Österreich scheiterte an Polen und Slowenien

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Analyse
05/02/2016

Eishockey: Warum Österreich zweitklassig ist

Forderungen und Reformen nach dem Scheitern in Katowice.

von Peter Karlik

Nah dran und doch vorbei. Österreich hat das Ziel – Aufstieg bei der WM der Division 1 A in Katowice – knapp verfehlt. Zeit und Grund genug, nach Ursachen für die Zweitklassigkeit zu suchen und Faktoren für eine erfolgreichere Zukunft zu beleuchten.

Der Trainer

Dan Ratushny wechselt von Meister Salzburg zu Lausanne in die Schweiz. Der Kanadier würde gerne seinen bis 2017 laufenden Vertrag beim Nationalteam erfüllen. Was Lausanne dazu sagt, wenn Ratushny vor dem Ligastart in der Schweizer Liga zwei Wochen beim Nationalteam die Olympia-Qualifikation macht, wird in den nächsten Tagen zu klären sein. Was passiert außerdem, wenn Lausanne kommendes Jahr ins Finale kommt und nur wenige Tage danach die B-WM beginnt? Sollte die Zusammenarbeit mit dem 45-Jährigen nicht mehr möglich sein, dann ist es höchst an der Zeit, dass Österreich einen hauptamtlichen Teamchef bekommt. Das kündigte Sportdirektor Alpo Suhonen im KURIER-Gespräch vor der WM an. Wenn der Teamchef neben der Betreuung des Teams weitere Aufgaben im Verband übernehmen kann, zahlt sich die Investition aus. Allerdings: Gute Trainer wie zum Beispiel der bei Färjestad wieder freigewordene Tommy Samuelsson kosten Geld.

Der Präsident

Am 25. Juni findet in Kärnten die Wahl des Verbandspräsidenten statt. Dieter Kalt wird nach 19 Jahren im Amt nicht mehr antreten. Wahrscheinlich ist, dass Gernot Mittendorfer, Vorstand der Erste Bank, der Nachfolger wird. Die Erste Bank ermöglichte als Sponsor von Liga und Nationalteam in den letzten Jahren viele gute Projekte. Mittendorfer ist Vorsitzender des Austrian Hockey Boards, das die früher so zerstrittenen Funktionäre aus Liga und Verband vereint.

Die B-WM

Österreich wird sich für die Austragung 2017 bewerben. Als Schauplatz sind Wien oder Innsbruck realistisch. In den nächsten Tagen wird die Bewerbung geprüft. Dann wird auch klar sein, ob es Konkurrenten gibt. Polen hat die WMs 2015 und 2016 ausgetragen, Südkorea 2014. Seit die WM der Division 1 A nicht mehr in zwei gleichgestellten Sechsergruppen mit je einem Aufsteiger, sondern in einer Sechsergruppe mit zwei Aufsteigern gespielt wird, ist das Turnier attraktiv. Eine WM mit Österreich, Polen, wahrscheinlich Ungarn, Südkorea und einem weiteren Absteiger und Aufsteiger Ukraine würde sicherlich Tausende Zuschauer anlocken.

Die Meisterschaft

Mit der Einführung der International Alps Hockey League, die in Zukunft von der der Erste Bank Liga mitverwaltet wird, bekommt die EBEL einen Unterbau. Nach der U-20- und U-18-Liga bekommen also Talente eine gute Möglichkeit, den Sprung ins Profi-Eishockey zu schaffen. Noch immer gibt es Klubs wie Linz, die seit Jahren keinen Eigenbauspieler zum Stammspieler gemacht haben. In den vergangenen Jahren bildeten bei mehreren Vereinen ein paar Junge in der vierten Linie ein Feigenblatt der Nachwuchsförderung. Das ist sinnlos. Denn es braucht wieder Spieler, die nicht nur in vierten Linien drei, vier Minuten pro Partie spielen, sondern Profis, die in spielentscheidenden Situationen auf dem Eis Verantwortung übernehmen. Dafür werden aber Trainer gebraucht, die gerne mit Jungen arbeiten und Mannschaften entwickeln wollen. Solange nordamerikanische Trainer in Österreich das Sagen haben, werden drittklassige Legionäre den Vorzug vor guten Österreichern bekommen. Vor allem dann, wenn die Trainer in ihrer Doppelfunktion als Sportdirektoren die Verpflichtung der Legionäre auch rechtfertigen müssen. Michael Schiechl, einer der besten Österreicher in Polen und bei den Vienna Capitals nur als Ergänzungsspieler angesehen, ist das beste Beispiel dafür.

Die Mentalität

Die Spieler müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie jahrelang lieber Geld in der Heimat verdienen wollen, als den harten Weg im Ausland zu gehen. Das unterscheidet sie von den Slowenen, die die EBEL bei der ersten Möglichkeit verlassen, auch wenn es anderswo zu Beginn weniger Geld zu verdienen gibt. An der Mentalität hapert es auch bei einigen Klubs. Immer wieder fallen Legionäre bei den Fitness-Tests zu Trainingsbeginn durch, ohne dass es Konsequenzen gibt. Das hat direkte Auswirkungen auf die Österreicher, die diesen Legionären dann auf dem Eis auch noch den Vortritt lassen müssen. 2015/2016 setzten die acht Klubs 103 (!) Legionäre ein.

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