Sport
10.07.2017

Thiem: Fünf Sätze, aber kein Erfolgsroman

Dominic Thiem schied nach einem hochklassigen Achtelfinalspiel gegen den Tschechen Berdych aus.

Freilich. Dominic Thiem ist nicht als Favorit an die Church Road gekommen. Sein Weg dorthin war nach den Leistungen bei den Vorbereitungsturnieren auf Rasen eher beschwerlich, gab wenig Anlass zu den allergrößten Hoffnungen.

Und dennoch verabschiedet sich Österreichs Topmann nach sehr guten Leistungen mit erhobenem Haupt aus Wimbledon. Nach drei Siegen mit teilweise ausgezeichnetem Rasenspiel unterlag der 23-Jährige Tomáš Berdych in einem dramatischen Fight 3:6, 7:6, 3:6, 6:3, 3:6.

"Spielerisch muss man sehr zufrieden sein. Dominic hat wieder einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Aber es war klar, dass es eine schwierige Partie wird", sagt Trainer Günter Bresnik. Zwei Mal musste sein Schützling einem Satz-Rückstand nachlaufen, zwei Mal kämpfte er sich sensationell zurück. Thiem: "Deshalb tut es doppelt weh, dass es nichts geworden ist. Weil es auch eine gute Partie war."

Service-Dienst

Der Tscheche ließ kaum erkennen, dass er im Ranking auf Platz 15 zurückfiel, viel mehr, dass er in Wimbledon im Vorjahr im Semifinale stand und 2010 gar schon mal im Endspiel. Zumeist ließ er bei seinem Service gar nichts zu. "Er hat nicht unglaublich hart serviert", sagt Bresnik, "aber dafür oft die Linien geputzt." Ein Paradebeispiel war der erste Satz, in dem Berdych ein Break reichte.

Im zweiten Satz kam Feuer ins gute Spiel. Thiem wehrte bei 4:4 mit guten Aufschlägen zwei Breakbälle bei 15:40 ab und kam im darauffolgenden Spiel zu zwei Satzbällen. Berdych spielte sich aber ins Tie-Break, das Thiem sicher gewann. Im dritten Satz war der 31-Jährige der dominierende Spieler, ein Break reichte ihm, Thiem half es nichts, dass er bei 2:5 und 0:40 drei Satzbälle abwehrte. Im vierten Satz wurde es wieder spannender. Obwohl Berdych zunächst unantastbar beim eigenen Service war.

Thiem machte da die ersten Punkte als Rückschläger erst bei 4:3 für ihn, da holte er sich aber sofort zwei Breakbälle und verwandelte den ersten. Das erste (und einzige Break) von Thiem im ganzen Spiel kam deshalb unerwartet. Und schon im nächsten Game musste er zwei Breakbälle abwehren. Er tat es mit Bravour und sicherte sich den vierten Satz mit 6:3. "Da war ich mir sicher, dass ich die Partie gewinne", sagt Thiem. Der fünfte Satz verlief wie der erste und dritte Durchgang – ein Break reichte Berdych zum Sieg nach 2:52-Stunden in einem Spiel, das alle Attribute eines guten Rasenspiels vereinte. Bresnik: "Dominic hatte nicht viele Chancen in diesen Phasen. Bei den wenigen hat er einige Hacker gemacht, die er sich gegen Berdych an diesem Tag nicht leisten konnte."

Tolle Major-Bilanz

Thiem kann insgesamt zufrieden sein. Schließlich erreichte Österreichs Sommersport-Ass zum vierten Mal in Folge bei einem Grand-Slam-Turnier zumindest das Achtelfinale. Mit dem Einzug unter die besten 16 in Wimbledon hat es Österreichs Aushängeschild nun bei allen vier Grand-Slam-Turnieren zumindest einmal in das Achtelfinale geschafft. Das hatten von den Österreichern zuvor nur Jürgen Melzer geschafft.

Der Ranglisten-Achte pausiert nun , weiter geht es in Washington (ab 31. Juli) und bei den ATP-1000-Turnieren von Montreal und Cincinnati, danach folgen die US Open (ab 28. August), ehe es unmittelbar danach in Wels zum Daviscup gegen Rumänien geht (von 15. bis 17. September).