Benjamin Raich fährt wieder Ski

Der Pitztaler stand am Mittwochvormittag zum ersten Mal seit seinem Kreuzbandriss wieder auf Skiern.

Der Wecker läutete so früh wie nie im letzten halben Jahr. Um halb 4 Uhr morgens musste Benjamin Raich am Dienstag bereits aus den Federn. Ohne Murren, ohne Qual, sondern mit einem Lächeln der Vorfreude im Gesicht. "Ich muss zugeben, ich war in den letzten Tagen schon sehr heiß darauf", gesteht Raich.

Wer kann es ihm auch verdenken: Seit sechs Monaten hatte der 33-jährige Pitztaler keinen Fuß mehr auf Schnee gesetzt, seit dem WM-Teambewerb von Garmisch, bei dem sich Raich ohne Sturz einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.

Sechs Monate Pause

Endlich kann Raich wieder auf dem von ihm geliebten Schnee trainieren.
© Bild: APA/EXPA/Johann Groder

Am Mittwoch, genau sechs Monate und einen Tag nach der Operation, durfte der Tiroler nun endlich wieder in seinem Element sein. Die Sonne ging gerade auf über dem Tiefenbachferner hoch oberhalb von Sölden, kein Wölkchen trübte den fantastischen Ausblick, als sich Raich mit den Skiern in Bewegung setzte. Die ersten Meter rutschte er noch behutsam dahin, ehe er sachte einen Linksschwung setzte, um das Gefühl für den Schnee und Vertrauen in das operierte Knie zu erhalten. Wenig später zog der Routinier dann bereits wieder in bekannter Manier seine Spuren durch den Gletscherschnee. "Fast wie eh und je", lächelte Raich.

Vogel-Perspektive

Endlich kann Raich wieder auf dem von ihm geliebten Schnee trainieren.
© Bild: APA/EXPA/Johann Groder

Wie er sich denn gefühlt habe, wurde er nach seinem Ski-Comeback zigmal gefragt. "Wie ein junger Adler", antwortete der Doppelolympiasieger, "wie ein junger Adler, der weiß, dass er bereit ist für den ersten Flug, aber von der Mutter noch zurückgehalten wird."

Der Weg zurück, er war eine gänzlich neue Erfahrung für den Tiroler. Als einer von wenigen Skistars war Raich vor schweren Verletzungen bislang verschont geblieben. In 15 Weltcup-Jahren hatte er nie länger als eine Woche pausieren müssen. "So lange wie jetzt war ich in meinem Leben noch nie weg vom Skifahren", meinte Raich, "es hat in den letzten Jahren ja nur Vollgas gegeben."

Comeback bei Weltcup-Auftakt noch offen

Die Zwangspause hat ihn ein wenig geläutert. Benjamin Raich hat in der langen Vorbereitung noch einmal das Einmaleins des Skifahrens aufgefrischt. "Das kann sich positiv auswirken."
In zwei Monaten steigt mit dem Riesentorlauf in Sölden bereits der Weltcupauftakt. Raich, der vorhat, weiterhin auch im Super-G zu starten, will sich mit dem Renn-Comeback nicht stressen lassen. "Ob ich starte, hängt davon ab, wie ich mich fühle und ob ich in Topform bin", erklärte der Tiroler. Lächelnder Nachsatz: "Ich werde sehr stark zurückkommen."

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011