Sport | Wintersport
10.01.2012

Hirscher: Erst Glocke, dann Kugel?

Die Ski-Geschichte zeigt: Auch mit nur zwei Disziplinen wurde schon der Gesamtweltcup gewonnen.

Der Mann der Stunde im alpinen Skiweltcup ist nur 1,73 Meter groß – doch die Hitlisten weisen Marcel Hirscher als aktuell Größten seiner Zunft aus. 230 Punkte liegt der 22-jährige Salzburger vor dem kroatischen Weltcup-Titelverteidiger Ivica Kostelic; in der (Brutto-) Preisgeldrangliste hat Hirscher gar um mehr als 120.000 Euro die Nase vorn.

Die Frage nach der großen Kristallkugel, sie wird immer öfter aufgeworfen, und sie ist auch im Kreis der Trainer des Marcel Hirscher längst ein Thema. Freilich folgen nun die Wochenenden in Wengen und Kitzbühel, und dort hat Ivica Kostelic die Chance, den Spieß umzudrehen. Denn während der 32-jährige Allrounder bis Ende Jänner in gleich zehn Rennen punkten kann, wird Hirscher nur die Slaloms in Wengen, Kitzbühel und Schladming bestreiten.

Ein Start in den schnellen Disziplinen steht derzeit für Hirscher außer Diskussion. Seine Trainer hingegen überlegen, den Salzburger zu den Olympia-Testrennen ins russische Sotschi mitzunehmen, wo er die Superkombination bestreiten könnte. Der Hintergedanke: So kann sich der Salzburger an die Strecken für die Spiele 2014 gewöhnen.

Rückblick

Doch ist es überhaupt möglich, mit nur zwei Disziplinen den Gesamtweltcup zu gewinnen? Es ist, wie der Blick ins Geschichtsbuch zeigt. Luc Alphand siegte 1996/’97 nur mit Abfahrt und Super-G, auf den zunächst angedachten Start im Riesenslalom beim Weltcup-Finale verzichtete der Franzose, der später als Rallye-Pilot (2006 Dakar-Sieger) für Furore sorgte und nun den Hochseesegler gibt.

Zwei Jahre zuvor hatte schon Technik-Ass Alberto Tomba das gleiche Kunststück zustande gebracht. Der Italiener war zu Beginn seiner Karriere auch im Super-G aktiv, musste aber 1992 seiner Mutter versprechen, auf die ihrer Ansicht nach zu gefährlichen schnellen Disziplinen zu verzichten. Mamma Maria Grazias Bitte wurde erfüllt, Alberto holte 1994/’95 trotzdem die große Kristallkugel.

Und dann war da natürlich noch der große Ingemar Stenmark, der von 1976 bis 1978 drei Mal en suite den Gesamtweltcup holte, nur mit Slalom und Riesenslalom. Erst 1981 versuchte sich der Schwede erstmals in einer Kombination – und wurde Dritter. Zur großen Kugel aber sollte es nach dem Hattrick nicht mehr reichen.

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Ausblick

Marcel Hirscher hat somit alle Möglichkeiten. Und dass mit ihm auch in den schnellen Disziplinen zu rechnen ist, das hat er im Dezember 2009 in der Superkombi von Val d’Isère gezeigt, als er auf seinem steilen Lieblingshang im Super-G Elfter wurde; im März des gleichen Jahres hatte er bei der Junioren-WM in Garmisch-Partenkirchen bereits die Silbermedaille geholt – hinter Abfahrtsspezialist Manuel Kramer.

Doch noch wehrt der 22-jährige Salzburger alle Kugelträume ab: "Da fahren noch viele gute Skirennläufer den Berg hinunter, bis das ein Thema ist."

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