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07.04.2017

Die Vienna Capitals krönen ihre Saison mit dem Titel

Die Wiener gewannen das vierte Finalspiel beim KAC mit 3:2 und beenden eine zwölfjährige Eiszeit. Endstand der Serie 4:0.

Es ist 22:47 Uhr in der Klagenfurter Stadthalle. Alles, was keine Flügel hat, fliegt durch die Luft. Handschuhe, Schläger, Helme. Es ist das Sinnbild für den Ausbruch der Gefühle der starken Männer aus Wien. Die Vienna Capitals haben soeben mit einem 3:2-Sieg beim KAC ihren zweiten Meistertitel in der Klubgeschichte geholt, sie umarmen einander, sie springen, sie tanzen. Die Schlusssirene setzte den Schlusspunkt unter eine denkwürdige Saison der Vienna Capitals.

Nach dem Punkterekord im Grunddurchgang (98 Zähler gab es in der EBEL zuvor noch nie) zogen die Wiener als Erster ins Play-off ein, gewannen im Viertelfinale gegen Innsbruck 4:0, im Semifinale gegen Bozen 4:0 und dann das Finale 4:0. Zwölf Siege in zwölf Play-off-Spielen hatte es zuvor noch nie gegeben. 51 der 66 Saisonspiele haben die Wiener insgesamt gewonnen. Sie sind ein würdiger Meister.

Meisterlicher Kickert

Die Capitals begannen mit David Kickert im Tor. Der 23-jährige Eigenbauspieler ersetzte den zuletzt unsicheren Star-Keeper Jean-Philippe Lamoureux, für den er in den beiden Spielen zuvor eingewechselt worden war. Kickert feierte im Grunddurchgang vier Zu-null-Siege und war in der Statistik der beste Keeper der Liga, ins Play-off gingen die Capitals dennoch mit Lamoureux.

Das Spiel begann, wie es sich der KAC erwünscht hatte. Kaum waren alle 4945 Fans auf ihren Plätzen, stand es schon 1:0. Nach 33 Sekunden lenkte Neal den Schuss von Fischer ab. Die Schiedsrichter Lemelin und Smetana gaben das Tor nach dem Videostudium. Doch es dauerte nicht lange, bis die Capitals das Spiel drehten. Rotter glich nach einem Abpraller aus (4.), Nödl schloss einen Konter in Unterzahl zum 2:1 ab (7.). Davor hatte Kapstadt an der blauen Linie den Puck an den heranstürmenden Wiener Vause vertändelt. Ein Anfängerfehler.

Im Sektor hinter dem KAC-Tor ging es rund. Die 260 Wiener Fans begannen zu feiern. Das Tor kostete die Klagenfurter viel Energie und wohl auch Mut. Denn die Wiener bekamen das Spiel besser unter Kontrolle. Auch, wenn der KAC im Powerplay durch Pance noch zum 2:2 (20.) kam.

Und so schaute es beim Public Viewing in Wien aus:

Nach der ersten Pause ging es auf und ab, doch den Klagenfurten war anzusehen, dass sie sich immer schwerer taten, den Weg vor das Wiener Tor zu finden. Auf der anderen Seite wurde es vor allem dann gefährlich, wenn die Capitals in Überzahl agierten. Das Team von Serge Aubin ließ den Puck wie am Schnürchen laufen. McKiernan nutzte ein Überzahlspiel mit einem platzierten Schuss zum 3:2 (26.).

Zitterpartie

Jetzt war der Titel für die Capitals zum Greifen nahe. Doch es war noch lange zu spielen. Zu lange, um im Eishockey einen Ein-Tor-Vorsprung nur zu verwalten.
Letztlich hatten die Capitals auch Glück. Hurtubise (36.) und Pance (47.) trafen die Stange.

Weil auf beiden Seiten keine Tore mehr fielen, endete am Freitag die Wiener Eiszeit nach zwölf Jahren ohne Titel. Den riesigen, 18,25 Kilo schweren und 97 Zentimeter hohen Pokal duften die Capitals nach der Siegerehrung in Klagenfurt mit nach Hause nehmen. Vor der Eishalle in Kagran wollten noch ein paar der Fans auf ihre Helden warten.

Es ist 22.47 Uhr in Wien-Kagran. Kurz hob sich das Dach von der Albert-Schultz-Halle – die Capitals-Fans tobten, ballten die Fäuste, fielen einander in die Arme, schrien sich zwölf Jahre Sehnsucht von der Seele. Endlich wieder Meister! „Oh wie ist das schön“, grölten sie völlig aufgelöst und erlöst. Einige hüpften über die Bande und tanzten auf dem Eis.

Sturm auf den Fanshop

Capitals-Fans sind schon ein eigenes Volk. Da spielen ihre Helden gar nicht in Kagran, und sie kommen dennoch in die Halle, um auf eine Leinwand zu starren. Public Indoor Viewing nannte sich der Event, der 2300 Fans anlockte. Das Aufwärmen fand im Fanshop statt, der regelrecht gestürmt wurde. Ein Bub, dem Leiberl zu schließen Rotter sein Name, bedeutete seinem Vater, welche Artikel er zu kaufen hatte. Schal, T-Shirt, Kappe, das ganze Programm eben. Es ist ja nicht alle Tage Finale.

Hallensprecher Gerald Berger stimmte die volle Nordtribüne auf die vierte Finalpartie im fernen Klagenfurt ein: „Mit der Nummer 21 Riley!“ Das Publikum antwortete artig: „Holzapfel!“ Untermalt wurde alles mit Bildern vom dritten Sieg. Aus den Boxen dröhnte „Thunderstruck“ von AC/DC. Spätestens jetzt standen alle unter Strom.

Es konnte losgehen.

Fehlstart

Und wie, beim 0:1 fiel einem Mann mit Fraser-Trikot die Wurstsemmel samt Gurkerl aus dem Mund. „Ausgleich“, forderten die daheimgebliebenen Caps. Als hätte man sie 330 Kilometer weiter südlich gehört. Denn wenig später bejubelten sie auch frenetisch das 1:1, danach tobten sie bei der Führung. „Heit werma Masta“, meinte ein ziemlich weiblicher und ziemlich blonder Philippe Lakos im feinsten Wienerisch.
Man feuerte an, klatschte, stimmte Gesänge an, als würde das Spiel auf Kagraner Eis stattfinden. Nach dem 3:2 ging es in die letzte Pause. Bier holen, den Tank für den Schlusssprint auffüllen. Auch einige Spielerfrauen atmeten noch einmal durch, nur die Spielerkinder schenkten dem Spiel keine Beachtung, sie liefen im VIP-Klub lieber um die Wette.

Countdown

Dann wechselten Vorfreude und Bangen im Minutentakt. „Wir werden Meister“, schrien die Fans wenige Minuten vor dem Ende. Recht sollten sie behalten. Die letzten Spielsekunden zählte man im Kollektiv hinunter. Der Final Countdown bis zur ultimativen Ekstase. Aus, vorbei, Meister. Mit den Mobiltelefonen wurden Fotos und Videos gemacht, von allen Seite blitzte es.

Mit Tränen in den Augen schauten die meisten auf die Leinwand, verfolgten den Jubel in Klagenfurt und bejubelten dabei ihre Helden.

Capitalismus pur!

von Alexander Strecha