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31.03.2017

EBEL: Der große Vergleich vor dem Finalauftakt

Die Vienna Capitals und der KAC kämpfen ab heute im Best-of-seven-Modus um den Titel.

Wenn heute Abend um 20.15 Uhr der Puck zum ersten Bully der Finalserie zwischen den Vienna Capitals und dem KAC fällt, dann ist alles vergessen – all die Leiden der Spieler im Sommertraining, all die Verletzungen während der Saison, all die Mühen, in mehr als 60 Saisonspielen seit September immer das Beste zu geben, und auch all die Statistiken, mit denen man versucht, einem Team die Favoritenrolle zuzuschreiben.

Es steht 0:0 zwischen Wien und Klagenfurt. Wer in der Best-of-seven-Serie vier Siege hat, der ist österreichischer Meister und Champion der internationalen Erste Bank Eishockeyliga. Sieben Faktoren werden für den Ausgang entscheidend sein. Der KURIER vergleicht die beiden Teams und versucht so, eine Prognose zu stellen.

Die Torhüter

Die Capitals haben mit Jean-Philippe Lamoureux den besten Keeper der vergangenen Saisonen, der KAC vertraut auf David Madlener, einer der jungen aufstrebenden Tormänner. Der Vorarlberger ersetzte im Semifinale gegen Salzburg nach zwei Niederlagen Legionär Duba und feierte vier Siege in Folge. Der 24-Jährige besticht durch seine Ruhe. Aber wird er die auch haben, wenn es um den Titel geht?
Wiens Lamoureux steht ebenfalls in seinem ersten Finale und ist bekannt dafür, dass er sich steigert, je wichtiger die Spiele werden.

Die Defensive

Beide Teams spielen ein ähnliches System: Die Defensivarbeit beginnt sofort nach dem Puckverlust. "Wir wollen immer Druck auf den Gegner ausüben. Selbst der beste Spieler kann nichts machen, wenn er keine Zeit hat", beschreibt Capitals-Stürmer Andreas Nödl das aggressive Forechecking der Wiener. Allerdings ist dieser Stil laufintensiv, und Stürmer und Verteidiger müssen sich stets abstimmen, wer sich nach hinten orientiert. In den letzten Duellen der Capitals mit dem KAC setzten die Klagenfurter das System besser um und siegten in Wien 5:0 und in Klagenfurt 4:2.

Der Angriff

Mit Riley Holzapfel haben die Wiener den "Most valuable Player" der Saison. In den acht Play-off-Spielen kam er auf neun Tore und sieben Assists. Die Kollegen Kelsey Tessier (12 Scorerpunkte) und Rafael Rotter (11) liegen auf Platz zwei und drei der Topscorerwertung in der EBEL. Ein Großteil der Punkte stammt aber aus dem Viertelfinale gegen die Innsbrucker, die sich offenbar auf das Powerplay nicht vorbereitet hatten. Beim KAC sind Manuel (10 Punkte) und Stefan Geier (9) sowie Thomas Koch (9) die Produzenten. Gegen Salzburg zeigte auch Jamie Lundmark seine Torjägerqualität (drei Treffer in den letzten beiden Spielen).

Über- und Unterzahl

Das Powerplay entwickelte sich bei den Capitals erst in den vergangenen Wochen zur Waffe. Im Viertelfinale gegen Innsbruck erzielten sie elf Treffer in Überzahl und sind auch nach dem Semifinale mit 23,5 Prozent Erfolgsquote die Nummer eins dieser Statistik. Der KAC ist mit 15 Prozent nur auf Rang 13. Allerdings werden die Klagenfurter in Unterzahl aggressiver agieren und die Werte der Caps sinken lassen.

Trainer

Für Capitals-Coach Serge Aubin wie auch für KAC-Trainer Mike Pellegrims wäre es der erste Titel. "Wir kennen uns gut aus unserer Zeit in Deutschland", sagte Serge Aubin. "Wir sind Freunde. Aber ab Freitag werden wir einander zwei Wochen lang nicht zum Abendessen einladen." Dass die beiden ein ähnliches Spielsystem forcieren, überrascht also nicht.
Aubin (42) ist 396-facher NHL-Spieler und hatte die Wiener Spieler im Gegensatz zu seinen Vorgängern vom ersten Tag an im Griff. Pellegrims (48) war sechs Jahre Assistant Coach in Wolfsburg und wurde als Spieler sechs Mal Meister, zuletzt 2009 mit dem KAC.

