Ein Trainingstag mit den Ski-Profis

© Bild: KRISTIAN BISSUTIKRISTIAN BISSUTI,

KURIER-Redakteur Axel Halbhuber darf einen Tag beim Slalom-Training der Kanadier mitfahren.

Manchmal ist das Leben einfach. Wenn zum Beispiel die Olympiasieger Ted Ligety und Aksel Lund Svindal vor dir den Slalom-Trainingskurs fahren und Torfehler machen. Du stößt dich dann am Start nur leicht ab, bremst jeden Schwung aufs Nötigste, und obwohl die Zeitnehmung beim Zieleinlauf schon eingeschlafen ist, sagst du zu den Profis: "Wisst ihr, man muss halt auch mit Köpfchen fahren."

Das kanadische Slalomteam lud den KURIER zu einem Trainingstag nach Kirchberg bei Kitzbühel, zu dem sich überraschend auch Svindal und Ligety gesellten. In Kirchberg haben die Kanadier abseits der Übungseinheiten ihre europäische Heimat gefunden. Die Sportler bewohnen ein Appartement, erzählt Michael Janyk. Der Gaisberg sei perfekt fürs Training – stellenweise sehr steil und griffig zu präparieren.

Unterschied

Phase 2: Der Kursteilnehmer übt sich als Kippstangen-Boxerlein.
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Als durchschnittlicher Skifahrer und -fan kann man einer solchen Einladung nicht widerstehen. Es gilt, die Frage zu beantworten, die sich alle am Stammtisch gerne stellen: Wie viel Zeit würde ich auf einen Weltcup-Fahrer verlieren?

Also habe ich die besten, gerade noch bewältigbaren Bretter aus dem Verleih geholt, die Skischuhe bis zum Anschlag zugeknallt und mir Tipps von Michael Janyk geholt. Der ist immerhin Gewinner von WM-Bronze 2009 und seit 2007 stets bester Torläufer seines Teams. "It’s simple", sagt der 29-Jährige aus Vancouver. "Zuerst musst du im Kopf wirklich schnell sein wollen. Und dann musst du im Kurs bleiben."

Daran hielt ich mich. Ignorierte die Angst, als ich den Ersten zusah: Die Kanadier Spence und White droschen die Stangen mit einem Karacho weg, Janyk bekam eine auf den Helm, Ligety brach zwei im Vorbeifahren ab. Ich fuhr als Letzter.

Trotzdem gibt es einen großen Unterschied zwischen Hobby- und Profiläufern: die Zielstrebigkeit. Unsereins setzt Schwünge, weil wir gerne auf der Piste sind – um das Tempo zu regulieren und sicher zu bleiben. Profis hingegen wollen nicht auf der Piste sein. Sie wollen so schnell wie möglich ins Ziel. Also streben sie darauf zu. Ich habe es auch versucht, aber nach drei Toren Angst vor der Geschwindigkeit bekommen und die
Schwünge abgehackt. Janyk erklärte das so: "Du musst den Ski nahe an die Stange bringen, dann bist du schnell."

Weil ich quer zur Stange hinbremste, musste ich Abstand halten, um die Bretter um die Kurve zu bringen. Laut Janyk ein Problem: "Du müsstest immer auf der Kante fahren, um schnell umlegen zu können. So bringst du die Skispitze nahe zur Stange." Damit gewinne man Hundertstel. Aber darum ging es bei mir nicht.

Sieg im Kopf

Phase 3: Der Kursteilnehmer wedelt wie ein Andorraner bei Olympia.
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Spence fuhr als Bester in 29,89 Sekunden, ich 50,76. In Schräglage kickten die Kanadier jede Stange spielerisch, fast tänzelnd mit den Händen oder Schienbeinschützern weg. Ich war meistens so weit von der Stange weg, dass ich mich hinlehnen musste, um sie wie aus Trotz zu berühren. Sie nahmen die Vertikale wörtlich, ich ruderte herum.

Ihre Fahrt war dynamisch, meine kabarettreif – wie ein Andorraner mit Nummer 95 bei Olympia. Ich war einmal – vor zwanzig Jahren, vier Knieoperationen und mit zwanzig Kilo weniger – ein passabler Skifahrer. Aber dieses Training hätte mein letztes Ski-Ego gekillt.
Wären da nicht der Amerikaner Ligety und der Norweger Svindal beim Training gewesen. Und mein Köpfchen somit von Bedeutung.

Erstellt am 21.01.2012