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21.12.2012

WM- und Saison-Aus für Marlies Schild

Ein Innenbandriss beendet Marlies Schilds Saison, sie verpasst damit auch die Heim-WM in Schladming.

Der Schock ist groß. Schlimmer hätte es eigentlich kaum kommen können. Denn die Untersuchungen in Innsbruck bestätigten das, was am Donnerstag noch keiner zu befürchten gewagt hatte: Marlies Schild muss die Ski-Saison vorzeitig beenden. Bei ihrem Trainingssturz am Donnerstag in Åre zog sich die Salzburgerin einen Innenbandriss im rechten Knie zu - zumindest drei Monate Zwangspause stehen der 31-Jährigen bevor. Damit wird die Slalom-Titelverteidigerin auch an der Heim-WM in Schladming (4. bis 17. Februar) nur als Zuschauerin teilnehmen können.

"Wenn die stärkste und beständigste Slalomläuferin der vergangenen Jahre kurz vor der Heim-WM mit einer schweren Verletzung ausfällt, ist das natürlich ein Schock für uns", sagte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum.

Noch bevor die Diagnose feststand, ließ die ehemalige Kollegin Anja Pärson (Sd) aus Åre ausrichten: "Ich hoffe, es ist nicht so schlimm. Es wäre schade, wenn Marlies in Schladming nicht dabei sein könnte."

Erfolgreiche Operation

Die Vorzeichen für die Rennen in Schweden waren ungünstig. Trotz Rückenschmerzen und Grippe war die beste Slalomfahrerin der Gegenwart nach Åre gereist. Den Riesentorlauf am Mittwoch hatte Österreichs Sportlerin des Jahres noch ausgelassen. Beim Einfahren am Donnerstag sollte sich entscheiden, ob ein Start beim Rennen möglich sein wird. Das tat es dann auch, wenn auch auf ungeahnt folgenschwere Weise.

Während die Kolleginnen am Freitag auf der Heimreise waren, wurde Schild im Innsbrucker Sanatorium Kettenbrücke bereits von Gernot Sperner und Karl Golser operiert. "Marlies hat einen Riss des inneren Knie-Seitenbandes", lautete die Diagnose. Nachdem auf konservativem Weg eine Ausheilung nicht zu erwarten war, wurde das Band bei einer Arthroskopie genäht und mit einer Schraube fixiert. Bereits am Samstag soll mit der Physiotherapie begonnen werden.

Das Wiedersehen mit dem Tiroler Ärzteduo weckt traurige Erinnerungen: Im Jahr 2008, als Schild sich in Sölden einen Trümmerbruch im Schien- und Wadenbein zugezogen hatte, wurde sie in Innsbruck betreut. Nach einer Saison Pause kehrte sie in den Weltcup zurück undstieg zur Slalom-Königin auf.

Stehauf-Weibchen

Auch wenn die Enttäuschung über das WM-Aus groß ist, über ein Karriereende von Marlies Schild muss noch nicht spekuliert werden. Schließlich hat sich die 31-Jährige bisher immer noch wieder zurückgekämpft. Mit 19 Jahren hatte sie schon so viele Kreuzbandrisse und Knie-Verletzungen hinter sich, dass sie "irgendwann aufgehört" hat, "die Operationen zu zählen".

"Das ist die Kehrseite des Sports", weiß die Athletin, die gelernt hat, mit Rückschlägen umzugehen. Nicht zuletzt die Erkenntnis, "dass es im Leben auch andere Dinge gibt als Skifahren", hat sie zur zweiterfolgreichsten aktiven Skirennläuferin (nach Lindsey Vonn) gemacht.

Derzeit hält Schild bei 35 Weltcupsiegen, 33 davon im Slalom. Nur mit dem verflixten 34. Erfolg - jenem, der sie mit Allzeit-Größe Vreni Schneider gleichziehen ließe - sollte es bisher einfach nicht klappen.

Im nächsten Jahr dann.

Rekordjägerin & Pechvogel

Marlies Schild (*31. Mai 1981 in Admont/Stmk.) bestritt bereits im Alter von sechs Jahren ihre ersten Rennen. Zu Beginn ihrer Karriere ging die Saalfeldnerin bevorzugt in der Abfahrt an den Start. Mit 19 Jahren entschied sie sich jedoch nach fünf Knieoperationen und Kreuzbandrissen, auf die vermeintlich weniger gefährlichen Disziplinen Riesenslalom und Slalom umzusteigen. Derzeit hält Schild bei 35 Weltcupsiegen, 33 davon im Slalom.

Zu den größten Erfolgen von Österreichs Sportlerin des Jahres 2012 zählen die WM-Goldmedaille im Slalom (2011) und die vier kleinen Kristallkugeln für den Slalom-Weltcup (2007, 2008, 2011, 2012).