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10.04.2017

Die neue Eishockey-Hauptstadt Wien

Die Gründe für den Titelgewinn der Vienna Capitals und die neue Euphorie in Wien.

Die Vienna Capitals sind die neue Nummer eins in Österreich und dem Gebiet der fünf Länder umfassenden Erste Bank Eishockeyliga. Mit ihrer famosen Leistung von 51 Siegen in 66 Saisonspielen führten sie zu einer neuen Eishockey-Euphorie in Wien. Zirka 400 Fans empfingen Spieler und Trainer am Samstag um 6 Uhr Früh nach der Heimfahrt von Klagenfurt mit einem Spalier aus Bengalen in der Attemsgasse vor der Schultz-Halle. Die Meisterfeier soll Mitte der kommenden Woche in der Halle stattfinden. Vorherzusehen war eine solche sportliche Entwicklung vor der Saison nicht. Im Nachhinhein lassen sich aber fünf wesentliche Faktoren für den ersten Titel seit 2005 finden.

Der Trainer

Erst am 7. Juni 2016 gaben die Vienna Capitals bekannt, dass Serge Aubin neuer Headcoach wird. Eine unglückliche Fügung wurde zum Glück für Wien. Denn Investor Anschütz gab die DEL-Lizenz der Hamburg Freezers zurück, wodurch Serge Aubin plötzlich auf den Trainermarkt kam. Obwohl er bei einem Großklub wie Hamburg arbeitete, war er ein unbeschriebenes Blatt. Nach den ersten Gesprächen war schnell klar, dass Aubin nach Wien passt. Der 42-jährige Kanadier schaffte es vom ersten Training an, die Spieler zu einen. Eines seiner Mottos war, im Moment zu leben. Nach außen hin war das große Ziel nie ein Thema. Aubin beschäftigte sich sehr mit Details, er unterbrach Trainings, um selbst arrivierten Spielern Tipps zu geben. Er gab seinen Spielern nie die Gelegenheit für Ausreden. Kritik an Schiedsrichtern war ihm nie herauszulocken. "Ich rede nur über Sachen, die wir selbst kontrollieren können", sagt er stets.

Und das Coaching auf der Trainerbank führte Aubin auf eine neue Ebene. Er nimmt Timeouts zum richtigen Zeitpunkt, er stellt während des Spiels Linien um, er reduziert während des Spiels den Kader und bringt dann später wieder ausgeruhte Spieler, die entscheidend Schwung bringen. Beim 5:4-Sieg (nach 1:4-Rückstand) im zweiten Finale brachte nahm er drei Minuten vor Schluss in den richtigen Momenten für Tormann David Kickert einen weiteren Feldspieler, beide Male trafen die Capitals und schafften es mit einem 4:4 in die Verlängerung. Noch nie hatte ein Trainer in Wien so einen Einfluss auf ein Spiel.

Das Spielsystem

Aubin und sein Assistent Craig Streu verpassten den Capitals einen modernen Spielstil. In der Verteidigung wurde schnell hinausgespielt, das Mitteldrittel so schnell wie möglich überbrückt, vorne durften die Caps ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Bei einem Puckverlust wurde extremer Druck auf den Gegner ausgeübt. In einigen Partien ließen die Wiener in 60 Minuten kaum einen geordneten Spielaufbau des Gegners zu. Das System erforderte auch extreme taktische Disziplin und Laufbereitschaft.

Riley Holzapfel und Kelsey Tessier

Serge Aubin freute sich riesig, als die Verpflichtung von Riley Holzapfel gelang. Der 28-jährige Spielmacher ist einer der komplettesten Spieler bei den Capitals seit der Klubgründung 2001. Nach drei Jahren in der höchsten schwedischen Liga besticht er nicht nur durch seine Torjägerqualitäten, sondern auch durch sein Spielverständnis. Er weiß, wo der Puck hin muss, damit Druck entsteht. Auch der KAC hatte mit Holzapfel verhandelt, nach einem Gespräch mit Aubin war Holzapfel aber sofort Feuer und Flamme für die Capitals. In Wien harmonierte er perfekt mit Kelsey Tessier. Der kleine und pfeilschnelle Stürmer kam ebenfalls aus Schweden und in den 12 Play-off-Partien auf 19 Scorerpunkte. Holzapfel gelangen sogar 12 Tore (Liga-Rekord) und 11 Assists.

Franz Kalla

Der Manager hat in dieser Saison nicht nur bei der Verpflichtung des Trainers alles richtig gemacht. Elf Legionäre hatten die Capitals, kein einziger enttäuschte. Gleichzeitig schaffte er es, in der Halle ein Athletik-Zentrum von internationalem Format für den Nachwuchs zu errichten. Die Investitionen haben sich schon ausgezahlt. Neben den Profis wurden auch die Mannschaften der Unter-18 und der Unter-20 österreichischer Meister, die U20 holte außerdem den Titel in der internationalen Erste Bank Young Stars League. Wien ist tatsächlich die neue Eishockey-Hauptstadt.

Das letzte Spiel der Zwischenrunde

1:1 stand es am 21. Februar zwischen den Capitals und Innsbruck nach zwei Dritteln. Mit nur einem Punkt im letzten Spiel der Zwischenrunde hätten die Wiener Rang eins verloren. Zu diesem Zeitpunkt waren sie gar auf Rang drei zurückgefallen. Erst im Schlussdrittel stellte das Team den 3:1-Sieg und Rang eins vor den Play-off sicher. Rang drei hätte bedeutet, dass die Wiener im Viertelfinale nicht Innsbruck hätten wählen können und im Semifinale nicht auf Bozen, sondern auf den KAC getroffen wären. Und das ohne Heimvorteil im ersten Spiel. Und dann hätte vermutlich Salzburg im Finale gewartet...

Der Emfang der Capitals um 6 Uhr in Wien