Erfahrung

Wie KAC-Sportdirektor Dieter Kalt im KURIER-Interview am Donnerstag erklärte, kommt es im Finale sehr auf die Erfahrungen in solchen Situationen an. Beim KAC sind noch sieben Spieler von der Meistermannschaft 2013 dabei. Bei den Capitals war nur Philippe Lakos 2005 schon im Team.

Fans

Die ersten beiden Spiele in Wien sind mit je 7022 Zuschauern ausverkauft, ebenso in Klagenfurt mit je 4934. Stimmungsvoll wird es in beiden Hallen, der KAC hat wohl die lauteren Fanklubs.

Die Capitals haben über die gesamte Saison die besseren Zahlen geliefert. Für die Favoritenrolle im Finale reicht das aber nicht. Einen Titel haben die Wiener dennoch schon gestern gewonnen. Die professionelle Nachwuchsarbeit der letzten Jahre macht sich bezahlt: Das Unter-20-Team von Christian Dolezal gewann mit einem 2:0 in Jesenice das Finale der Erste Bank Youngsters League mit 3:1.

KURIER-Tipp: Der KAC siegt 4:2.

Titel haben die Wiener schon vor dem Finale in der EBEL gewonnen. Die professionelle Nachwuchsarbeit der letzten Jahre macht sich bezahlt: Das Unter-20-Team von Christian Dolezal gewann am Donnerstag mit einem 2:0 in Jesenice das Finale der Erste Bank Youngsters League mit 3:1. Davor hatte sich schon das U18-Team den österreichischen Titel geholt.

Die Geschichte zwischen Wien und Klagenfurt

Da die Vienna Capitals erst 2001 gegründet wurden, gibt es noch nicht viele Aufeinandertreffen der beiden Teams in Play-off-Serien.

Doch jene zwei, die es gab, hatten es in sich. Die Wiener Fans erinnern sich lieber an 2005, als die Capitals mit einer Star-Mannschaft in die Saison gingen und im Semifinale Villach 3:0 abfertigten. Geschwächt von einigen Verletzungen stand den Wienern plötzlich ein bärenstarker KAC gegenüber, der gleich das erste Spiel in Wien 2:1 gewann. Bis zum sechsten Spiel gewann immer die Gastmannschaft. Das hatte es noch nie gegeben. Capitals-Trainer Jim Boni griff in die Trickkiste und ließ sein Team in der vierten und alles entscheidenden Heimpartie in den gelben Auswärtstrikots spielen. Schon nach wenigen Minuten war klar, dass der erste Wiener Meistertitel nach 43 Jahren nicht mehr zu verhindern war. Die Wiener siegten 6:2, gewannen die Best-of-seven-Serie 4:3 und spielen seither in Kagran immer in Gelb.

Es sollte bis dato der einzige Erfolg der Capitals bleiben. 2013 dominierten die Wiener mit Trainer Tommy Samuelsson wieder die Liga. Im Semifinale besiegten sie erstmals in einem Play-off-Duell Salzburg und trafen im Finale auf den KAC. Gegen die Rotjacken erlebten die Wiener aber ein blaues Wunder. Gegen die übermotivierten und disziplinlosen Capitals verstanden es die Klagenfurter geschickt, die Gefahrenzone vor dem eigenen Tor zu sichern. Die Serie war bereits nach vier Spielen zu Ende, der KAC holte sich mit einem 4:0 den 30. Meistertitel.

Es war für die Klagenfurter die bislang letzte Finalteilnahme. Die Wiener erreichten die Endspiele hingegen überraschend auch 2015, waren beim 0:4 gegen Salzburg aber wieder chancenlos.

Das Finale und der lange Weg dorthin

Die Termine

Freitag, 31.3., 20.15 in Wien
Sonntag, 2.4., 17.00 in Klagenfurt
Dienstag, 4.4., 20.15 in Wien
Freitag, 7.4., 20.15 in Klagenfurt

Falls nötig:

Sonntag, 9.4.,14.30 in Wien
Dienstag, 11.4., 20.15 Klagenfurt
Donnerstag, 13.4., 20.15 in Wien

Alle Spiele auf ServusTV und Sky.

Die Kontrahenten

Die Vienna Capitals waren mit 98 Punkten im Grunddurchgang Erster (32 Punkte Vorsprung auf den sechstplatzierten KAC). Im Viertelfinale besiegten sie Innsbruck 4:0, im Semifinale Bozen 4:0. Der KAC war bereits in der Zwischenrunde das punktbeste Team (23 Zähler). Im Viertelfinale wurde Vizemeister Znaim 4:0 besiegt, im Semifinale Meister Salzburg 4:2.