Deutscher Doppelpack: Neureuther und Dopfer auf den Plätzen 1, 2 - wie einmal schon in Kranjska Gora.

© REUTERS/STEFANO RELLANDINI

Ski Alpin
12/23/2014

Doppelsieg und Doppelstaatsbürger

In der alpinen Rennwelt verschwimmen die Grenzen zwischen Ländern und Stars immer mehr

von Wolfgang Winheim

Verkehrte Ski-Welt: Über den erst zweiten deutschen Zweifach-Erfolg in der Slalomgeschichte jubelt ein Österreicher. Denn Mathias Berthold, der sich noch bei Olympia in Sotschi als ÖSV-Cheftrainer zum ÖSV-Doppelerfolg von Mario Matt und Marcel Hirscher gratulieren lassen hatte dürfen, stand Montagabend in gleicher Funktion für den deutschen Skiverband am Rand der steilen Miramonti-Piste, als Felix Neureuther und Fritz Dopfer in Madonna auftrumpften.
„Er hat das Zeug, international in den nächsten Jahren die Maßstäbe zu setzen“, sagt Berthold über Neureuther. Und Neureuther sagt über seinen Teamkollegen Dopfer: „Wenn er weiter so Ski fährt, ist sein erster Sieg nur eine Frage der Zeit.“

Fritz Dopfer, Sohn einer Österreicherin und eines Deutschen, war als Zehnjähriger mit seinen Eltern vom bayrischen Schongau zurück nach Tirol gezogen. Er schloss das Skigymnasium Stams mit Matura ab, bevor er sich zwecks sportlicher Reifeprüfung dem deutschen Skiverband anschloss.

Dopfer besitzt die Staatsbürgerschaften von Österreich und Deutschland. Österreich könnte den 27-jährigen somit ein bissel für sich beanspruchen. Gleiches könnten allerdings auch die Niederländer mit Marcel Hirscher tun, kommt doch dessen Mama aus Den Haag. Hirscher kennt ohnehin keine Grenzen. Am Tag nach dem Madonna-Slalom, bei dem es für den stark Verkühlten nur zu Rang sieben gereicht hatte, fuhr Hirscher zum Osteopathen nach Bayern (Schliersee). Dort war unmittelbar nach ihm Madonna-Sieger Neureuther der nächste Patient. Von Rückenproblemen sind quer durch die Ski-Nationen alle Torlauf-Akrobaten geplagt.

Nach einer weihnachtlichen Pause wird Hirscher ab 27. Dezember intensiv für den Nachtslalom von Zagreb trainieren. Davon ausgehend, dass die Kroaten („Die sind wahre Profis“) bis 6. Jänner renntaugliche Bedingungen auf ihren vorerst noch schneelosen Slalomberg zaubern können.

Auf die Abfahrer wartet noch im alten Jahr eine neue Herausforderung. Erstmals wird Santa Caterina, ein bisher ausschließlich bei Damenrennen bewährtes Schneeloch in der Provinz Sondrio, Schauplatz einer Herren-Weltcupabfahrt sein.

In den bisherigen drei Abfahrten schaffte es kein ÖSV-Speedpilot unter die Top drei. So eine vorweihnachtlich mäßige Bilanz ist dem Österreichischen Skiverband seit 25 Jahren nicht mehr passiert.

Noch sind Sportdirektor Hans Pum und Herrencheftrainer Andreas Puelacher nicht beunruhigt. Vielmehr bezeichnet’ s Puelacher als realistische Zielvorgabe, „dass unsere Speed-Truppe Jansrud so oft wie möglich besiegt.“ Das wäre die größte Hilfe für Hirscher. Noch liegt Kjetil Jansrud im Weltcup 34 Punkte vor Hirscher. Und noch scheint’s unwahrscheinlich, dass Torlauf-Champion Hirscher am 22. Februar sein Abfahrts-Weltcupdebüt in Saalbach riskiert.

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