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04.03.2018

Hirscher zum siebenten Mal Gesamtweltcupsieger

Mit einem Sieg beim Slalom in Kranjska Gora entschied Marcel Hirscher das Duell mit Henrik Kristoffersen vorzeitig für sich.

Drei Kristallkugeln innerhalb von 24 Stunden und damit insgesamt die Nummern 15, 16 und 17 sowie zwei Tagessiege in jeweils bestechender Form: Marcel Hirscher hat in Kranjska Gora im Gesamtweltcup und den Disziplinwertungen Riesentorlauf und Slalom alles klar gemacht. Der 29-jährige Salzburger gewann den Torlauf mit 1,22 Sekunden Vorsprung auf Dauerrivale Henrik Kristoffersen.

289 Punkte Vorsprung im Gesamtweltcup auf Kristoffersen bedeuten die siebente große Kugel in Serie für Hirscher. Zwar sind noch insgesamt sechs Rennen in Kvitfjell und Aare ausständig, Kristoffersen wird aber nur Riesentorlauf und Slalom in Aare bestreiten und kann so im Optimalfall noch 200 Zähler auf sein Konto packen. Für Abfahrt und Super-G hat er wegen fehlender FIS-Punkte keine Startberechtigung. Seit 2014 bestritt er auf keiner Leistungsebene mehr ein Speedrennen.

Wie schon im Riesentorlauf war auch im Slalom die Pistenpräparation auf dem Podkoren wieder eine Herausforderung. "Vom Start weg bis zu Steilhang-Einfahrt sehr aggressive Verhältnisse, der Zielhang ist sehr eisig. Das macht es für uns alle nicht einfach, da hundertprozentig die richtige Abstimmung zu erwischen", sagte Hirscher bei Halbzeitführung. Im Finale ließ er sich von der schlechter werdenden Piste nicht aufhalten, gewann vor Kristoffersen - beide waren im Olympiaslalom ausgeschieden - und dem Pyeongchang-Zweiten Ramon Zenhäusern aus der Schweiz (1,61).

Hirscher jubelte im Zielraum ausgelassen, schmiss sich in den Schnee und meinte: "Es ist nicht zum Packen, es ist so schräg." Zwölf Rennen gewann er in dieser, seiner erfolgreichsten Saison nun bereits, insgesamt hält er bei 57 Erfolgen und liegt damit in einer gemischten Wertung nur hinter der schwedischen Legende Ingemar Stenmark (86), der noch aktiven US-Amerikanerin Lindsey Vonn (79) sowie Österreichs Heldin Annemarie Moser-Pröll (62).

"Ich checke es nicht, dass es möglich ist und dass es geht. Es ist so schwer da herunter - da sind Löcher, da sind Wandln. Und zu wissen, dass der Henrik da wieder vorgelegt hat. Der lässt ja auch nicht locker", sagte der Doppel-Olympiasieger, der den Dauerrivalen einmal mehr auf den zweiten Platz verwiesen hatte.

Matt, Feller, Schwarz geschlagen

Enttäuscht verließen indes Vorjahressieger Michael Matt, zur Halbzeit Vierter, und Manuel Feller (11.) nach Ausfällen den Zielraum. Beide waren nach den Winterspielen erkrankt, ebenso wie Marco Schwarz, der sich als 27. in die Entscheidung gerettet hatte und 18. wurde. "Ab ins Bett. Es fehlte die Kraft, es fehlte die Luft. Ich glaube, ich habe das Maximum rausgeholt, es war gut, dass ich es probiert habe. Punkte sind es auch und wichtig für die Startnummer", sagte Schwarz.

Zweitbester Österreicher wurde Marc Digruber als Zwölfter, die Qualifikation für das Weltcup-Finale in Aare verpasste er aber. "Das Ergebnis ist okay. Das wegen des Finales ist schade, aber zum Qualifizieren hat man die ganze Saison Zeit. Der erste Durchgang war richtig gut, im zweiten hatte ich im Zielraum ein paar kleine Hackler und habe Zeit verloren."

Dominik Raschner als 38. und Fabio Gstrein als 48. verpassten den Sprung in den zweiten Durchgang. Johannes Strolz, Christian Hirschbühl und Thomas Hettegger schieden aus. Für das Weltcupfinale der Top 25 in Aare sind damit nur Hirscher, Matt, Feller und Schwarz qualifiziert.

