich Freundin Laura und der verletzten Mama (Oberschenkelbruch) widmen.

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Erstellt am 25.01.2012