Sport 10.01.2012

Wenn Sportler in die Politik wechseln

© Bild: dapd(c) AP

Spagat: Der frühere Fußball-Star Éric Cantona will französischer Präsident werden. Andere Sportler schafften den Sprung in die Politik.

Die Meldung kam am Montagabend und wurde rasch als Spinnerei abgetan: Der frühere Fußball-Star Éric Cantona will französischer Staatspräsident werden. Die Zeitung Libération berichtete, dass der Ex-Stürmer von Manchester United einen Brief an die französischen Bürgermeister geschrieben hatte, die er um Unterstützung bat. Denn Cantona benötigt Unterschriften von 500 Bürgermeistern, um zur Wahl antreten zu können.

Auch wenn dem 45-Jährigen ohne Rückhalt einer Partei praktisch keine Chancen auf den Wahlsieg eingeräumt werden: Als Spinnerei sollten Cantonas Ambitionen nicht angesehen werden. Er wäre nicht der erste Sportler, der den Sprung in die Politik schafft.

Durchgeboxt

„Es gibt viele Überschneidungen zwischen Sport und Politik“, sagt Schwergewichts-Boxweltmeister Vitali Klitschko, der bereits zwei Mal für das Bürgermeisteramt von Kiew kandidierte und Vorsitzender der Partei UDAR (Ukrainische demokratische Allianz für Reformen) ist. „Meine Charakterzüge, die mir beim Sport weitergeholfen haben, kann ich auch in der Politik gut einsetzen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, die Politik ist der härteste Kampf überhaupt.“

Klitschko verlor in seiner Karriere nur zwei von 45 Profi-Kämpfen, aber auch zwei von zwei Bürgermeisterwahlen. Doch das schmerze ihn nicht: „Ich habe viele Jahre gebraucht, um Boxweltmeister zu werden. Auch als Politiker brauche ich noch Zeit, um Erfahrung zu sammeln.“

Verloren hat Klitschko auch ein Schachspiel – gegen den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow. Der Russe, der als einer der stärksten Spieler der Schachgeschichte gilt, beendete seine Karriere 2005. Seit dem ist er als Oppositionsaktivist tätig und gründete das oppositionelle Bündnis „Das andere Russland“. Kasparow ist ein heftiger Kritiker von Ministerpräsident Putin.

Sprungbrett

George Weah ist Afrikas „Weltfußballer des Jahrhunderts“ und wird in seiner Heimat Liberia als Volksheld verehrt. Seine Beliebtheit versuchte er politisch zu nutzen, 2005 war er Präsidentschaftskandidat in Liberia, wobei er den ersten Wahlgang gewinnen konnte. Erst in der Stichwahl unterlag er Ellen Johnson Sirleaf. Weah ist mit seinem Congress for Democratic Change noch immer in der Politik Liberias aktiv.

Der US-Amerikaner Bill Bradley war von 1967 bis 1979 Basketball-Profi in der NBA bei den New York Knicks. Auch ihm half seine Popularität beim Einstieg in die Politik. Ausschlaggebend für seine spätere Karriere als US-Senator war aber vor allem seine hervorragende Ausbildung an der Princeton University und in Oxford. 1988 galt er als möglicher Präsidentschaftskandidat, die Vorwahlen verlor er allerdings gegen Al Gore.

Die Latte hochgelegt hat sich auch Sergej Bubka – nämlich auf 6,14 Meter, was noch immer aktueller Stabhochsprung-Weltrekord ist. Der 48-jährige Ukrainer war von 2002 bis 2006 Abgeordneter im ukrainischen Parlament, seit 2005 ist er Vorsitzender des Nationalen Olympischen Komitees.

Carlos Reutemann gewann zwölf Formel-1-Rennen. Ende der1980er-Jahre stieg er in seiner Heimat Argentinien in die Politik ein, 1991 wurde er zum Gouverneur gewählt, später zum Senator. Noch heute ist der 69-Jährige in der Politik aktiv.

Der frühere Rugby-Spieler und französische Teamtrainer Bernard Laporte wechselte unmittelbar nach der Weltmeisterschaft 2007 in die Politik: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ernannte ihn zum Staatssekretär für Sport. Am 23. Juni 2009 beendete er seinen Kurzauftritt, derzeit ist der 47-Jährige Trainer des Rugby-Teams von Toulon.

Pelé gilt als bester Fußballer der Geschichte, er wurde zum Weltfußballer des Jahrhunderts gewählt und vom IOC zum Sportler des Jahrhunderts. Der brasilianische Präsident ernannte ihn 1995 zum Sportminister. Drei Jahre lang versuchte Pelé, vor allem die Korruption im Fußball zu bekämpfen. Landsmann Romário wurde im Oktober 2010 für den Partido Socialista Brasileiro ins Bundesparlament gewählt.

Ein ernst zu nehmender Politiker wurde Arnold Schwarzenegger. Ob der ehemalige Gouverneur von Kalifornien und Bodybuilder auch ein ernst zu nehmender Sportler war, darüber lässt sich streiten.

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Erstellt am 10.01.2012