Sport | Wintersport
17.01.2012

Erster "Streif"-Zug der Hoffnungsträger

Klaus Krölls Bestzeit und der zweite Rang von Mario Scheiber lassen auf den ersten Saisonsieg in der Abfahrt hoffen.

Michael Walchhofer bezog als Konsulent des ÖSV vorsorglich an der Mausefalle Position. Dort, wo Hans Grugger im Vorjahr so folgenschwer auf der Strecke geblieben war. Zumindest in den Köpfen der Favorits spukten Erinnerungen an Gruggers Unfall nur noch bei der morgendlichen Besichtigung herum. Und dann, beim ersten Trainingslauf, setzte sich auch Mario Scheiber durch im mentalen Verdrängungswettbewerb.

Mehr noch: Scheiber, dem Gruggers Sturz besondern nahe gegangen und der prompt zwei Wochen später selbst schwer verletzt im Krankenhaus gelandet war, raste am Dienstag auf Rang zwei. Übertroffen nur noch von Klaus Kröll, dem nervlich wie muskulär im Moment wohl stärksten Speed-Spezialisten des Austria-Ski-Teams. Drei Tage nach dem Schweizer Triumph am Lauberhorn (Sieger Beat Feuz) zeigten die Österreicher zumindest im Kitzbüheler Training, wer die Hausherren sind.


Große Ziele

Auch wenn der eine oder andere Eidgenosse ähnlich wie Romed Baumann ("Ich habe noch Reserven") nicht alles riskierte, besteht doch die realistische Hoffnung, dass am Samstag der erste österreichische Abfahrtssieg gelingt, Es wäre zugleich der erste in Kitzbühel seit sechs Jahren, seit Michael Walchhofer.

Renn-Rentner Walchhofer versuchte, bei den vier ÖSV-Streif-Debütanten Max Franz, Florian Scheiber, Johannes Kröll und Mathias Mayer mit guten Tipps Furcht in Respekt umzuwandeln. Drei Neulinge sahen immerhin das Ziel, Mayer fuhr an einem Tor vorbei.

Während Trainingsmatador Klaus Kröll mit stoischer Gelassenheit sogar den problematischen Hausberg-Sprung würdigte und Mario Scheiber (der bei seinen drei Kitzbühel-Starts stets unter die Top vier gerast war) nach seiner sensationellen Steigerung gegenüber dem Lauberhorn-Rückschlag meinte, überhaupt keine Angst gehabt zu haben, wirkte der Lauberhorn-Zweite Hannes Reichelt nachdenklich. Über zwei problematische Passagen, meint Reichelt, müsse er mit dem in Kitzbühel zum Athletensprecher bestimmten Bode Miller allerdings noch reden.

Heißer Draht

Nicht geredet wurde zumindest im ÖSV-Lager über einen sportwissenschaftlichen Test der FIS. Vielleicht auch, weil die österreichischen Läufer ebenso wie die Schweizer nicht involviert waren. Acht Mann, darunter der Norweger Aksel Lund Svindal, rasten zum ersten Mal in Kitzbühel "verdrahtet" und mit eingebautem GPS in den Rückenprotektoren über die Streif.

Auf diese Weise soll herausgefunden werden, wann und wo Belastungen und Gefahren für den Abfahrer am größten sind. ÖSV-Cheftrainer Mathias Berthold: "Wir bekommen alle Resultate, weil die FIS mit der Sport-Uni Salzburg zusammenarbeitet."