Skisprung-Gr√∂√üen unter sich: Doppelweltmeister Heinz Kuttin war lange St√ľtzpunkttrainer von Dreifach-Olympiasieger Thomas Morgenstern.

© APA/GERT EGGENBERGER

Frischer Wind
04/13/2014

Heinz Kuttin: "Wir brauchen mehr Ruhe"

Der neue Skisprung-Chefcoach fordert mehr Harmonie im Team.

von Christoph Geiler

Heinz Kuttin ist keiner, der sich gerne in den Mittelpunkt dr√§ngt. Deshalb war ihm die Sache auch ein wenig unangenehm. Eigentlich war der K√§rntner am Freitag nur Gast bei einer Geburtstagsfeier, doch mit der Bekanntgabe seiner Bestellung zum neuen Cheftrainer der Skispringer drehte sich auf einmal alles nur mehr um ihn. "Das Handy hat st√§ndig gesurrt. Um f√ľnf am Nachmittag war schon der Akku leer. So etwas habe ich noch nie erlebt", erz√§hlt Kuttin."Alle im Umfeld freuen sich."

Der K√§rntner war die logische L√∂sung f√ľr die Nachfolge von Alexander Pointner, der nach zehn erfolgreichen Jahren den √ĖSV verlassen musste. Denn es gibt kaum einen Trainer, der mit 43 Jahren so einen enormen Erfahrungsschatz vorweisen kann, wie Kuttin. Seit seinem fr√ľhen Karriereende (mit 24) ist der Doppelweltmeister im Adlerhorst bereits als Fluglotse im Einsatz. Vor allem die T√§tigkeit im Nachwuchs und als Cheftrainer in Polen hat Kuttin gepr√§gt. "Da lernst du das Improvisieren und das Organisieren. Und seither wei√ü ich auch, wie man Sprunganz√ľge n√§ht."

Teamgeist

Die Arbeit mit der N√§hmaschine bleibt Heinz Kuttin in seinem neuen Job nun zumindest erspart, daf√ľr warten auf ihn andere Herausforderungen. Die verbalen Nadelstiche zwischen Ex-Cheftrainer Pointner und Superstar Gregor Schlierenzauer w√§hrend der Olympischen Spiele sind Kuttin nicht verborgen geblieben. "Ich gebe keinem Athleten oder Betreuer die Schuld, aber die Unruhe bei Olympia war nicht f√∂rderlich. Wir brauchen wieder mehr Ruhe im Team."

√úberhaupt legt Heinz Kuttin sehr viel Wert auf die Harmonie und den zwischenmenschlichen Umgang in seinem Team. "Mir ist wichtig, dass alle im gleichen Boot sitzen und in die gleiche Richtung arbeiten. Ich bin der Meinung, dass jeder vom anderen lernen kann und soll." Hei√üt √ľbersetzt: Die Springer werden wieder vermehrt gemeinsam Trainingskurse absolvieren und nicht als Solisten auftreten.

Aber das sind ohnehin Luxusprobleme. Denn Heinz Kuttin ist in der gl√ľcklichen Lage, als neuer Cheftrainer nicht Krisenmanager spielen zu m√ľssen. Immerhin haben √Ėsterreichs Adler den Nationencup f√ľr sich entschieden und stellen mit Gregor Schlierenzauer, Thomas Diethart und Thomas Morgenstern drei Saisonsieger. "Ich habe gro√üen Respekt vor dem, was Alexander Pointner geleistet hat. Ich √ľbernehme ein Team mit viel Potenzial."

Familienbande

Damit sind jetzt bereits zwei Kuttins im √∂sterreichischen Sport die Nummer eins. Heinz als Skisprung-Cheftrainer, und Neffe Manuel als Torh√ľter der Admira. "Seit er im Tor steht, schau‚Äô ich mir die Admira-Spiele meistens live im Fernsehen an", erkl√§rt Heinz Kuttin.

Sportdirektor Pum: "Das war meine härteste Woche"

Er dient seit 1977 beim √ĖSV. Konditionstrainer, Slalomtrainer, Herren-Chef, Alpinchef von Damen plus Herren. Sportdirektor und damit auch Vorgesetzter von Springern und Biathleten. In seinem Innsbrucker B√ľro haben die vielen Pokale f√ľr den Nationencup, die unter Pum seit 1989 im Alpinbereich Winter f√ľr Winter erobert wurden, l√§ngst keinen Platz mehr. Doch jetzt sehnt sich Hans Pum, 59, nur noch nach Osterfrieden. Der dienst√§lteste Trainer des Skizirkus spricht von der "h√§rtesten Woche meines Lebens".

Nach der Bestellung der neuen Cheftrainer Alpin (Andreas Puelacher) und Sprung (Heinz Kuttin) hat Pum noch einen neuen Abfahrtstrainer anstelle von Burkhard Schaffer (wechselt nach Kanada) zu engagieren.
Ringelspiel

Am Markt befindet sich seit Donnerstag √ľberraschenderweise auch der Arlberger Walter Hlebayna, der nach nur einj√§hriger T√§tigkeit sein Amt als Schweizer Herren-Ski-Chef zur√ľcklegte.

Ger√ľchte, wonach Hlebayna zum √ĖSV heimkehrt, werden von Pum dementiert. Bei den Schweizern hat deren (√∂sterreichischer) Alpindirektor Rudi Huber einen Nachfolger f√ľr Landsmann Hlebayna blitzschnell gefunden. Huber verpflichtete als Herrenchef Thomas Stauffer, dessen Vertrag beim deutschen Skiverband nicht verl√§ngert worden war.

Neuer Cheftrainer des deutschen (im Vergleich zum √ĖSV zahlenm√§√üig wesentlich kleineren) Herren Alpinteams ist der bisherige √ĖSV-Chefcoach Mathias Berthold. Dass Obersportdirektor Pum Bertholds Abgang wesentlich mehr bedauert als den Abschied von Springercoach Alex Pointner‚Äď dieser Vermutung widerspricht Pum nicht.

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