Cool, frech, Olympia

Bei den ersten "Youth Olympic Games" kämpfen 1059 Athleten aus 70 Nationen in Tirol um Medaillen.

Offiziell heißen wir Logistikmanager, aber eigentlich sind wir die Sherpas", feixen Simon und Noah – zwei von 1400 freiwilligen Helfern. Die Tiroler laden sich am Mittwoch vor dem Olympischen Dorf 3 in Innsbruck Taschen und Koffer auf und marschieren durch etliche Sicherheitskontrollen in das Innere des Komplexes. Die deutschen Snowboarder Linus und Johannes spazieren hinterher, ihre Ausrüstung immer im Auge. "Wir sind motiviert und freuen uns auf die Wettbewerbe, sind aber auch auf die Zimmer gespannt", erklären die 16-Jährigen.

Vom 13. bis 22. Jänner wird Innsbruck zum dritten Mal olympisch. Zwei Tage vor der Eröffnung der ersten Jugendspiele – der "Youth Olympic Games" (YOG) – auf dem Bergisel herrscht im O-Dorf Hektik: Fahnen aus aller Welt hängen von den Balkonen, aus den Zimmern dringt Sprachengewirr und auf den Wegen hetzen Dutzende Sicherheitsleute auf und ab. In einem der elf Gebäude packen die kanadischen Bobfahrer gerade ihre Koffer aus, die Italiener hängen ihrem Schneemann einen grün-weiß-roten Schal um und die kasachischen Ski-Jumper surfen im Frühstückszelt durchs Netz.

Andrang

Vorfreude: Linus und Johannes (v. li.) aus Bayern.
© Bild: simone stecher

"Mit 1600 Betten sind wir momentan Österreichs größtes Hotel", berichtet Dorf-Manager Christoph Müller. Wo einst "Soldaten Fußball spielten, werden in nächster Zeit die Athleten und Betreuer verpflegt."

Doch Mittwoch waren Kamerateams und Journalisten aus aller Welt auf der Jagd nach den besten Motiven. "Viele aus unserem Team sehen zum ersten Mal Schnee (wie etwa die Eishockey- oder Curling-Spieler, Anm.), und dann präsentiert sich Tirol so tief verschneit", freut sich eine australische Trainerin und reicht das Mikro an Schützling Thomas Waddell weiter. "Es ist toll hier in Innsbruck und das Dorf ist auch super", sagt der 16-Jährige mit hochrotem Kopf. Der Bursch fühlt sich in der Ski-Halfpipe eben bedeutend wohler als vor einer Journalistenmeute.

Indes in der Maria-Theresien-Straße: Zig Arbeiter lassen eine riesige Veranstaltungsfläche für die allabendlichen Konzerte in den Himmel wachsen. Vor dem blauen Container am Beginn der Straße bildet sich eine Schlange. "Der Andrang ist groß. Vor allem Tickets für die Freestyle-Bewerbe oder Eishockey sind heiß begehrt", weiß das Mädel hinter dem Schalter.

"Am Dienstag kann ich nicht, da muss ich arbeiten", meint Lisa Deli zu ihrer Freundin Tina Gartner. Die Kitzbühelerinnen brüten über dem Programmheft. "Die Spiele sind schon lässig und wir werden uns auch ein paar Bewerbe anschauen. Aber ohne die Veranstaltung hätte uns auch nichts gefehlt."

Profit

Tourismus, Wirtschaft und Handel versprechen sich einiges. Innsbruck sei in dieser Zeit sehr gut gebucht und mit einem jungen Image "will man vor allem die Jugend für die Alpen begeistern und Tirol als trendige Destination positionieren", erklärt Peter Trost von der Wirtschaftskammer. "Wir hoffen auf tolle Bilder mit super Stimmung."

Doch nicht alle Unternehmer sind begeistert. "Die stellen mir für Wochen eine riesige Bühne vor die Tür. Von der anderen Seite kommt keiner mehr in meinen Laden und so soll ich auch noch mehr Geschäft machen", ärgert sich ein Inhaber, während er kopfschüttelnd die Gerüstbauer beobachtet.

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( Kurier ) Erstellt am 13.01.2012