Nach zwei Jahren mit Schmerzen hat Veli Kavlak wieder den Ball im Fokus

© APA/ROBERT JAEGER

Fußball
02/10/2016

Veli Kavlak: "Ich werde mich Schritt für Schritt zurückkämpfen"

Der Besiktas-Legionär und 31-fache Teamspieler über die überstandene Schulter-Verletzung und den EM-Traum.

von Andreas Heidenreich

Veli Kavlak hat eine gewaltige Leidenszeit hinter sich. Begleitet von Schmerzen, die ihm sogar das Öffnen einer Türe oder Anziehen von Schuhen unmöglich gemacht haben. Nach zwei Operationen scheint die Odyssee für den 27-Jährigen zu Ende zu gehen. Bei Besiktas Istanbul, wo er bis 2019 unter Vertrag steht, will er sich in den nächsten Wochen und Monaten ebenso seinen Platz zurückholen, wie bei Marcel Koller im Nationalteam.

KURIER: Herr Kavlak, wie geht es Ihnen gesundheitlich?Veli Kavlak:

Echt gut, Gott sei Dank. Es wird ständig besser und ich freu’ mich, dass ich jeden Tag auf dem Platz stehen und mit der Mannschaft trainieren kann.

Was genau war passiert?

Die Bizepssehne war gerissen. Da ist man vor zwei Jahren draufgekommen, aber leider hat ein Arzt in Deutschland die falsche Operationsvariante gewählt. Es gab zwei Möglichkeiten und er hat jene gewählt, die man bei älteren Menschen anwendet, die ihre Schulter nicht mehr so benötigen wie ich als Profi-Fußballer. Eine fatale Entscheidung, die mich viel gekostet hat. Vielleicht sogar zwei Jahre. Der türkische Teamarzt hat mir dann ein Loch in den Knochen gebohrt und die Sehne daran festgemacht. Seitdem geht es aufwärts.

Zuletzt sind Sie auf der Bank und der Tribüne gesessen. Wann sieht man Sie auf dem Platz?

Das ist schwierig, wenn man neun Monate draußen war und zurückkommt, wenn die Mannschaft gut in Form ist. Aber ich werde mich Schritt für Schritt zurückkämpfen. Am Mittwoch gibt es ein Cup-Spiel, vielleicht komm’ ich da zum Zug. Aber im Moment bin ich froh, dass ich überhaupt wieder Fußball spielen kann. Ich bin schon bei 90 Prozent.

Hatten Sie zuletzt Kontakt zu Marcel Koller?

Ja, wir haben im Dezember miteinander gesprochen.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf eine EM-Teilnahme ein?

Ich hoffe natürlich darauf. Wenn ich halbwegs fit war, war ich eigentlich immer dabei unter Marcel Koller. Aber mir ist auch bewusst, dass ich lange Zeit verletzt war. Ich komme aus einer sehr, sehr schwierigen Phase. Nur Leute, die schwere Verletzungen hinter sich haben, wissen wovon ich spreche. Es war ein ständiger Kampf mit dem Schmerz. Einmal besser, dann wieder ein Rückschlag. Das raubt einem die Kraft und Energie. Aber irgendwann werde ich diesen Kampf gewonnen haben.

Besiktas eröffnet demnächst ein neues Stadion mit 42.000 Plätzen. Wissen Sie schon, wann es fertig sein wird?

Unser Präsident hat uns zuletzt gesagt, dass wir noch in dieser Saison in der Vodafone-Arena einlaufen werden, die letzten zwei oder drei Partien. Die Vorfreude ist riesig. Solche Stadien, mit dieser Lage am Meer und so steilen Tribünen, gibt es nicht viele in Europa. Da wird der Gegner so richtig erdrückt von der Stimmung, denn es ist so konstruiert, dass der Lärm wirklich drinnen bleibt im Stadion. Die erste Reihe soll nur vier Meter von der Outlinie entfernt sein. Bei Galatasaray sind es sechs Meter, bei Fenerbahce acht. Und dort ist die Stimmung schon gigantisch.

Mussten Sie zuletzt den Heimvorteil aufgeben?

Das haben wir in den Griff bekommen, weil wir im Fatih-Terim-Stadion spielen. Dort passen zwar nur 16.000 Fans hinein, aber die Atmosphäre ist toll. Zuvor mussten wir im großen Olympiastadion oder in Ankara spielen. Das war nicht immer ein Heimvorteil. Man kann sich vorstellen, dass die Vorfreude jetzt extrem ist.

Das aktuell bekannteste Gesicht von Besiktas ist Mario Gómez. Wie kommen Sie mit ihm aus?

Sehr gut, er ist ein wirklich cooler Typ. Er sitzt neben mir in der Kabine, da rennt schon der Schmäh. Er passt perfekt zu uns, nicht nur weil er viele Tore macht.

Waren Sie als deutschsprachiger Legionär sein persönlicher Einstandsgehilfe?

Nein, weil bei uns sowieso sehr viel Deutsch gesprochen wird. Wir haben ein paar Deutsch-Türken und auch Andreas Beck, den ehemaligen Hoffenheim-Kapitän.

Wie haben Sie den Terror-Anschlag auf dem Sultan-Ahmed-Platz in Istanbul am 12. Jänner miterlebt?

Das war eine Schock-Situation. Aber es hat uns im alltäglichen Leben nicht beeinflusst. Ich wohne auf der asiatischen Seite, auch unser Trainingszentrum ist auf der asiatischen Seite, obwohl der Stadtteil Besiktas auf der europäischen ist, wo auch der Anschlag war.

Video: Das wird das neue Stadion von Besiktas Istanbul

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