Sport | Wintersport
10.12.2011

Dauerbrenner Mario Stecher

Der österreichische Kombinierer feierte 1993 sein Debüt im Weltcup. Auch mit 34 ist er noch lange nicht amtsmüde.

Wer Mario Stecher, 34, beim Bergsteigen sieht, der kann nur schwer glauben, dass er es mit einem doppelten Weltmeister und Olympiasieger zu tun hat. Der Mann, der mutig über Schanzen springt und wieselflink über die Loipen flitzt, hat nach Gipfelsiegen seine liebe Not, wieder heil ins Tal zu kommen. "Mit meinen Kindern am Boden spielen, das spielt`s auch nicht mehr", sagt Stecher.

Die Wehwehchen sind ein Kniefall vor fast zwei Jahrzehnten im Spitzensport, ein Tribut an zig Operationen, die der Steirer über sich hatte ergehen lassen müssen. Und trotzdem ist die Passion für seine Nordische Kombination immer noch größer, als das Hadern über Verletzungen und Schmerzen. "Es ist doch ein Privileg, Spitzensportler sein zu dürfen", sagt Stecher vor dem Heimweltcup in Ramsau (11.45 bzw. 14 Uhr, live ORFeins).

Stehaufmännchen

Der Routinier hat gerade sein x-tes Comeback hinter sich. Stecher hat längst aufgehört zu zählen, wie oft er in all den Jahren in den Weltcup zurückgekehrt ist. Supermario, wie er seit seinem Debütsieg im Alter von 17 Jahren am Holmenkollen genannt wird, ist ein leidenschaftliches Stehaufmännchen. "Wenn du wie ich weißt, was alles passieren kann, dann denkst du auf der Schanze öfter nach als ein Junger", sagt Stecher.

Keiner würde es ihm verübeln, wenn er in Kombinierer-Rente gehen würde, jeder könnte es nachvollziehen, wenn er den Schanzentisch verlässt, doch Stecher denkt erst gar nicht daran, seinen Sport im Stich zu lassen. Er sieht sich zusammen mit seinem Tiroler Teamkollegen Christoph Bieler auch als wichtiger Botschafter einer Disziplin, die im Wintersport um Anerkennung und Status kämpft. Den aktuellen Biathlon-Boom haben die Kombinierer deutlich zu spüren bekommen, und als im vergangenen Jahr der Kombi-Weltcup zwischen 23. Jänner und 11. März eine Pause einlegen musste, weil sich keine Weltcupveranstalter finden konnten, stieg Stecher als Oldie auf die Barrikaden."Letztes Jahr habe ich mir Sorgen gemacht", erklärt er, "aber inzwischen sieht’s mit der Kombination wieder besser aus."

Die Österreicher Stecher und Bieler waren im Sommer Unterstützer des Penalty Race, des neuen Wettkampf-Formates, das die FIS installieren will, um die Kombination spannender zu gestalten. Dabei müssen die Athleten im Langlauf Strafrunden drehen, wenn sie auf der Schanze nicht weit genug springen. "Uns Sportlern hat der Bewerb gut gefallen", meinte etwa Christoph Bieler nach dem Pilotversuch in Lillehammer. "Wichtig wäre, wenn wir jetzt ein Format einmal auch 20 Jahre durchziehen", ergänzt Stecher, der in Ramsau wie seine Kollegen auf konventionelle Kombinierer-Art unterwegs ist.

Aber jede Strafrunde wäre ihm lieber als ein Abstieg vom Gipfel. "Ich komme zwar hinauf, aber runter tu` ich mir schwer."

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