Divis: "Almosen brauche ich nicht"

Vienna-Capitals-Goalie Reinhard Divis spricht im KURIER-Interview über seine offene Art und die Zeit bei Salzburg.

Reinhard Divis ist ein schlagfertiger Typ. Der zehnfache Meister-Tormann hält auch im Interview was er verspricht.

Nur die Flugzeug-Katastrophe in Russland, bei der fast alle Spieler vom Spitzenteam Lokomotive Jaroslawl ums Leben kamen, lässt den neuen Tormann der Vienna Capitals vor dem Saisonstart am Freitag in Graz nachdenklich werden.

KURIER: Ein paar der weltbesten Spieler sind tot. Hatten Sie persönlichen Kontakt zu einem der Opfer?
Reinhard Divis: Ich habe mit Pavol Demitra in St. Louis gespielt. Mit Tormann Stefan Liv war ich letztes Jahr im Trainingslager. Er hat mir damals gesagt, dass er nur noch ein Jahr auf's Geld schaut und in Russland bleibt. Er hat zwei kleine Kinder, war frisch verheiratet. Das ist so tragisch. 2004 habe auch ich ich ein Angebot von Jaroslawl gehabt. Ich kann jetzt nur sagen: 'Scheiß auf das ganze Geld.'

Zum Alltag: Sind die Vienna Capitals eine Mannschaft, die den Titel gewinnen kann?
Das waren sie auch schon in der Vergangenheit. Es haben alle mitbekommen, dass die Top-Spieler am Ende müde waren. Aber es war auch Pech dabei mit der Verletzung von Fortier und dem bösen Check von Welser an Gratton. Heuer haben wir mit Tommy Samuelsson höchstwahrscheinlich den besten Trainer in der Liga.



Es gibt mit Lupaschuk, Lakos und Ferland mehrere Polizisten bei den Capitals, die bei unfairen Attacken aufräumen können. Ist das für einen Tormann beruhigend?
Es ist für den Gegner wichtig. Sie wissen, dass sie eine drauf kriegen, wenn sie den Divis z'sammführen.

Im Play-off 2011 fiel auf, dass ein großartig haltender Divis vom Klagenfurter Hager verletzt wurde und der überragende Capitals-Kapitän vom Salzburger Welser böse mit einem schlimmen Foul außer Gefecht gesetzt wurde. Gehört so etwas mittlerweile zum Sport?
Nein. Das war Verletzungsabsicht. Ich bin gegen den KAC 15-mal zusammengefahren worden. Das war ein Skandal. Das hat mit Härte nichts zu tun.
Ich unterstelle dem Hager nichts, aber er wird eine gute Erklärung haben, warum er mich zwei Sekunden nach dem Pfiff zusammenführt. Zu Welser: Es haben sofort alle zu ihm gesagt, dass er eine lange Sperre bekommen wird.

Die Referees konnten diese Attacken nicht verhindern.
Leider wird hier nicht konsequent gepfiffen. Wenn ich so schlecht spielen würde, wie die pfeifen, dann hätte ich längst aufhören müssen.

Muss man verrückt sein, um im Tor zu stehen?
Deppert sind wir sicher nicht. Wir haben ja einen guten Schutz.

Auf was kommt es bei einem guten Tormann an?
Talent haben ja viele. Am Ende macht die mentale Stärke den Unterschied aus.

Kann man Pucks mit 150 Stundenkilometern sehen?
Die Schüsse werden im Lauf deiner Karriere immer härter. Und du schaust nicht nur auf den Puck. Sondern auf die Schuhe des Schützen, auf die Körperhaltung, auf den Schläger. Und ganz wichtig ist das Geräusch, auf das du reagierst.

"Almosen brauche ich nicht"

Reinhard Divis spielt mit den Vienna Capitals um die österreichische Meisterschaft mit.
© Bild: apa

Sie haben zehn Meistertitel gewonnen. Wie motivieren Sie sich noch?
Ich spiele gerne und lebe nicht in der Vergangenheit. Ich bin stolz, was ich erreicht habe. Aber ich habe das ja nicht zum Angeben gemacht.

Denken Sie mit Wehmut an die Zeit in der NHL?
Überhaupt nicht. Ich habe dort viel gelernt. Das war auch der Grund, warum ich Salzburg verlassen habe. In der NHL habe ich nach einer Verletzung einen besseren Vertrag bekommen, weil der Manager gesagt hat, er wisse, wie hart ich arbeite, wie sehr ich mir das verdiene. Jetzt muss ich mir vom Salzburger Manager sagen lassen, ich müsse froh sein, einen Vertrag zu haben. Almosen brauche ich nicht. Das ist respektlos. Weil sie begonnen haben, schlecht über mich zu reden, sage ich jetzt die Wahrheit.

Sie sind sehr direkt. Hatten sie dadurch auch Probleme?
Oft. Dafür kann ich mir in den Spiegel schauen. Wenn du in Salzburg anderer Meinung bist, wirst du abserviert, oder du gehst selber.

Salzburg-Trainer Pierre Page, mit dem viele Spieler nicht können, spricht in den höchsten Tönen von Ihnen.
Aber einen zwei-Jahres-Vertrag habe ich nicht bekommen. Komisch, oder?

Verdienen Spieler in Salzburg wirklich so viel mehr?
Ich spiele in Wien um ein Drittel weniger. Das war mir egal. Viele Spieler in Salzburg sind unzufrieden, aber keiner tut was.

Was müsste passieren, dass Österreich wieder einen Fixplatz bei der A-WM erreicht?
Wir brauchen einen hauptamtlichen Teamtrainer. Manny Viveiros ist die richtige Wahl. Aber er sollte einen Fünfjahresvertrag bekommen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011