Sport
05.12.2011

Von Raufbolden und Gentlemen

Am 9. September startet in Neuseeland die siebente Rugby-Weltmeisterschaft.

Football is a gentleman's game played by ruffians and rugby is a ruffian's game played by gentlemen"("Fußball ist eine von Raufbolden gespielte Gentleman-Sportart und Rugby ist eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart").

Inwieweit dieses alte englische Sprichwort noch auf die Rugby-Spieler der heutigen Zeit zutrifft, ist nicht sicher. Unbestritten ist allerdings, dass Rugby nach wie vor kein Massensport ist, sondern vor allem in Privatschulen und Eliteuniversitäten praktiziert wird. Die raue Sportart, die in Österreich maximal Exoten-Status genießt, erfreut sich speziell auf den britischen Inseln und deren ehemaligen Kronkolonien äußerster Beliebtheit.

Neuseeland bestes Team der Welt

Am Freitag startet also in Neuseeland, der Heimat der berühmt-berüchtigten "All Blacks", die Rugby-Weltmeisterschaft. In den kommenden sechs Wochen dreht sich dann in dem südpazifischen Inselstaat alles um die hartgesottenen Männer, die um das "Eierlaberl" kämpfen.

Für die Heimmannschaft, deren Spitzname auf die Farbe ihrer Trikots zurückzuführen ist, gilt es, den bisher einzigen WM-Titel von 1987 zu wiederholen. Der von ihnen vor jedem Spiel praktizierte Tanz "Haka" dürfte auch abseits des Rugbyfelds bekannt sein. Von den neuseeländischen Ureinwohnern übernommen, dient das Ritual in erster Linie dazu, sich vor einem Kampf Mut zu machen und die Gegner einzuschüchtern. Und es scheint zu funktionieren, da Neuseeland gegen alle anderen Teams eine positive Bilanz hält. Beim kürzlich stattgefundenen Tri-Nations-Turnier musste man sich allerdings Australien geschlagen geben.

Enger Favoritenkreis

Das nach einer Känguru-Art benannte Team der "Wallabies" aus Australien zählt neben Neuseeland zu den großen Favoriten bei der Weltmeisterschaft. Der erst seit 1987 ausgespielte WM-Titel wurde bisher immer zwischen fünf Mannschaften ausgespielt, dementsprechend eng ist auch heuer der Favoritenkreis. Titelverteidiger Südafrika, England und Frankreich haben bei der Titelvergabe ein Wörtchen mitzureden.

Auch Südafrika hat 1995 im eigenen Land die WM für sich entschieden. Das damals kurz nach Ende der Apartheid noch gespaltene Land erlebte durch das Turnier einen Moment der Einheit, der durch Clint Eastwood in dem oscarnominierten Film "Invictus" nacherzählt wurde.

In vier Gruppen zu je fünf Teams geht es um die Krone in der harten Sportart. Der relativ lange Zeitraum, den es braucht, um die insgesamt nur 48 Spiele zu absolvieren, lässt sich ganz einfach mit der nach jedem Spiel benötigten Regenerationszeit erklären. Da Rugby, anders als American Football, beinahe ohne Schutzkleidung gespielt wird, muss man bei dem sehr körperbetonten Spiel einiges einstecken.

Exotenland Österreich

Neben den "großen" Nationen beheimatet die Rugby-WM auch so manche Exoten, die man sonst bei internationalen Sportveranstaltungen vergeblich sucht. Doch trotz ihrer Außenseiterrollen nehmen die Mannschaften der Fidschi-Inseln, aus Samoa und Tonga stolz am heurigen Turnier teil.

Auch Österreich hat eine eigene Rugby-Liga und eine Nationalmannschaft. Sechs Teams bilden die höchste Spielklasse. In der Weltrangliste befindet sich das Team auf einem ähnlichen Platz wie die Fußball-Nationalmannschaft, nämlich auf Rang 79, hinter so klingenden Namen wie Andorra, den Solomonen oder dem karibischen Inselstaat St. Vinzent und die Grenadinen.

Sport 1 überträgt zwölf ausgewählte Spiele live im Free-TV. Wer alle 48 Partien live sehen will, muss dafür allerdings zum Bezahlsender Sport 1+ wechseln.

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