"Vail 1999 war die richtige WM zum Einsteigen. Vielleicht wird es 2015 die richtige WM zum Aussteigen."

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Interview
10/12/2014

Raich: "Es gibt Wichtigeres als Skifahren"

Vor seiner 19. Weltcupsaison spricht Benjamin Raich über alte Werte und neue Ziele.

von Christina Pertl

Alt. Dieses Wort bringt Benjamin Raich zum Nachdenken. "Na ja", sagt der 36-jährige Skirennläufer, "in Bezug auf ein Sportlerleben kann ich mich schon so bezeichnen." Der Tiroler schmunzelt dabei. "Aber im normalen Leben ist das natürlich kein Alter", relativiert der zweifache Olympiasieger und dreifache Weltmeister, der nicht erst seit gestern im Skizirkus unterwegs ist.

KURIER: Mit dem Riesentorlauf in Sölden starten Sie in Ihre 19. Weltcupsaison. Ist das eine Zahl, die Ihnen etwas bedeutet?

Benjamin Raich: Das ist Vergangenheit. Natürlich bin ich dankbar für das, was ich erleben habe dürfen. Ich denke auch, dass es für die Zukunft wichtig ist, sich zwischendurch die Zeit zu nehmen zu reflektieren. Gerade in so einer schnelllebigen Zeit und auch noch im Sport, wo das vielleicht noch ein bisserl extremer ist. So gesehen hat es eine Bedeutung.

Ihr Schwager, der Nordische Kombinierer Mario Stecher, ist seit 1993 im Weltcup unterwegs. Gibt es da eine familieninterne Wette, wer länger weitermacht?

Nein, nein (lacht). Bei uns ist das wenig Thema. Wir haben auch ganz andere Dinge, über die wir sprechen, wenn wir uns treffen.

Als Sportler wird man oft auf den Beruf reduziert. Nervt das?

Nein. Irgendwo ist das ja auch logisch, wenn man daran denkt, wie wenig Zeit man hat, um sich zu präsentieren: Ein Fernsehinterview dauert 30 Sekunden und da geht es auch immer ums Gleiche. Aber prinzipiell ist es mir nicht wichtig, mich darzustellen oder zu allen Dingen meine Meinung zu sagen.

Ihre Lebensgefährtin, Marlies Schild, hat vor Kurzem ihre Karriere beendet. Wie schwierig war für Sie die Entscheidung weiterzumachen?

Gar nicht. Wenn man in sich hineinhört, spürt man die Entscheidung. Für mich war das relativ schnell klar: Dass ich weitermachen will, dass ich nach Vail zur WM will, dass ich noch Skifahren will und vor allem, dass ich mir noch zutraue, erfolgreich zu sein. Jeder muss das für sich entscheiden. Sicher wäre es nett gewesen, wenn wir gemeinsam aufgehört hätten, aber so eine Sportlerkarriere ist auch kein Paarlauf.

Wie gehen Sie nach all den Jahren mit Erfolgsdruck um?

Ich hab’ mir da nie so schwer getan. Ich habe es immer so sehen können, dass Skifahren das Wichtigste für mich ist, aber gleichzeitig eben auch nicht.

Eine schwere Gratwanderung?

Jein. Im Training oder Rennen darfst du keine Kompromisse eingehen, das ist klar. Aber im Endeffekt ist es schon so: Es gibt viel schlimmere Dinge und Wichtigeres im Leben als Skifahren.

Oslo hat die Olympia-Bewerbung für 2022 zurückgezogen. Freut man sich als Athlet auf Spiele in Peking oder Almaty?

Für einen Sportler ist es natürlich nett, wenn es eine Tradition und eine gewachsene Struktur gibt. Aber eigentlich ist es wurscht, wo man Olympiasieger wird. Die Frage bleibt aber, ob es grundsätzlich die richtige Entwicklung ist, dass man 40 Milliarden Euro investieren muss, um Olympia veranstalten zu können. Da wird es sicher Gedanken in eine andere Richtung geben.

1999 haben Sie in Vail/Beaver Creek Ihre erste WM bestritten. 2015 geht es wieder in die USA. Ein erfreuliches Déjà-vu?

Auf jeden Fall. Das war damals schon eine coole Sache. Da war ich sehr jung und habe mich in einer sehr starken Mannschaft qualifizieren können. Das war genau die richtige WM zum Einsteigen. Vielleicht wird es auch die richtige zum Aussteigen.

Der Medaillensammler

Anfänge & Erfolge

Benjamin Raich (*28. 2.1978 in Leins, Tirol) zählt zu Österreichs erfolgreichsten Skirennläufern. Im März 1996 feierte er in Kvitfjell Weltcup-Premiere. Raich holte bei den Olympischen Spielen in Turin 2006 zwei Goldmedaillen (Riesentorlauf und Slalom) und ist dreifacher Weltmeister (Slalom und Kombination 2005, Mannschaft 2007). Insgesamt hat der 36-fache Weltcupsieger zehn WM-Medaillen und acht kleine Kristallkugeln (2x RTL,
3x Slalom, 3x Kombination) gesammelt. 2005/2006 gewann er den Gesamtweltcup. Seit 2004 ist Raich mit Slalom-Königin
Marlies Schild liiert, die im Sommer ihren Rücktritt bekannt gab. Das Paar lebt im Pitztal.

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