Tour: Zwei Brüder planen den Königssturz

Kein Zuckerschlecken: Contador (Mitte) gegen die Schlecks
Foto: epa

Contador wird es recht sein, dass der dritte Schleck-Bruder bei der luxemburgischen Post arbeitet.

Alle gegen einen, und zwei Brüder gegen den Rest der Welt: Der Ausgang der heurigen Tour de France ist offen wie schon lange nicht mehr. Nur einer kämpft einsam um seinen vierten Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt, und das ist Alberto Contador. Wie der 28-jährige Spanier am Donnerstag den Attacken der luxemburgischen Schleck-Brüder ausgesetzt war, ohne kontern zu können, das bestätigte Contadors Zweifel an seiner Form; das zeugte aber auch davon, dass eine Wachablöse bevorsteht.

Es ist zu erwarten, dass die Brüder den Giro-Sieger auch am nächsten Donnerstag wieder in die Zange nehmen. Dann steht die wohl brutalste Etappe der Tour 2011 an: Von Pinerolo auf nicht einmal 400 Metern über Meer geht es über Col Agnel (2744 m) und Col d'Izoard (2306 m) hinauf ins Ziel am Col du Galibier (2645 m). Und sollte die große Distanzierung dann noch nicht gelungen sein, dann gibt's ja noch den Freitag: Dann wird der Galibier überfahren, und am Ende wartet die Bergankunft in Alpe d'Huez ...

Am Samstag setzten die Schleck-Brüder bei der Bergankunft in Beille keine entscheidenden Akzente, sie hielten sich ähnlich bedeckt wie alle anderen Favoriten auf den Tour-Sieg. Zwar wurde Andy Dritter hinter dem Belgier Vanendert und dem Spanier Sanchez, doch gemeinsam mit Bruder Fränk konnte oder wollte er Leader Vöckler und Konkurrenten Contador auf der letzten Pyrenäen-Etappe nicht abschütteln.

Voeckler führt in der Gesamtwertung weiterhin 1:49 Minuten vor Fränk Schleck und 2:06 Minuten vor Cadel Evans. Contador, der am selben Ort 2007 triumphiert und später seinen ersten Toursieg gefeiert hatte, ist nach wie vor mit vier Minuten Rückstand Siebenter.

Der Unbekannte

Fränk und Andy Schleck ist der Radsport in die Wiege gelegt worden: Vater Johnny war selbst sieben Mal bei der Tour de France unterwegs, 1970 beendete er die Grande Boucle auf dem 19. Rang.

Drei Söhne hat der inzwischen 68-Jährige, doch nur zwei sind in seine Fußstapfen getreten: Steve, mit 34 der Älteste, arbeitet bei der luxemburgischen Post und sitzt für die Grünen im Gemeinderat von Mondorf-les-Bains. Das Radfahren war nie seins, erzählte er im Nieuwsblad, wenn der Vater eine lange Trainingsfahrt forderte, radelte Steve zur Kirche. "Ich hab' mich dann schlafen gelegt und bin später zurückgefahren. Oder ich hab' mich auf eine Terrasse gesetzt, mir nach ein paar Stunden Wasser ins Gesicht geschüttet und bin dann wieder nach Hause."

Es gibt auch andere Gründe für das vermeintlich verschlampte Talent. Andy und Fränk sind 1,85 Meter groß und wiegen um die 65 Kilo; Steve hat bei für Radsportler sehr unpraktischen 1,97 Metern 86 Kilo.

Contador wird's recht sein: Er hat auch mit zwei Schlecks schon genug zu kämpfen. Und in den Alpen werden sie ihm noch mehr zusetzen.

(kurier / Stefan Sigwarth) Erstellt am
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