Sport | Wintersport
05.12.2011

Der Winter hat begonnen

Die Riesentorläufer frieren in Feuerland, während sich der stärkste Mario Scheiber aller Zeiten auf Chile vorbereitet.

Ein Ruhepuls (stets unter 40) wie ein Marathonläufer, ein Bizeps wie ein Schwerathlet: Mario Scheiber hat alle nach seinem brutalen Sturz in Chamonix aufgekommene Rücktrittsgedanken verworfen. Er hat an Muskelkraft zugelegt und Trainer bei Konditests verblüfft.

Der Jung-Vater strebt nach dem Rücktritt des dreifachen Vaters Michael Walchhofer nicht nur im Atomic-Abfahrtsteam die Number-One-Position an. Deshalb hat sich der 1,75 Meter große Mario fünf Kilo (von 84 auf 89) auftrainiert. "Aber ganz ohne Zusatzpräparate." Wie über Laktat und Watt-Werte am Ergometer weiß der Osttiroler über Windel-Preise und Baby-Nahrung genau Bescheid.

"Es herbstelt schon", sagt Scheiber, als er daheim im Defereggental in 1400 Metern vor die Haustür tritt und entscheidet, dass das Baby beim Fototermin besser in der Stube bleibt.
Mehr noch fröstelt ihn beim Gedanken, dass er sich am Mittwoch für vier Wochen von seiner sieben Wochen alten Joleen Sophie verabschieden muss. Er wird in den südamerikanischen Winter fliegen.

Heikel

Es ist viel Schnee gefallen in den chilenischen Anden, weshalb heuer nicht an nacktem Geröll vorbeigerast werden muss. Aber das Risiko ist trotzdem größer als bei Weltcuprennen, zumal die Trainingspisten nie so perfekt mit Netzen abgesichert werden können und im Verletzungsfall der Weg von Portillo in die dreieinhalb Autostunden entfernte Hauptstadt Santiago dramatisch lang werden kann. Aber so weit dürfen Rennläufer nie denken.

Die ÖSV-Abfahrer wohnen in 2800 Metern Höhe, Tür an Tür mit ski-narrischen Vertretern des amerikanischen Geldadels. Von denen werden pro Bett und Nacht 300 Euro verlangt. Für ÖSV-Stammgäst' geben's die Chilenen billiger.

In Feuerland indes gelten die Franzosen als Platzhirschen. Heuer dürfen dort, am südlichsten, windverblasenen Zipfel Südamerikas, erstmals auch Österreichs Riesenslalomspezialisten auf Kunst- und Naturschnee trainieren. "Als Weltcup-Vorbereitung ideal", meldet ÖSV-Trainerroutinier Rainer Gstrein. Für einen Skiurlaub würde er Ushuaia einem Europäer aber nie empfehlen.