Gabriel Batistuta versuchte sich nach seiner Fußballerkarriere im Polo.

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Sport
05/10/2016

Wenn Sportler die Disziplin wechseln

Primoz Roglic war Juniorenweltmeister im Skispringen, jetzt ist der Slowene ein Radstar beim Giro.

Was kommt wohl als Nächstes? Vielleicht ein Jockey, der zum Hochspringer umsattelt? Ein Sumoringer im Ruderboot? Nichts scheint mehr unmöglich, seit Primoz Roglic einige Gesetzmäßigkeiten des Sports über den Haufen geworfen und für kollektives Staunen gesorgt hat.

Dass ein Skispringer auch auf dem Fahrrad gute Haltungsnoten bekommt, übersteigt die Vorstellungskraft vieler Experten. "Das kann’s normal eigentlich gar nicht geben. Skispringen und Radfahren passen im Grunde nicht zusammen",sagt Ernst Vettori. Dem Tiroler Skisprungolympiasieger aus dem Jahre 1992 tut schon beim bloßen Hinhören der Hintern weh. "Wenn Skispringer etwas normal nicht können, dann Radfahren. Das ist eine ganz andere Belastung der Muskeln."

Neue Karriere

Primoz Roglic beweist dieser Tage freilich gerade eindrucksvoll das Gegenteil. Vettori und anderen V-Stilexperten war dieser Name bisher nur vom Schanzentisch ein Begriff, heute schreibt der ehemalige Juniorenweltmeister im Skispringen (2007) plötzlich im Radfahren Schlagzeilen. Eben erst wurde der 26-jährige Slowene beim Auftakt des Giro d’Italia Zweiter, nachdem er im letzten Jahr bereits zwei Rundfahrten (Slowenien, Aserbaidschan) gewinnen konnte. Das ist bemerkenswert für einen Athleten, der 2011 noch durch die Lüfte segelte (Rekordweite: 183 Meter) und erst vor drei Jahren von einem Radteam unter Vertrag genommen wurde.

Primoz Roglic ist nicht der einzige Spitzensportler, der sich umorientiert hat. Es gibt gar nicht einmal so wenige Athleten, die auch in neuen Disziplinen ihr Talent unter Beweis stellen konnten.

Stürmer & Eistänzer

Bei Ilhan Mansiz denken die Fußballfans sofort an die WM 2002 in Japan und Südkorea. Der Angreifer war der Mann, der mit seinem Golden Goal gegen Senegal die Türkei ins Semifinale geschossen hat – noch immer der größte Erfolg in der Geschichte der türkischen Nationalmannschaft. Nach seiner Karriere schlug der gebürtige Allgäuer eine unkonventionelle Laufbahn ein: Mansiz wurde Eiskunstläufer, nachdem er die türkische Ausgabe von "Stars on Ice" gewonnen hatte.
Die Spötter ließen sich weniger leicht abschütteln als seinerzeit die lästigen Verteidiger. "Eislaufen ist nicht wirklich der Sport der Südländer. So lange das, was ich mache, nicht idiotisch ist, können die anderen ruhig sagen, ich sehe aus wie ein Idiot", sagte Mansiz im KURIER-Gespräch. Nachdem er und seine Partnerin Olga Bestandigova die Qualifikation für die Winterspiele in Sotschi verpasst hatten, legte er seine Karriere wieder auf Eis.

Abfahrer & Rallyepilot

Luc Alphand hatte zeit seiner Karriere eine Neigung zu hohen Geschwindigkeiten, steilen Hängen und gefährlichen Manövern. Als Skifahrer brachte es der französische Abfahrtsspezialist in der Saison 1996/’97 bis zum Gesamtweltcupsieg, als Motorsportler gewann er 2006 schließlich die berühmte Rallye Dakar.

Pitcher & Cornerback

Weil sich Deion Sanders nicht entscheiden konnte, machte er sich gleich in zwei amerikanischen Profiligen einen Namen. Der Allrounder spielte zur gleichen Zeit Baseball (u.a. für Atlanta Braves) und Football. Als Cornerback der Dallas Cowboys gewann Sanders 1996 sogar den Super Bowl. Baseball sei seine "gute Freundin", sagte der US-Amerikaner, aber American Football seine "wahre Liebe".

Goalgetter & Reiter

"Was hat den bloß geritten", bekam Gabriel Batistuta öfter zu hören, als er nach seiner Fußballer-Karriere plötzlich die Liebe zu den Pferden entdeckte. Der argentinische Goalgetter, Meister mit AS Roma und Rekordtorschütze von Fiorentina, stellte auch als Polospieler seine Treffsicherheit unter Beweis. Bei der Argentina Polo Tour gewann Gabriel Batistuta mit seinem Team die "Copa Stella Artois".

Rodler, Skeletonfahrer & Bobpilot

Würde es die Disziplin Rückwärtsbobfahren geben, Kang Kwang-Bae wäre sicher dabei. Im Eiskanal ist der mutige Südkoreaner für alles zu haben. Kwang-Bae nahm in drei Sportarten an Olympischen Spielen teil: 1998 in Nagano hatte er sein Glück als Rodler versucht, 2006 in Turin raste er dann Kopf voraus auf dem Skeleton-Schlitten durch den Eiskanal, und 2010 steuerte der Südkoreaner den Viererbob seines Landes. "Ich liebe die Geschwindigkeit", sagte der erste Südkoreaner im Eiskanal gegenüber dem KURIER. "Bei uns im Land wusste niemand, was man mit einer Rodel überhaupt anstellt."