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27.03.2017

Rotter: "50 Prozent der Spieler gehen mit Schmerzen hinaus"

Der Wiener spricht über seine zwei Gesichter, das Finale und die Stärke der Vienna Capitals.

Während der KAC am Sonntag gegen Salzburg den vierten Sieg in Folge feierte und mit 4:2 ins Finale aufstieg, haben die Vienna Capitals seit vergangenen Dienstag kein Spiel mehr bestritten. Seit Freitag bereiten sich die Wiener intensiv auf das am Freitag beginnende Finale gegen die Klagenfurter vor. Die Schultz-Halle wird mit 7022 Fans in den ersten beiden Heimspielen ausverkauft sein, am Montag gehen nur noch Restkarten in den Verkauf. Einer, der an dieser Euphorie großen Anteil hatte, ist Rafael Rotter. Im KURIER-Interview spricht der 29-jährige Wiener über den Psychopathen mit dem roten Kopf, über Schmerzen und seinen Wunsch, endlich ein Finalspiel zu gewinnen.

KURIER: Sie sind ein sehr gläubiger Mensch. Auf dem Eis sehen Sie oft nicht sehr religiös aus und lassen ihren Emotionen oft freien Lauf. Haben Sie zwei Persönlichkeiten?
Rafael Rotter:
Privat bin ich ganz anders. Da bin ich ruhig und stehe nicht gerne im Rampenlicht. Aber auf dem Eis kann ich mich austoben. Hin und wieder erhebe ich meine Stimme. Ich schimpfe aber nicht. Ich schreie dann einfach herum. Das liegt in meiner Natur. Es passt, dass ich mich hier ausleben kann. Sonst wäre ich vielleicht auf die schiefe Bahn geraten. Jetzt muss ich mich noch bemühen, dass ich nicht so leicht ausraste. Aber es ist in dieser Saison schon besser geworden. Es hilft der Mannschaft, wenn nicht ein Psychopath mit einem roten Schädel auf dem Eis herumläuft und schreit.
Nach 62 Spielen in dieser Saison sieht Ihr Trikot an den Ärmeln komplett ramponiert aus. Kommen die vielen Löcher von Stockschlägen?
Es kann schon sein, dass ich hin und wieder was drauf bekomme. Aber das ist, weil ich so klein bin und ich das Trikot immer über die Ellbogenschützer stülpe und auch oft auf das Eis falle. An der Bande bin ich auch oft. Das sind einfach Abnützungserscheinungen. Ich halte mich gerne dort auf, wo Zweikämpfe sind.

Eishockeyspieler müssen oft hart einstecken. Wie groß waren die schlimmsten Schmerzen, mit denen Sie gespielt haben?
Ich glaube, dass man die Schmerzen oft nicht gleich wahrnimmt. Da fährt das Adrenalin durch den Körper. Dann wird dir erst nach dem Spiel klar, dass es dir richtig weh tut und dass du eine Verletzung hast. Man spielt lieber, als dass man zuschaut. In den Play-offs gehen wahrscheinlich 50 Prozent der Eishockeyspieler mit Schmerzen aufs Eis. Jetzt sind noch zweieinhalb Wochen zu spielen. Da beißt man durch. Danach kann man eh drei Monate regenerieren.

Insofern kommt es den Capitals entgegen, dass nach dem 4:0 gegen Bozen zehn Tage kein Spiel stattfindet?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben zwei Tage komplett frei gehabt. Die Spieler wissen schon, wie sie mit ihrem Körper umgehen müssen.

Ihr habt im Viertelfinale gegen Innsbruck und im Semifinale gegen Bozen jeweils 4:0 gewonnen. Aber es waren ein paar sehr enge Spiele dabei, die auch anders ausgehen hätten können.
In beiden Serien haben wir das gewisse Glück schon auf unserer Seite gehabt. Aber ich sage immer: Das Glück kommt nicht von irgendwo her. Das muss man sich erarbeiten. Es ist sicher nicht das Glück gewesen, dass wir weiter gekommen sind. Wir haben uns das erarbeitet. Es ist voll ok, dass wir im Finale stehen.

Ist es nicht auch ein Qualitätsmerkmal einer Mannschaft, enge Spiele zu gewinnen?
Auf jeden Fall. Wir haben in diesen knappen Spielen in manchen Situationen noch zugelegt. Das haben wir bis jetzt sehr gut gemacht.

Nach neun Scorerpunkten gegen Innsbruck kamen Sie gegen Bozen nur noch zu zwei Punkten. Hat Bozen mehr auf Sie geachtet?
Gegen Innsbruck hat unser Powerplay Weltklasse funktioniert. Es ist kein großes Geheimnis, dass Bozen die Videos gesehen hat und das Unterzahlspiel umgestellt hat. Aber die Punkte sind kein großes Thema. Wir haben vier starke Linien, die alle Tore schießen können.

Habt Ihr das Duell zwischen Salzburg und dem KAC im TV gesehen?
Ja, am Freitag war die gesamte Mannschaft essen und hat sich das Spiel gemeinsam angesehen. Aber sonst bin ich eigentlich nicht der Typ, der sich das ansehen muss. Die Coaches werden das machen und uns die wichtigsten Videos davon zeigen.

War es für Sie komplett egal, gegen wen Ihr spielt?
Nach dieser Saison ist es mir wirklich egal. Wenn man Meister werden will, muss man jeden schlagen können. Egal, ob es KAC, Salzburg, Linz oder Graz ist.

Ich habt gegen den KAC 2013 und gegen Salzburg 2015 in beiden Finalteilnahmenjeweils 0:4 verloren. Hat das ab Freitag eine Bedeutung?
Ich denke nicht. Ich will auf jeden Fall Mal ein Spiel im Finale gewinnen (Anm. lacht). Ich war jetzt zwei Mal im Finale und habe noch kein einziges Spiel gewonnen. Sowas passiert auch nicht oft in einer Karriere. Aber wir sind eine neue Mannschaft.

Was ist heuer anders als in den letzten beiden Finalteilnahmen? 2013 waren die Capitals gegen den KAC Favorit.
Das gesamte Jahr haben wir konsequent gespielt und sind als Mannschaft kontinuierlich gewachsen. Es ist sehr schwer, immer sehr gut zu spielen und immer an der Spitze zu ein. Aber das haben wir geschafft. Wenn man so spielt und auch so trainiert wie wir, dann wird das zur Gewohnheit. Dein Niveau im Spiel wird dann immer besser, weil du im Training gegen deine Kollegen immer besser wirst. Das ist auch der Grund, warum Salzburg in den letzten Jahren immer vorne war. Es ist wichtig, dass das Trainingspensum hoch ist, weil du dann am Ende der Saison noch das Beste aus dir herausholen kannst. Wenn es dann noch immer nicht reicht, dann gibt es eben keine Ausreden mehr. So soll es sein.

Bei Trainingsbesuchen fällt auf, dass Ihr viel schneller und härter trainiert als in früheren Jahren. Täuscht das?
Nein, aber das kann man nicht wirklich vergleichen. Die Mannschaft ist um einiges jünger als letztes Jahr. Die Schnelligkeit und das schnelle Umschaltspiel war unser Konzept heuer. In der Offensive dürfen wir machen, was wir wollen. Das hat sich über die Monate immer weiter verbessert. Mittlerweile weiß jeder, was er tun muss. Das ist der große Unterschied zu den letzten Jahren.