Sport
01.09.2017

US Open: Thiem müht sich in die dritte Runde

Gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz musste Thiem über vier Sätze gehen. Am Ende reichte es gegen den 19-Jährigen dennoch zum Aufstieg.

Mit Ach und Krach hat Dominic Thiem am Donnerstag bei den US Open einen fünften Satz vermieden und dann auch im vierten Jahr en suite in New York die dritte Runde erreicht. Der als Nummer 6 gesetzte Niederösterreicher rang den talentierten US-Teenager Taylor Fritz (ATP-Nr. 108) im Louis Armstrong Stadium nach 2:50 Stunden mit 6:4,6:4,4:6,7:5 nieder.

Thiem sah sich im vierten Satz bei 4:5 und 0:40 bei eigenem Aufschlag gleich drei Satzbällen en suite gegenüber. "Es war eine extrem knappe Partie. Er war nur ein paar Zentimeter von einem fünften Satz weg", gestand auch der Weltranglisten-Achte aus Lichtenwörth.

Doch auch das Ergebnis der ersten beiden Sätze täuschte seiner Meinung nach. "Das 6:4,6:4 hat natürlich sehr solide ausgeschaut, aber das war es nicht. Ich habe viele Breakbälle abgewehrt, in sehr vielen Games 0:30, 15:40 gehabt." Genau diese nicht verwerteten Bälle habe Taylor dann im dritten und vierten Satz genutzt.

"Sicher kein herausragendes Match, aber ein wichtiger Sieg"

"Der hat wirklich gut gespielt. Ich habe Schwierigkeiten gehabt, ihn unter Druck zu setzen, weil er das vom ersten Schlag weg gemacht hat", lobte Thiem den 19-Jährigen, der in diesem Jahr Vater eines Sohnes geworden ist. "Es war sicher kein herausragendes Match, aber ein wichtiger Sieg", resümierte Thiem, der mit dem Rücken zur Wand im Finish sein bestes Tennis auspackte. "Ich habe dann richtig gut gespielt. Das war schwer in Ordnung, aber es muss nicht jedes Mal so aufgehen."

Thiem hatte im provisorischen Louis Armstrong Stadium, - das neue entsteht gerade und wird 2018 fertig sein -, ein frühes Break zum 2:1 geschafft. Obwohl Taylor mehrere Rebreak-Chancen vorfand, gelang es dem zweifachen French-Open-Halbfinalisten nach 42 Minuten auf 6:4 zu stellen. Ein sofortiges neuerliches Break zum 1:0 war letztlich auch entscheidend für den zweiten Satzgewinn, auch wenn Taylor, wie von Thiem geschildert, auch da mehrere Rebreakchancen ausließ.

Im dritten Durchgang steigerte sich Taylor aber auch mit seinem Service, Thiem fand keine einzige Breakchance vor. Er selbst musste bei 4:5 beim dritten Break- und Satzball den Aufschlag aber erstmals abgeben. Im vierten Satz gelang Thiem zwar das Break zum 4:3, Taylor nahm dem Favoriten aber postwendend das Service ab. Bei 5:4 hatte Taylor die drei Breakbälle, um sogar einen fünften Satz zu erzwingen. Thiem steigerte sich im richtigen Moment, wehrte die Chancen des Amerikaners ab und breakte diesen zum 6:5. Nach 2:50 Stunden verwertete Thiem seinen ersten Matchball.

Damit spielt Thiem nun am Samstag am Tag vor seinem 24. Geburtstag wie schon zuletzt in Cincinnati gegen den als Nummer 30 gesetzten Franzosen Adrian Mannarino um sein insgesamt siebentes Grand-Slam-Achtelfinale. Gegen Mannarino hat er eine 5:0-Bilanz. "Es war in Cincinnati ein richtig enges Match, das wird sicher wieder eine sehr schwere Partie", prophezeite Thiem.

Setzt sich Thiem durch, dann könnte er wie im Vorjahr wieder im Achtelfinale auf den Argentinier Juan Martin Del Potro treffen. 2016 hatte Thiem bei seinem Debüt im Arthur Ashe Stadium wegen einer Knieverletzung beim Stand 3:6,2:3 aufgeben müssen.

Roger Federer hat auch in seinem zweiten Match bei den mit 50,4 Mio. Dollar dotierten US Open über die volle Distanz gehen müssen. Der 36-jährige Schweizer Superstar, der schon zum Auftakt gegen Frances Tiafoe (USA) viel Mühe hatte, rang am Donnerstag den Russen Michail Juschnij trotz eines 1:2-Satzrückstands mit 6:1,6:7(3),4:6,6:4,6:2 nieder.

