Thomas Geierspichler hofft erneut auf eine Medaille.

© APA/HERBERT PFARRHOFER

Paralympics
09/08/2016

Geierspichler: Medaille oder Disqualifikation

In die Medaillenhoffnung mischt sich auch Frust über die neue Blutdruck-Regel.

Thomas Geierspichler zählt zu Österreichs größten Medaillenhoffnungen bei den Paralympischen Spielen in Rio. Neun Mal Edelmetall findet sich in der Sammlung des Salzburgers, zwei davon glitzern golden. In Rio ist Geierspichler zum mittlerweile fünften Mal bei den Paralympics am Start.

Dafür hat sich der Anifer neuerlich akribisch vorbereitet. Das Material sei perfekt, mit der Form sei er nach den jüngsten Tests zufrieden, sagte Geierspichler. Am Freitag geht es mit dem 100-m-Vorlauf los. "Das ist für mich ein Aufwärmen und eine Wettkampf-Vorbelastung", sagte der Rennrollstuhlprofi, der als einer der wenigen Sportler mit Beeinträchtigung in Österreich über eigene Sponsoren verfügt.

Neue Regel bereitet Kopfschmerzen

Seine Hauptbewerbe sind die 400 m (Vorlauf Montag, Finale Dienstag) und die 1.500 m (Donnerstag). "Da ist alles offen, ich habe in beiden Bewerben die gleiche Chance." Sollte es wirklich mit einer Medaille klappen, wäre das eine besondere Freude für den Sportler des Jahres 2008. Die Enttäuschung, dass es keinen eigenen Marathon mehr für seine Tetraplegiker-Klasse gibt, hat er überwunden. Doch der Ärger über die erfolgte Zusammenlegung von Klassen ist noch immer groß. "Die Schwerbehinderten sind da die Verlierer", erklärte Geierspichler. Er müsse nun gegen Athleten antreten, die vom Ausmaß der Behinderung her Vorteile hätten.

Mehr Sorgen bereiten Geierspichler jedoch die Regeländerungen, die unmittelbar vor den Spielen in Rio durchgesetzt wurden: Das Internationale Paralympische Komitee will der Manipulation durch eine absichtlich herbeigeführte autonome Dysreflexie - dabei wird von Rollstuhlsportlern, deren Verletzung des Rückenmarkts über den sechsten Brustwirbel liegt, etwa durch Harndrang oder Schmerz ein unkontrolliertes Ansteigen des Blutdrucks und damit eine Leistungssteigerung provoziert - einen Riegel vorschieben. Daher hat man den Höchstwert für den systolischen Blutdruck von 180 auf 160 mmHG gesenkt.

Geierspichler hatte jedoch nach Aussage von ÖPC-Teamärztin Michaela Mödlin öfter natürliche Werte, die zwischen 160 und 180 lagen. "Bin ich drüber, kann ich nicht starten. Jeder, der irgendeinen Wettkampf bestreitet oder vor einer Prüfung sitzt, kommt wahrscheinlich auf 160 im ersten Blutdruckwert. Und vor Paralympics ist man nicht entspannt", erklärte der Salzburger. "Ich hoffe, dass ich mich gut darauf einstellen kann."