Sport
05.12.2011

Usain Bolt "muss nun ein Guter sein"

Der jamaikanische Über-Sprinter gibt sich vor der WM ernsthaft, selbstkritisch und als Mensch gereift.

Die Zeiten der Nuggets sind vorbei. Zumindest von jenen aus Hühnerfleisch. Gegen Goldklumpen hat Usain Bolt freilich nichts einzuwenden. Erzählte der Jamaikaner 2008 in Peking mit jugendlichem Übermut davon, sich mit Fast Food den Bauch voll und die Nacht um die Ohren zu schlagen, so sind von ihm heutzutage und noch ein paar Weltrekorde später gereiftere Töne zu hören. Der Ernährungsplan des schnellsten Leichtathleten aller Zeiten sieht längst anders aus. Sportlich ist alles beim Alten, auch wenn er heuer noch nicht für Glanz-Zeiten gesorgt hat, so führt auch bei der WM in Daegu über 100 und 200 m kein Weg an ihm vorbei.

Gemüse statt Guinness, KFC und Parties

Seit Sonntag ist Bolt 25 Jahre alt. Sein Leben hat sich verändert, seit aus Usain "The Lightning" geworden ist. Blitz-Bolt lebt das Leben eines seriösen Spitzensportlers, seine früheren Vorlieben gehören der Vergangenheit an. "Es ist jetzt langweiliger geworden", bemerkte Bolt in einem Interview mit dem Magazin Runner's World. Die Kameras fangen jeden seiner Schritte ein, und dazu zählen nicht nur die 41, die er für seinen Weltrekord in Berlin über 100 m benötigt hatte. Auch jene abseits der Bahn. "Ich muss nun ein Guter sein. Ich musste mehr Ernsthaftigkeit in mein Training und meinen Lebensstil bringen."

Also kein Guinness, kein Red Bull, kein KFC, keine Parties mehr? "Nein. Ich kann mich nicht einmal erinnern, wann ich das letzte Mal KFC gegessen habe. Ich glaube vergangenes Jahr." Kein Alkohol und früh ins Bett. "So muss es sein - aber ich mag es nicht", unterstrich Bolt. Gegessen wird zu Hause - von einem Angestellten frisch gekocht und nach einem strengen Plan. Gemüse kommt dabei nicht zu kurz, wie Bolt die Lippen verziehend anmerkte. Nun, vielleicht sind es ja doch die legendären "Trelawny"-Kartoffeln, die den 1,96 m großen und 94 Kilogramm schweren Mann so unfassbar schnell machen.

Kritisch und dennoch selbstsicher

Bolt hatte die Saison 2010 wegen Achillessehnenproblemen nach einer Niederlage gegen Tyson Gay (USA) in Stockholm vorzeitig beendet. Und eine zehnmonatige Wettkampfpause eingelegt. Heuer plagte er sich mit Rückenproblemen herum. Er debütierte - mit mehr Muskeln bepackt - am 26. Mai im Diamond-League-Meeting in Rom in 9,91 Sekunden, wirkte bei dem knappen Sieg gegen Landsmann Asafa Powell (9,93) nervös und sparte nicht mit Selbstkritik: "Heute habe ich mich nur von den Spinnweben befreit. In der Tat war es ein total schlechtes Rennen, und ich bin heilfroh, gewonnen zu haben."

Öfter bemängelte Bolt später in der Saison die für ihn ungewohnten Defizite beim Start und bei seiner Explosivität, ungeschlagen ist er 2011 dennoch. Über 200 m hält er mit 19,86 die Jahresweltbestzeit, über 100 m war er mit 9,88 aber nur der Siebentbeste und Powell als Ranking-Führender ein Zehntel schneller. Aber natürlich geht Bolt davon aus, auch in Südkorea das Sprint-Double zu holen. "Wenn ich einen guten Start erwische, wird es kein Problem für mich, ich denke, ich werde mit Leichtigkeit gewinnen. Wenn ich in meinen Laufschritt hineinkomme, glaube ich nicht, dass mich jemand erwischen kann. Egal wie meine Form ist."

Keine neuen Rekorde

Die Vorläufe über 100 m stehen bereits am ersten WM-Tag auf dem Programm, das Finale folgt dann Sonntag um 13.45 Uhr österreichischer Zeit. Weltrekorde dürfe man sich nicht erwarten, ergänzte Bolt, der sowohl bei Olympia 2008, als auch bei der WM 2009 in Berlin jeweils mit neuen Rekordmarken über 100 (steht bei 9,58 Sekunden) und 200 m (19,19) gewonnen hat. "Es wird hier keine Rekorde geben. Mein Hauptziel ist, meine Titel erfolgreich zu verteidigen. Viele Leute wollen schnelle Zeiten, ich denke, 9,7 sollten drinnen sein." Viele Leute sind Millionen an den TV-Geräten und 34.000 im Stadion von Daegu.

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