Mühe hatte in der Night Session zunächst auch Rafael Nadal, ehe er doch noch sicher 4:6,6:3,6:2,6:2 gegen den Japaner Taro Daniel siegte. Die beiden Superstars haben also die Runde der letzten 32 erreicht, dafür ist mit Cincinnati-Sieger Grigor Dimitrow (BUL-7) ein weiterer Titelkandidat vorzeitig ausgeschieden. Dimitrow wurde Opfer eines stark aufspielenden Andrej Rublew (RUS), der wie schon zuvor Denis Shapovalov (18 Jahre/Sieg über Jo-Wilfried Tsonga/FRA-8) und Borna Coric (20 Jahre/Sieg über Alexander Zverev/GER-4) eine Welle von starken Youngstern ankündigte.

Der 19-jährige feierte mit dem 7:5,7:6(3),6:3 über Dimitrow seinen ersten Sieg über einen Top-Ten-Spieler. Damit sind neben Andy Murray, der schon vor dem Turnier passen musste, drei weitere der Top 8 gesetzten Spieler schon ausgeschieden: Zverev, Dimitrow und Tsonga. Übrig sind noch der topgesetzte Nadal, Federer (3), Marin Cilic (5) und Österreichs Dominic Thiem (6).

68 Eigenfehler

Federer war bisher allerdings weit davon entfernt, an seine überzeugenden Leistungen bei den Triumphen in Melbourne oder Wimbledon anzuschließen. In Wimbledon kassierte der Schweizer etwa im gesamten Turnierverlauf nur vier Breaks, in New York in zwei Runden schon acht. Zudem beging der Eidgenosse gegen Juschnij, den er nun aber trotzdem zum 17. Mal im 17. Match besiegt hat, nicht weniger als 68 Eigenfehler.

Noch nie zuvor ist Federer mit zwei Fünf-Satz-Matches in Folge in ein Major gestartet. Fakt ist, dass er es in dieser Form schwer haben wird, auch sein 20. Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Über Müdigkeit macht sich der Maestro aber keine Gedanken. "Nein, man ist so froh, dass man durch ist, darum schaut man nicht auf das Negative. Ich konnte mich nicht so gut vorbereiten, also wusste ich, dass ich es zu Beginn schwer haben werde", sagte Federer. Er glaubt, dass er sich nun steigern kann. Körperlich hat er keine Probleme, der Rücken zwickt ihn nicht mehr, versichert er. Und gegen seinen nächsten Gegner, Feliciano Lopez, hat er immerhin auch eine 12:0-Bilanz stehen.

An die von einigen Beobachtern bevorstehende Revolution der Jungen oder an eine Wachablöse im Jahr 2018 glaubt Federer übrigens nicht. "Wir wissen ja nicht, in welcher Verfassung viele der Top-Spieler zurückkommen werden", erinnert Federer. In New York fehlen mit Titelverteidiger Stan Wawrinka, Novak Djokovic, Andy Murray, Kei Nishikori und Milos Raonic ja gleich fünf Stars. "Sie könnten super ausgeruht und ready zurückkommen", sagte Federer und spricht aus Erfahrung. Er selbst und Nadal waren 2017 ja das Beispiel dafür.

"Die Wachablöse wird eines Tages kommen. Es könnte vielleicht nächstes Jahr sein, aber ich sage voraus, dass es noch ein paar Jahre mehr dauern wird", glaubt der Schweizer. Auch von einem Dimitrow, der wegen seines ähnlichen Spielstils, aber auch wegen seine Potenzials "Baby-Fed" genannt wird, war schon vor Jahren ein Vorstoß ganz nach vorne erwartet worden. Doch die Ausnahme-Generation mit den Großen Vier Federer-Nadal-Murray-Djokovic sowie Wawrinka hat da noch ein Wörtchen mitzureden.

Pliskova mit Mühe

Die Damen suchen hingegen nach neuen Stars, die hochschwangere Serena Williams wird gerade bei ihrem Heim-Slam schmerzlich vermisst. Die Weltranglisten-Erste Karolina Pliskova hatte am Donnerstag viel Mühe beim 2:6,6:3,6:4 über Nicole Gibbs (USA). Die tschechische Vorjahresfinalistin steigerte im zweiten Satz ihre Aufschlagleistung, was der Schlüssel zur Wende war.

Für eine Überraschung sorgte die Japanerin Kurumi Nama, die die als Nummer 8 gesetzte Russin Swetlana Kusnezowa in Runde zwei mit 6:3,3:6,6:3 eliminierte. Und die US-Amerikanerin Shelby Rogers sorgte für einen Damen-Rekord in New York: Ihr 7:6(6),4:6,7:6(5)-Erfolg über Daria Gavrilova (AUS) dauerte 3:33 Stunden, so lange wie keines in der Geschichte zuvor. Zehn Minuten länger als 2015, als Johanna Konta die Spanierin Garbine Muguruza in drei Sets eliminiert hatte.