Sport | Wintersport
03.01.2012

Air Schlierenzauer: Die Erfolgsbilanz

Der Jungstar präsentiert sich bei dieser Tournee reifer und stärker denn je.

Herr Schlierenzauer, ist jetzt der Grand-Slam möglich?"

Es war klar, dass das irgendwann kommen musste. Spätestens jetzt, spätestens mit seinem Sieg beim Neujahrsspringen in Garmisch hat Gregor Schlierenzauer einen Flugbegleiter bekommen: Die ewige leidige Frage nach dem Grand-Slam, nach einem der prestigeträchtigsten Titel, die es im Reich der Schanzen gibt: Vier Tagessiege bei einer Tournee, ein Kunststück, das bisher erst einem Springer, Sven Hannawald (D) bei der Tournee 2001/’02 gelungen ist. "Ich werde seit Garmisch sehr oft darauf angesprochen", berichtet Schlierenzauer.

Selbstsicherheit

Also noch einmal. Ist jetzt der Grand-Slam möglich?

"Natürlich ist es möglich", versichert Gregor Schlierenzauer. Und wer ihn am Ruhetag der Tournee so dasitzen sieht, ein schelmisches Grinsen auf den Lippen, den Schalk im Nacken, dem wird klar, dass sich da einer nicht nur im üblichen und oft gehörten Zweckoptimismus übt. Aus Gregor Schlierenzauer spricht die volle Überzeugung eines Seriensiegers, eines Ausnahmekönners, der nur zu gut weiß, dass er das Skispringen beherrscht, wie kein anderer Mensch auf diesem Planeten.

Sein Flugschreiber spricht Bände: Der Tiroler landet in jedem zweiten Weltcupspringen auf dem Siegespodest, im Schnitt gewinnt er jeden dritten Bewerb, nur drei Mal bei seinen 120 Weltcupstarts blieb er ohne Punkte. "Wenn einer wie er so in die Tournee startet, dann wird`s schwer, ihn zu stoppen", weiß Anton Innauer, "weil er eine extreme Sicherheit bekommt."

Die Selbstsicherheit und neue Leichtigkeit des Seins stellt Schlierenzauer bei dieser Tournee auch bei jeder Gelegenheit zur Schau. "Ich habe schon bei der Anreise nach Oberstdorf gemerkt, dass er es diesmal draufhat", erzählt Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner.

Lernphase

Verflogen ist die gespielte Lässigkeit vergangener Tage, verschwunden die Verbissenheit früherer Tournee-Auftritte. Der letzte Winter, in dem Schlierenzauer das Verlieren lernen musste und ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt stand, hat dem Jungstar gut getan. "Ich hab` gesehen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass alles leicht geht."

In seinen jungen Jahren waren Schlierenzauer die Erfolge ja regelrecht zugeflogen. "Ich habe damals mehr oder weniger mit den Schanzen gespielt, wahrscheinlich war ich sogar überlegen", erinnert sich der Stubaier, der in den letzten 18 Monaten sein Betriebssystem neu aufsetzen musste. "Ich bin vielleicht ein bisschen stehen geblieben, weil sich Fehler eingeschlichen hatten."

Nun präsentiert er sich in der Version Schlierenzauer 2.0, und darf man den Experten glauben, dann springt bei dieser Tournee nicht nur der stärkste Schlierenzauer, den es je gab, sondern vor allem der reifste. Der Überflieger wirkt geerdet und demütiger. Und er sagt jetzt Sätze, die man noch vor Kurzem nie aus seinem Mund gehört hätte. "Ich weiß", erklärte Schlierenzauer nach dem Sieg in Garmisch, "ich weiß, dass ich Riesenglück im Leben habe."

Unabhängig, ob er den Grand-Slam nun gewinnen sollte oder nicht.


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