Sport | Wintersport
08.10.2017

Benjamin Raich: Der Herr der Ringe im Dauereinsatz

Tirol stimmt am Sonntag über die Kandidatur für Winterspiele 2026 ab. Der ehemalige Ski-Star macht mobil.

Es ist fast ein Wunder, dass Benjamin Raich noch keine olympischen Ringe unter den Augen hat, so intensiv, wie sich der Pitztaler seit Wochen olympische Gedanken macht. Es vergeht praktisch kein Tag, an dem der Doppel-Olympiasieger von Turin (2006) nicht irgendwo in Tirol auf einem Podium sitzt und die Menschen auf Winterspiele 2026 einschwört. "Als aktiver Sportler habe ich mich wahrscheinlich weniger mit Olympia beschäftigt als jetzt", gesteht der ehemalige Skistar. "Aber es ist eine Herzensangelegenheit, Spiele nach Tirol zu holen."

Am nächsten Sonntag werden die Tiroler gleich zwei Mal zur Wahlurne gebeten. Die Bevölkerung stimmt in einer Woche auch darüber ab, ob sich Innsbruck zum dritten Mal nach 1964 und 1976 für Olympische Winterspiele bewerben soll.

Benjamin Raich ist mittlerweile fast schon so etwas wie der Tiroler Herr der Ringe. Auch wenn er diese Rolle gar nicht angestrebt hatte, ist der 39-Jährige zum Gesicht der Olympia-Bewegung geworden. Dem Local Hero schenkt man offenbar eher Glauben als den lokalen Politikern, wenn er sagt, dass Olympische Spiele für das Bundesland "eine einmalige Gelegenheit" sind.

Viele Fragen

Die Olympia-Skeptiker und -Kritiker, mit denen Raich bei den zahlreichen Veranstaltungen landauf, landab immer wieder konfrontiert ist, sagen etwas anderes. Sie beklagen sich über die zugegebenermaßen eigenwillige Fragestellung bei der Abstimmung ("Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?"), und sie fürchten Milliardenkosten und Preissteigerungen. "Das Problem ist, dass vielen die Informationen fehlen. Wenn man ihnen einmal das Konzept erklärt, dann sehen die meisten die Sache anders", berichtet Raich.

Gute Chancen

Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wird der Ausgang der Abstimmung mit Spannung erwartet. Ein Nein der Tiroler wäre eine weitere schallende Ohrfeige für die olympische Familie, nachdem sich in der jüngeren Vergangenheit schon andere potenzielle Kandidaten gegen Spiele ausgesprochen hatten. Zugleich aber auch ein Rückschlag in den Bestrebungen, Olympia wieder zurück zu den Wurzeln zu bringen. Das IOC brauche Innsbruck und nicht umgekehrt, ist dieser Tage immer wieder zu vernehmen. Auch deshalb ist die Chance groß, dass Innsbruck auch tatsächlich den Zuschlag für 2026 bekommen würde. Eine positive Abstimmung am Sonntag freilich vorausgesetzt.

Deshalb machen Benjamin Raich und seine olympischen Mitstreiter in den verbleibenden Tagen noch einmal mobil. Zur symbolischen Entzündung des olympischen Feuers kam sogar Marc Girardelli angereist. Die Botschaft der Skilegende: "Man kennt Innsbruck in der ganzen Welt nicht wegen des Goldenen Dachls. Sondern wegen Olympia."

Eine Stadt im Zeichen der Ringe

2026 soll bereits zum vierten Mal in Innsbruck das Olympische Feuer entzündet werden.

1964 Im zweiten Anlauf bekommt Innsbruck den Zuschlag und setzt sich gegen Calgary und Lahti durch. 1091 Athleten sind am Start, Gastgeber Österreich holt zwölf Medaillen.

1976 Innsbruck springt für Denver ein, da die US-Stadt die Spiele nicht finanzieren kann. 1261 Sportler nehmen teil, Österreich holt sechs Medaillen. Legendär ist der Abfahrtssieg von Franz Klammer.

2012 Innsbruck ist Schauplatz der ersten olympischen Jugendspiele für Sportler zwischen 15 und 18 Jahren. 1021 Athleten sind im Einsatz, 13 Medaillen gehen nach Österreich.