Toni Linhart: "Football nein, Damen ja"

Linhart spielte in seiner erfolgreichen Karriere unter anderem bei den Baltimore Colts (im Bild: Colts im Duell gegen die New York Jets).
Foto: ap

Der wohl beste österreichische Football-Spieler aller Zeiten im Interview.

Football-WM-Finale mit den USA am Samstag in Wien. Damen-Fußball-WM-Finale am Sonntag in Berlin, ebenfalls mit US-Beteiligung. Der heute 68-jährige Steirer Toni Linhart, der in Baltimore lebt, war einst in beiden Sportarten Spitze. Als athletischer Verteidiger gehörte er sechs Mal dem österreichischen Nationalteam an. Als Kicker (New Orleans Saints, Baltimore Colts) war Linhart 1976 Rekordschütze in der NFL.

KURIER: Was haben Sie über die US-Medien von der Football-WM in Österreich erfahren?
Toni Linhart: Immer noch nix. Würde ich mich nicht über KURIER Online informieren, wüsste ich nicht, dass Österreich Football-WM-Schauplatz ist.

... obwohl die USA ins Finale kamen. Ist Ihnen wenigstens US-Teamchef Mel Tjeerdsma ein Begriff?
Sorry. Noch nie gehört.

Geht auch die Damen-Fußball-WM so unter in den US-Medien?
Im Gegenteil. Wegen der Fußball-Damen sind's hier ganz narrisch. Vor allem, seit Abby Wambach in der Overtime das Tor gegen Brasilien gelungen ist. Alle Damen-Spiele werden live aus Deutschland übertragen. Bis zum 17. Lebensjahr ist Soccer schon der Number-One -Sport.

Doch bei den Männern herrscht in den USA im Soccer wohl weiter Stillstand?
Nicht mehr, seit man hier endlich begriffen hat, dass Soccer ein Ganzjahressport ist. Der Beckham ist für den Soccer in den USA ein Segen. Beckham ist zu allen freundlich. Ich habe ihn in Los Angeles zum ersten Mal getroffen. Und er hat gleich so reagiert, als würden wir uns schon 20 Jahre kennen.

Haben Sie sonst noch Bezug zum Fußball?
Ich war soeben erst - wie immer in den letzten 15 Jahren - bei einem
karitativen Soccer-Jugendcamp in New Mexiko dabei. Mit 700 Indianer-Kindern. Jugendliche aus den Reservaten sind leider häufiger krank als andere, leiden oft an Depressionen.

Sind Sie schon US-Staatsbürger?
Nein. Ich bin nach wie vor durch und durch rot-weiß-rot. Doch keine Angst: Ich falle dem Steuerzahler nicht zur Last. Im Gegensatz zur NFL bekomme ich von Österreich keine Pension. Mein Antrag wurde abgelehnt, als sich herausstellte, dass mich der Wiener Sportclub trotz 13-jähriger Zugehörigkeit nie irgendwo angemeldet hatte.

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(kurier / Interview: Wolfgang Winheim) Erstellt am
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