Einfädel-Diskussionen in Kitzbühel

© Bild: dapd(c) AP

Slalom zwischen Ehrlichkeit und Ehre: Massive Kritik der Kroaten am ausgeschiedenen Hirscher in Kitzbühel.

Eingefädelt, eingefädelt, eingefädelt – kein anderes Wort war am Sonntag in Kitzbühel so oft zu hören. Der Grund: Marcel Hirscher und die Frage, ob er’s denn nun hat oder nicht – eben eingefädelt.

Bereits nach dem ersten Lauf herrschte Verwirrung. Hatte der Salzburger das allererste Tor korrekt passiert? FIS-Direktor Günter Hujara sagte zunächst "Nein" und ließ Hirscher aus der Ergebnisliste streichen, bevor er zehn Minuten später seine Entscheidung widerrief.

"Es hat wohl so ausgesehen, als hätte Marcel die Stange mit der Skispitze niedergedrückt, das Tor aber anschließend richtig passiert", erklärte ÖSV-Direktor Hans Pum.

Der Drittplatzierte des ersten Laufs durfte im zweiten starten. Die Entscheidung war umso brisanter, zumal Hirscher auf der Gerüchtebörse als "Wiederholungstäter" in Sachen Einfädler gilt. Prompt wurde Hirscher seinem Ruf gerecht – er schied in Lauf zwei endgültig aus, während sich Cristian Deville, 31, zum ersten Sieg seiner Karriere gratulieren lassen durfte. Der Italiener fing den Halbzeitbesten Mario Matt plus Ivica Kostelic ab.

Aggressiv

Kostelic gewann zwar 100-Kombi-Punkte, baute seine Weltcupführung gegenüber Hirscher aus, machte aber seinem Ärger über Hirscher trotzdem Luft. Es hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, dass Hirscher beim Sieg in Zagreb einen – nicht geahndeten – Einfädler begangen hatte. "Hirschers Sieg in Zagreb war korrekt", stellte Günter Hujara indes am Sonntag in Kitzbühel klar.

Der Kroate Kostelic unterstellt Hirscher, dass der gewusst haben musste, dass bei seinen Slalom-Läufen in Zagreb und Adelboden nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war. "Es gibt grundlegende Werte im Sport. Wenn jemand auf diesen herumtrampelt, vergesse ich das nicht. Es sind vielleicht nur Indizien, aber wir reden über heute, Zagreb und Adelboden – das ergibt ein sehr unsauberes Bild."

Auch Benjamin Raich fand nach dem zweiten Kitzbüheler Durchgang (in dem "Einfädler" Hirscher verbotenerweise seine Fahrt fortgesetzt hatte) deutliche Worte: "Jeder spürt es, wenn er einfädelt – das kann jeder Kollege bestätigen. Mir ist es auch schon passiert, dass ich es im ersten Moment nicht wahrhaben wollte. Aber eigentlich muss man stehen bleiben, dann gibt es auch danach keine Diskussionen."

Kitz-Sieger Deville glaubt nicht, dass Marcel Hirscher von seinen Einfädlern wusste: "Er fährt mit den Skischuhen so nahe zum Tor, dass er manchmal hängen bleibt."

Versöhnlich

Auch Kroatiens Ski-Präsident Miho Glavic schlägt vor dem Schladminger Nachtslalom versöhnliche Töne an. "Zwischen dem ÖSV und uns herrscht bestes Einvernehmen." Und: Was ein Sportler in der ersten Emotion sagt, könne man nicht beeinflussen. Glavic rät der FIS zu einer Ethik-Kommission. "Man muss eine klare Linie finden für Läufer, die ihre Fahrt nach einem Torfehler fortsetzen."




Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Kommentar

  • Reaktion

  • Kommentar

  • Reaktion

Erstellt am 23.01.2012