Sport
21.06.2017

Welchen Sport man gratis im TV sehen muss

In Europa ist festgelegt, welche Sportereignisse so wichtig sind, dass sie frei empfangbar sein müssen.

Lange wurde darüber gemunkelt, jetzt ist es Tatsache: Die Champions-League-Spiele sind in Deutschland und Österreich ab der Saison 2018/19 nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen. Sky und DAZN sicherten sich die Rechte an den Spielen der Königsklasse bis 2021. So ging in Deutschland das ZDF leer aus, in Österreich der ORF. Die SRG in der Schweiz wollte nichts zum Ausschreibungsverfahren sagen.

Vor allem die Preise für die Übertragungsrechte an Fußballspielen gehen momentan durch die Decke. Und es sind just die Bezahlsender, die sich mit diesem exklusiven Inhalten Abonnenten holen wollen oder für jedes Spiel einzeln abkassieren wollen. Viele öffentlich-rechtliche Sender können und dürfen da nicht mehr mit. Auch das Gros der Privatsender.

Besondere Bedeutung

Aber die Bezahlsender dürfen nicht alles. Es gibt in den europäischen Staaten Regelungen, die festlegen welche Ereignisse "besondere gesellschaftliche Bedeutung" haben, damit sie im Fernsehen frei und unverschlüsselt verfolgt werden können – abgesehen von der Gebühr für einen Kabelnetz-Anschluss und der Rundfunkgebühr. Da die Regelung sensible grundrechtliche und gemeinschaftsrechtliche Fragen berührt, stand und steht ihre Umsetzung unter einer strengen Kontrolle durch die Europäische Kommission. In Österreich wurde diese Regelung bereits im Jahr 2001 mit dem so genannten Fernsehexklusivrechtegesetz umgesetzt. Durch § 4 des FERG wird in Verbindung mit der Verordnung klargestellt, welche Ereignisse Österreich als von erheblicher Bedeutung ansieht (siehe Grafik).

Sky sicherte sich von 2018 bis 2021 die Rechte für die Champions League. Auf die Idee, dass diese Übertragungen "besondere gesellschaftliche Bedeutung" haben, ist man in Österreich nicht gekommen. In Deutschland hingegen ist ein Finale mit Beteiligung eines deutschen Klubs im Rundfunkstaatsvertrag geschützt und muss deshalb zwingend im Free-TV zu sehen sein. Das ist für Sky kein Problem, denn der Nachrichtenkanal Sky Sport News HD ist seit Ende 2016 frei empfangbar.

Für Zuschauer und Fans bedeutet es eine Umstellung. Erstmals in der 25-jährigen Geschichte der Champions League sind diese Spiele exklusiv im Pay-TV. ZDF zeigte bislang 18 Livespiele pro Saison, Kostenpunkt: 54 Millionen Euro. Branchenexperten schätzen, dass sich die UEFA für die Übertragungsrechte für Deutschland für drei Jahre rund 600 Millionen Euro erhofft hat. Das ZDF soll aber nur 70 Millionen pro Jahr geboten haben.

Das ORF-Paket soll bisher zehn Millionen Euro gekostet haben. Die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen nur noch in der kommenden Saison Spiele frei übertragen. Das Rechtepaket für die Europa League ist noch nicht vergeben, der ORF hat darum aber nicht mitgeboten.

Milliarden-Spiel

Für den UEFA-Generalsekretär ist die Verschiebung zum Pay-TV nichts Besonderes. "Das ist in anderen Märkten auch schon passiert", sagte Theodore Theodoridis während der sehr langen und "komplizierten" Verhandlungen. In Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich wird die Champions League bereits zum großen Teil im Pay-TV übertragen. Auf der Insel gab es Live-Spiele schon in der abgelaufenen Saison ausschließlich im Bezahl-Fernsehen.

Der britische Markt ist für die UEFA besonders lukrativ. Dort hatte der Verband zuletzt über den Vermarkter TEAM einen Rekord-Vertrag abgeschlossen. 1,38 Milliarden Euro zahlt der Pay-TV-Sender BT Sports für drei Spielzeiten. In Frankreich erhielt der Telekommunikationskonzern SFR den Zuschlag, laut Medienberichten zahlt er dafür 370 Millionen Euro pro Spielzeit.