Eishockey-Höhenflug in Linz

Christian Perthaler, Manager des besten Eishockeyteams Österreichs, drängt auf eine Lösung des Hallenproblems.

In Linz grassiert das Fieber. Die Betroffenen drängen sich in eine kleine Halle an der Donaulände, sie klatschen, sie schreien und sie werden euphorisch.

Einer, der mit seiner Arbeit dafür sorgt, dass dieses Fieber nicht sinkt, ist Christian Perthaler. Der Manager von Eishockey-Tabellenführer Black Wings Linz spricht vor dem Gastspiel bei den Vienna Capitals über Daum, Herz und Kopf.

KURIER: Wenn jemand im Juli prophezeit hätte, Linz würde nach 25 Partien 19 Siege haben – was hätten Sie gesagt?
Christian Perthaler: Das ist echt verwunderlich. Ich habe am Anfang gewarnt, dass es mit neuem Trainer und 13 neuen Spielern zwei, drei Monate dauern wird, bis alles passt.

Liegt das nur an Trainer Rob Daum oder auch an den neuen Spielern?
Natürlich. An Ouellette zum Beispiel. Neben ihm blüht Baumgartner wieder auf. Auch Leahy ist stark. Irmen spielt sensationell. Und hinten ist Verteidiger Murphy ein Wahnsinn. Nach seiner Verpflichtung haben mich sogar Manager aus Deutschland angerufen und mir gratuliert.

Wie sind Sie auf Rob Daum gekommen, einen in Europa unbekannten College-Coach?

Von einem Freund habe ich seinen Namen gehört. Als ersten der möglichen Kandidaten habe ich ihn angerufen. Wir haben recherchiert, und ehemalige Spieler waren alle begeistert. Mir hat er sofort getaugt.

Die Linzer Eishalle ist zu 94 Prozent ausgelastet. Wien hat schon erweitert, der KAC bekommt eine neue Arena, Villach baut aus. Wann ist Linz an der Reihe?
So einen Boom hat es noch nie gegeben. Aber die Halle ist 30 Jahre alt und hat nur 1200 Sitzplätze. Ich muss jedes Mal hunderte Anfragen auf VIP- und Sitzplatz-Tickets absagen. Wirtschaftlich ist das eine Tragik. Linz hat die Chance, eine Eishockeystadt zu werden. Egal, wo man hingeht, alle reden über die Black Wings. Im Play-off bräuchten wir 10.000 Plätze.

Wie sehen Sie das Niveau in der Liga und die Diskussion über die vielen Legionäre?
Unsere Klubs haben im Sommer den schwedischen, den deutschen und den finnischen Meister geschlagen. Wir sind international ziemlich stark.

Aber junge Spieler werden in heiklen Situationen kaum eingesetzt.
Dann muss ich auch fragen, wo die überhaupt sind. Der KAC investiert viel Geld und muss dennoch Talente aus Vorarlberg holen. Aber natürlich muss mehr für den Nachwuchs gemacht werden. Und vor allem brauchen wir mehr Eisflächen.

Davon wird seit Jahren gesprochen. Und das Nationalteam wird immer schlechter.
Das stimmt ja nicht. Wann hatte denn das Nationalteam die beste Zeit? Als wir zehn Austrokanadier hatten. Das ist ja auch nicht optimal.

Sie hatten 1993 ein Blutgerinnsel im Kopf und konnten ihre Karriere sensationell weiterführen. Was denken Sie über die vielen Gehirnerschütterungen im Eishockey?
Die hat es immer schon gegeben. Aber früher war das wie eine Platzwunde, und viele haben weitergespielt. Das war dämlich. Man hat geglaubt, es kann nichts passieren. Jetzt weiß man, dass es gefährlich ist.

Ihr Blutgerinnsel hatte damit nichts zu tun?
Nein, bei mir war es eine angeborene Gefäßschwäche. Zum Glück ist es bei der Weltmeisterschaft in München geplatzt, weil dort die ärztliche Versorgung sehr gut war.

Und Sie konnten Ihre Karriere fortsetzen.
Nach einem Jahr Pause habe ich die Ärzte gequält. Grünes Licht habe ich nie bekommen. Aber ein Arzt hat erklärt, dass der Clip in meinem Gehirn nicht aufgehen kann. Danach bin ich auf zwei Olympia-Teilnahmen, mehrere Weltmeisterschaften und 14 Saisonen in der Liga gekommen.

 

 

 

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011