Cuche triumphiert auf der Streif

Fliegender Schweizer: Der bereits 36-jährige Didier Cuche gewinnt auch heuer und kürt sich damit zum ältesten Sieger eines Weltcup-Rennens.
Foto: apa

Überlegener Sieg des Schweizers in der Abfahrt. Mario Scheiber wird hinter Bode Miller und Adrian Theaux Vierter. Michael Walchhofer stürzt.

Der 36-jährige Didier Cuche wusste ganz genau, was die 40.000 Fans im Kitzbüheler Zielstadion von ihm erwarten. Er drehte eine Ehrenrunde, ballte die Faust, dann schnallte er ab. Und schon wirbelte der rechte Ski in typischer Cuche-Manier durch die Luft.

Der Schweizer beendet die Fahrten immer so, die Nummer mit dem rechten Ski ist sein Ritual, egal, ob er nun auf dem 20. Platz landet oder ob er gewinnt, aber selten war Cuche beim Après-Ski-Rennen mit so viel Elan und Begeisterung bei der Sache wie nach der Abfahrt vom Samstag.

Didier Cuche hat auch allen Grund zur Ausgelassenheit. Der gelernte Fleischermeister aus Le Paquier raste in die Annalen der Streif. Mit seiner Triumphfahrt hält er nun bei vier Abfahrtssiegen und ist damit so erfolgreich wie der Mister Kitz höchstpersönlich, Franz Klammer. "Es ist ein Traum, dem Didier zuzuschauen, er ist eine Klasse für sich", adelte der Kaiser den souveränen Gewinner, der so nebenbei mit 36 Jahren auch noch der älteste Sieger eines Weltcuprennens der Geschichte ist.

Perfektion

Tatsächlich zog Cuche auf dem Hahnenkamm eine rasante One-Man-Show ab. Bei seinem Streifzug wurden Erinnerungen an Stephan Eberharter wach, dessen Siegeslauf aus dem Jahr 2004 als die perfekte Fahrt gegolten hatte.

Cuche distanzierte den amerikanischen Exzentriker Bode Miller und den französischen Überraschungsmann Adrien Theaux um eine Sekunde. "Dabei dachte ich mir, dass es diesmal nichts wird", berichtet Cuche. Erst war er am Start mit dem Stock hängen geblieben, dann hatte er auch noch bei der Einfahrt in den berüchtigten Steilhang gepatzt. "Aber danach war's nahezu perfekt", strahlte der Routinier, der abermals mit seinem orangen Hermann Maier Helm unterwegs war.

Seine originellen Spezial-Helme lässt Cuche zu einem wohltätigen Zweck versteigern, der Schweizer ist bekannt für seine sozialen Aktivitäten. Deswegen wundert es auch nicht, dass Cuche in der Stunde seines Triumphes auch mahnende Worte fand und an den schweren Sturz von Hans Grugger erinnerte. "Wir Abfahrer bewegen uns auf einem schmalen Grat", erklärte also Cuche, "das darf man nie vergessen. Wie schnell es gehen kann, hat man bei Hansi Grugger gesehen."

Konstanz

Mit seinem Sieg prolongierte Cuche eine beeindruckende Schweizer Erfolgsserie bei der prestigeträchtigsten Abfahrt der Welt. Seit 2008 haben stets die österreichischen Erzrivalen auf der Streif gewonnen (Cuche 2008, 2010, 2011, Defago im Jahr 2009), der letzte Heimsieg datiert aus dem Jahr 2006 (Michael Walchhofer).

In diesem Jahr reichte es nicht einmal zu einem Podestplatz. Ausgerechnet in Kitzbühel war für Österreichs Abfahrer erstmals in diesem Winter das Stockerl eine Tabuzone. Mario Scheiber wurde vom Franzosen Theaux noch vom dritten Platz verdrängt. Die Aufregung und Enttäuschung hielt sich angesichts der Umstände dennoch in Grenzen. "Man muss immer bedenken, dass unseren Läufern der Sturz von Grugger noch in den Gliedern steckt", weiß ÖSV-Sportchef Hans Pum.

(kurier) Erstellt am
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