Marcel Hirscher

Geboren: 2. März 1989 in Hallein

Wohnort: Annaberg/Salzburg

Größe/Gewicht: 1,73 m/80 kg

Familienstand: ledig

Verein: SC Annaberg

Hobbys: Motocross, Kajak, Musik

Homepage: www.marcelhirscher.at

Größte Erfolge

Olympia: Gold Kombination 2018 Pyeongchang Gold Riesentorlauf 2018 Pyeongchang Silber Slalom 2014 Sotschi

WM (6 Gold, 3 Silber): Gold Slalom 2013 Schladming, Alpine Kombination 2015 Vail/Beaver Creek, Riesentorlauf und Slalom 2017 St. Moritz, Teambewerb 2013 und 2015 Silber Riesentorlauf 2013, Riesentorlauf 2015, Kombination 2017

Weltcup: Gesamtsieger 2011/12, 2012/13, 2013/14, 2014/15, 2015/16, 2016/17, 2017/18 Riesentorlauf-Weltcupsieger 2011/12, 2014/15, 2015/16, 2016/17, 2017/18 Slalom-Weltcupsieger 2012/13, 2013/14, 2014/2015, 2016/17, 2017/18 57 Siege - 27 Riesentorlauf, 27 Slalom, 1 Super-G, 2 City Event

Junioren-WM: Gold Riesentorlauf 2007 und 2008 sowie Slalom 2008 Silber Slalom 2007 und Super-G 2009 Bronze Riesentorlauf 2009

Europacup: Gesamt- und Slalom-Sieger 2007/08

Sonstiges: Österreichs "Sportler des Jahres" 2012, 2015, 2016, 2017 "Welt-Skifahrer" 2012, 2015 und 2016 "Europäischer Sportler des Jahres" 2017

Marcel Hirschers sieben große Kugeln

17. März 2012, Weltcup-Finale in Schladming, Samstag und damit nach dem vorletzten Renntag der Saison, 17.00 Uhr: Marcel Hirscher hat die große Kristallkugel sicher, da der Schweizer Beat Feuz, der in der Gesamtwertung 25 Punkte hinter dem damals 23-jährigen Salzburger auf Platz zwei liegt, auf den abschließenden Slalom am Sonntag verzichtet. Hirscher scheidet im Torlauf im ersten Durchgang aus und holt sich damit nach 44 Rennen die Gesamtwertung mit 1.355 Zählern und 25 Vorsprung auf Feuz.

14. März 2013, Weltcup-Finale in Lenzerheide, Donnerstag und damit nach dem drittletzten Einzel-Renntag der Saison, 17.00 Uhr: Marcel Hirscher steht als Gesamtsieger fest, weil sein einziger verbliebener Rivale im Kampf um die große Kristallkugel, der Norweger Aksel Lund Svindal, ankündigt, den sonntägigen Slalom nicht zu bestreiten. Der 24-jährige Salzburger kann damit zwei Rennen vor Schluss (Riesentorlauf und Slalom folgen noch, Hirscher wird jeweils Zweiter) nicht mehr von der Leaderposition verdrängt werden. Hirscher holt sich die große Kugel nach 34 Rennen mit 1.535 Punkten und damit 309 Zählern Vorsprung auf Svindal.

15. März 2014, Weltcup-Finale in Lenzerheide, Samstag und damit nach dem vorletzten Renntag der Saison, 13.00 Uhr: Marcel Hirscher gewinnt als erster Österreicher zum dritten Mal in Serie den Gesamtweltcup. Der 25-Jährige ist am Sonntag nicht mehr von der Spitze zu verdrängen, weil der Norweger Aksel Lund Svindal für den abschließenden Slalom die Brettln nicht mehr anschnallen wird - auch diesen gewinnt in Folge Hirscher. Der Salzburger sichert sich den Gesamtweltcup nach 34 Rennen mit 1.222 Punkten und damit 131 Vorsprung auf Svindal.

21. März 2015, Weltcup-Finale in Meribel, Samstag und damit nach dem vorletzten Renntag der Saison, 18.00 Uhr: Marcel Hirscher gewinnt zum vierten Mal in Serie den alpinen Ski-Gesamtweltcup. Weil der Norweger Kjetil Jansrud am die Saison beschließenden Slalom am Sonntag in Meribel nicht mehr teilnimmt, ist der 26-jährige ÖSV-Superstar auch rechnerisch nicht mehr einzuholen. Hirscher schlägt auch im Slalom mit 100 Punkten voll zu und sichert sich nach 37 Rennen die Gesamtwertung mit 1.448 Zählern und hat damit 160 mehr als der zweitplatzierte Jansrud.

5. März 2016, Weltcup in Kranjska Gora, Samstag und damit sieben Rennen vor Schluss, 13.15 Uhr: Marcel Hirscher gewinnt den Riesentorlauf in Kranjska Gora und sichert sich so früh wie nie die große Kristallkugel. Es sind zwar noch sieben Rennen zu fahren, Hirscher ist aber rechnerisch von seinen Verfolgern Henrik Kristoffersen (NOR) und Alexis Pinturault (FRA) nicht mehr einzuholen, weil diese bekanntgeben, nicht zu den Speedbewerben nach Kvitfjell zu reisen und auch in der Finalwoche in St. Moritz nicht alle Bewerbe fahren zu wollen. Mit seinem fünften Weltcup-Gesamtsieg holt Hirscher Rekordsieger Marc Girardelli ein. In der Endabrechnung nach 44 Rennen hat Hirscher 1.795 Punkte auf dem Konto und damit 497 mehr als Kristoffersen. Sowohl der Punktewert - der zweitgrößte in der Geschichte überhaupt -, als auch der Vorsprung sind Hirscher-Rekord.

