Stefan Kraft ist seit Donnerstag Doppel-Weltmeister. Heinz Kuttin freut's.

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Sport Wintersport
03/04/2017

Heinz Kuttin: "Der frische Wind war notwendig"

Der Erfolgscoach der Skispringer über den Höhenflug von Stefan Kraft, Störfeuer und seine Arbeit.

von Christoph Geiler

Selbst Heinz Kuttin (1,94 Meter) muss inzwischen zu Stefan Kraft (1,70) aufschauen. Der Cheftrainer der österreichischen Skispringer war dereinst zwar selbst einmal ein Doppel-Weltmeister seines Faches (1991, Gold auf der Normalschanze und mit dem Team), aber sogar diese Medaillen verblassen neben dem historischen Erfolg von Stefan Kraft.

Der 23-Jährige ist mit seinem Doppel-Gold von Lahti in die Geschichtsbücher gesprungen und nun der erste Österreicher, der bei einer Weltmeisterschaft gleich auf beiden Schanzen gewinnen konnte.

Seit Heinz Kuttin 2014 das Cheftrainer-Amt übernommen hat, ist es mit Stefan Kraft steil bergauf gegangen. Der Pongauer triumphierte bei der Vierschanzentournee und ist ein fleißiger Medaillensammler. Für Kuttin sind die beiden Goldmedaillen eine Bestätigung seiner Arbeit – und so nebenbei auch eine kleine persönliche Befriedigung. Auch ihm sind die vielen kleinen Spitzen und Seitenhiebe seines Vorgängers Alexander Pointner, der in Interviews und in seiner Zeitungskolumne gerne die Vergangenheit glorifiziert, nicht verborgen geblieben.

Heute steht der 46-Jährige als Erfolgscoach da. Vor dem abschließenden Mannschaftsspringen in Lahti (16.15 Uhr, live in ORFeins), in dem das österreichische Quartett neben den Teams aus Polen, Deutschland und Norwegen zu den Medaillenkandidaten zählen, redete der Kärntner im KURIER-Interview Klartext. Also sprach Heinz Kuttin über ...

... das Phänomen Stefan Kraft "Ich vergleiche Stefan Kraft gerne mit Thomas Morgenstern. Die beiden sind einander extrem ähnlich, was die Einstellung und die Wettkampfstärke betrifft. Mir sind in meiner Karriere als Sportler und Trainer wenige Athleten untergekommen, die sich so auf den Punkt fokussieren können wie die beiden. Man braucht sich ja nur einmal die Bilanz vom Krafti ansehen: Der hat bei jedem Großereignis seine Einzelmedaille gewonnen."

... die Geheimnisse hinter dem Aufschwung von Stefan Kraft "Es hat sich bezahlt gemacht, dass wir in den vergangenen Monaten viel an den Basics gearbeitet haben. Die richtige Anfahrtsposition, die Anzüge oder auch der perfekte Telemark. Wir haben zum Beispiel extra ein Seminar mit Christian Kathol gemacht, der hier bei der WM jetzt Sprungrichter ist. Er hat uns erklärt, wie wichtig die richtige Körpersprache beim Telemark ist. Mir als Trainer taugt’s dann extrem, wenn Stefan Kraft genau deswegen Gold holt. Da sieht man Schwarz auf Weiß auf dem Papier, dass das viel gebracht hat. Krafti hatte die besten Haltungsnoten von allen – und ist auch deshalb jetzt Doppel-Weltmeister."

... die Herausforderungen für einen Chefcoach in der Stunde des Erfolges "Natürlich versuchen wir vom Trainerteam, das alles in vollen Zügen zu genießen. Aber während sich auf der einen Seite der Krafti über Gold freut, sind zur gleichen Zeit andere Leute im Team frustriert. Weil sie nicht aufgestellt wurden, oder weil es mit ihren Sprüngen nicht so hinhaut. Um diese Athleten muss man sich ganz besonders kümmern, die nehmen auch mehr Zeit in Anspruch. Der Stefan Kraft funktioniert. Der braucht im Moment wenig Zuspruch."

... das schwere Erbe als Nachfolger von Alexander Pointner "Ich habe mir damals diesen Schritt sehr gut überlegt. Mir war von Anfang an klar, dass es nach den goldenen Zeiten schwierig werden würde und dass es nicht so weitergehen konnte. Es ist uns aber gelungen, einen frischen Wind und Spirit ins Team hineinzubringen. Das hat allen gutgetan und war auch notwendig. Wenn sich etwas abgelaufen hat, dann brauchen die Leute eine neue Motivation."

... seine Philosophie "Die Stars müssen immer die Athleten sein und nicht das Rundherum. Und das Wichtigste ist in meinen Augen sowieso die Nachwuchsarbeit. Unsere Talente haben von der großen Zeit damals sicher zu wenig profitiert. Früher haben die Trainer im Nachwuchs nicht gewusst, in welche Richtung sie arbeiten sollen. Wir haben jetzt einen roten Faden von oben bis ganz nach unten, und Leute wie Kraft oder Hayböck trainieren auch mit den Jungen. Davon profitieren jetzt alle."

... Störfeuer und Kritik an seiner Arbeit "Ab und an ist es wirklich an die Nieren gegangen. Vor allem im letzten Winter gab es sehr viel Gegenwind. Ehrlich gesagt, habe ich viele Dinge auch nicht verstanden. Die Öffentlichkeit war mir gegenüber sehr fair, auch die Medien haben uns gut behandelt. Aber viele andere Dinge, die da gesagt und geschrieben wurden, die will ich nicht kommentieren. Aber es hat das Arbeiten nicht leichter gemacht."

... den Teambewerb am Samstag "Eine Medaille wäre die Belohnung für unser gesamtes Team. Wir müssen uns für diesen Bewerb aber steigern. Denn unsere Mannschaftsleistung vom Donnerstag hätte nicht zu einer Medaille gereicht."

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