Sport
22.01.2018

Thiem scheitert in Melbourne im Achtelfinale

Aus für Dominic Thiem bei den Australian Open: Im Achtelfinale ist gegen Tennys Sandgren Endstation.

Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: Dominic Thiem musste sich einem groß aufspielenden Tennys Sandgren, der vor diesen Australian Open nur Insidern bekannt war, nach enormem Fight beugen. Thiem unterlag der Nummer 97 der Welt am Montag im Achtelfinale nach 3:54 Stunden sehenswertem Tennis mit 2:6,6:4,6:7(4),7:6(7),3:6. Der US-Amerikaner schaltete nach Stan Wawrinka auch die Nummer fünf aus.

Für Thiem war es zwar eine bittere Niederlage, allerdings zeigte der Weltranglisten-Fünfte in Melbourne über weite Strecken weit besseres Tennis als etwa im vergangenen Herbst. Der 26-jährige Sandgren, der erst sein drittes Grand-Slam-Turnier im Hauptbewerb spielt, war aber an diesem Tag der Stärkere. Thiem bleibt damit weiterhin sein erstes Viertelfinale bei einem Major abseits der French Open versagt. Der zweifache Roland-Garros-Halbfinalist hatte zuletzt auch in Wimbledon (gegen Tomas Berdych) und bei den US Open (nach 2:0-Satzführung gegen Juan Martin Del Potro) jeweils im fünften Satz des Achtelfinales verloren.

Angriff ist die beste Verteidigung

Sandgren zeigte von Beginn an, dass er nicht zufällig in dieses Achtelfinale gekommen ist. Der 1,88-m-Mann aus Tennessee begann extrem stark und nahm dem Favoriten aus Niederösterreich gleich im zweiten Game den Aufschlag ab. Thiem musste gegen den äußerst aggressiv spielenden Sandgren bis ins siebente Spiel auf seine ersten Breakchancen warten, allerdings konnte Thiem von seinen vier Möglichkeiten keine verwerten. Sandgren hingegen nutzte bei 5:2 seine insgesamt zweite Breakchance zum 6:2 nach 37 Minuten.

Wer erwartet hatte, dass der Weltranglisten-97. sein Niveau nicht halten könne, wurde eines Besseren belehrt. Thiem steigerte sich aber vor allem auch mit dem Aufschlag-Percentage. Er schaffte seinerseits ein frühes Break zum 2:1, wehrte zwei Breakbälle im darauffolgenden Game ab und fixierte nach weiteren 44 Minuten mit 6:4 den Ausgleich. Sandgren ließ sich von dem Satzverlust jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

Der US-Amerikaner, der in der zweiten Runde den Schweizer Topstar Stan Wawrinka glatt in drei Sätzen geschlagen hatte, ging mit einem Break 3:1 in Führung, Thiem erkämpfte sich das 3:3 und in der Folge ging es nach 2:15 Stunden ins Tiebreak. In diesem erarbeitete sich Sandgren drei Satzbälle beim 6:3 und verwandelte den zweiten zur 2:1-Satzführung.

Späte Steigerung reicht nicht mehr

Im vierten Satz sollte sich die Dramatik weiter steigern. Thiem verbesserte seine Aufschlagleistung weiter, servierte allein in diesem Durchgang sieben Asse, aber auch Sandgren, der immer wieder auch ans Netz stürmte, ließ einfach nicht nach. Die Zuschauer in der Hisense-Arena von Melbourne bekamen das nächste Tiebreak, diesmal ohne Serviceverlust davor, zu sehen. In diesem ging Thiem zwar 4:1 in Führung, musste aber bei 5:6 einen Matchball abwehren. Und wie er das tat: mit einem krachenden Rückhandwinner entlang der Linie. Gleiches gelang ihm auch bei 7:7 zum zweiten Satzball, den Thiem dann auch nutzte. Thiem reckte die rechte Faust in die Luft - zum zweiten Mal hatte er in diesem Turnier den fünften Satz erreicht.

Aber das Happy End blieb dem Lichtenwörther, im Gegensatz zur zweiten Runde, versagt. Während Sandgren immer mehr auch Thiems zweiten Aufschlag attackierte und den achtfachen Turniersieger unter Druck setzte, blieb der US-Amerikaner bei eigenem Aufschlag unantastbar. Zum 4:2 gelang dem Außenseiter dann das entscheidende Break - Sandgren, der wie übrigens auch Thiem 20 Asse schlug, ließ sich den Sensationssieg nicht mehr nehmen.

"Ich glaube das nicht. Ich weiß nicht, ob das wahr ist, aber ich stehe hier nicht in meiner Unterwäsche, also habe ich es wohl nicht geträumt", meinte Sandgren lachend noch auf dem Platz. Der US-Amerikaner, der nun in die Top 60 klettern wird, lobte Thiem. "Er hat wirklich großartiges Tennis gespielt. Er ist schon weg, aber er hat eine Runde Applaus für dieses Tiebreak im vierten Satz verdient." Sandgren sah seine Unbekanntheit als einen Vorteil, "weil die Leute nicht wissen, was sie von mir erwarten sollen". Spätestens im Viertelfinale wird sein Gegner wohl noch besser informiert sein.