4. März 2017, Weltcup in Kranjska Gora, Samstag und damit fünf Rennen vor Schluss, 13.50 Uhr: Marcel Hirscher triumphiert im Riesentorlauf von Kranjska Gora und hat damit fünf Rennen vor Schluss die nötigen mehr als 500 Punkte Vorsprung auf seine nächsten Verfolger. Mit der sechsten großen Kugel ist der 28-Jährige nun alleiniger Rekordhalter. Nach Platz vier im Slalom am Sonntag fixiert er nach dem RTL- auch den Slalomkugelgewinn. Die Saison beendet er mit 1.599 Punkten.

4. März 2018, Weltcup in Kranjska Gora, Sonntag und damit sechs Rennen vor Schluss, 13.22 Uhr: Mit dem Sieg im Slalom von Kranjska Gora hat Marcel Hirscher 289 Punkte Vorsprung auf Henrik Kristoffersen im Gesamtweltcup. Da der Norweger von den ausstehenden sechs Weltcuprennen nur noch Riesentorlauf und Slalom in Aare bestreiten wird (für das Antreten in Speedbewerben fehlen ihm die FIS-Punkte) und alle übrigen Konkurrenten bereits auch rechnerisch aus dem Rennen sind, ist dem 29-jährigen Salzburger die siebente große Kristallkugel nicht mehr zu nehmen.

Marcel Hirscher: "Es ist nicht zum Packen"

Marcel Hirscher (Gesamtweltcupsieger): "Es ist nicht zum Packen. Es ist so schräg. Der Sommer heuer war nicht ganz ohne - da mit dem Haxen herumhupfen, teilweise vom Karriereende bis hin zur besten Saison. Unfassbar. Ich checke es nicht, dass es möglich ist und dass es geht. Es ist so schwer da herunter. Da sind Löcher, da sind 'Wandln'. Und zu wissen, dass der Henrik (Kristoffersen) da wieder vorgelegt hat. Der lässt ja auch nicht locker. Hut ab - die Zukunft gehört diesem Mann. Der performt, performt, performt und macht einfach keinen Fehler. Es ist sehr mühsam mit dem Herrn Henrik."Hirscher zu seinen Zielen: "Ich weiß es nicht. Ehrlich gesagt freue ich mich, dass ich jetzt einmal nach Hause fahren kann. Ich muss mir selber Gedanken machen, wo die Reise hingeht. Ich verstehe es selber nicht, dass es so geht."Auf die Frage, ob er in der nächsten Saison noch im Weltcup fahren wird: "Ich weiß es nicht."

Henrik Kristoffersen (NOR/Zweiter im Gesamtweltcup): "Ich bin wirklich motiviert, das ist sicher. Aber er ist der beste Skifahrer, also ist es ganz okay, dass ich Zweiter bin. Im Moment ist er besser, dann ist es auch okay, wenn er die Kugeln gewinnt."

Ramon Zenhäusern (SU//Dritter in Kranjska Gora): "Es ist mir eine Riesenehre, dass ich heute mit den beiden am Podest stehen kann. Das sind Legenden beide, vor allem Marcel. Das ist ein Musterathlet, von dem kann man viel lernen."

Heinz-Christian Strache (Vizekanzler und Sportminister): "Marcel Hirscher hat nach seiner schweren Verletzung in der Vorbereitungsphase heuer die beste Saison in seiner glanzvollen Karriere hingelegt. Mit zweimal Olympia-Gold, dem Rekordsieg im Gesamtweltcup und dem Gewinn der Spezialwertungen in Riesentorlauf und Slalom hat Marcel Hirscher abermals seine herausragende Stellung im alpinen Skisport unter Beweis gestellt."

Ferdinand Hirscher (Vater): "Das liegt sicher in Marcels Kindheit, dass er so stark ist. Er ist auf der Alm aufgewachsen, er war immer koordinativ sehr gut. Das kommt ihm heute zugute. Man lernt einem Kind nicht Skifahren, damit es Weltcup fährt, sondern wegen der Freude an der Bewegung. Es ist eine Überraschung, dass diese Saison so ausgegangen ist."

Andreas Puelacher (Herren-Rennsportleiter im ÖSV): "Jede Nation hat einen Superstar, wir sind froh, dass wir Marcel haben. Ich habe mir nie vorstellen können, dass jemand sieben Mal den Gesamtweltcup gewinnt, weil die Dichte bei den Herren so groß ist."

Michael Pircher (Trainer): "Ich habe das alles noch nicht verarbeitet, weil es nach dem Knöchelbruch nie ein Ziel war, auf den Gesamtweltcup loszugehen. Es ist die größte Saison, weil wir das Ziel Olympiagold erreicht haben."