Sport
27.05.2017

Thiem: "Das Lob von Nadal freut mich besonders"

Dominic Thiem über Anerkennung, Erfolg, Unannehmlichkeiten, Charakter und natürlich über Paris.

Nummer sieben der Welt. Dominic Thiem war dies zwar im Vorjahr nach den French Open bereits, doch heuer legte er noch einmal zu, stand in Madrid in seinem ersten ATP-1000-Finale, schlug eine Woche später Rafael Nadal in Rom. Bei den morgen startenden French Open, gibt er den österreichischen Alleinunterhalter, nachdem Gerald Melzer in der letzten Quali-Runde scheiterte.

In Paris wartet am Sonntag in der ersten Runde der Australier Bernard Tomic, im Achtelfinale könnte dies wieder einmal der Belgier David Goffin tun. Mit welchen Hoffnungen Österreichs Topmann in die French Open geht, und was sich sonst noch tut, erzählte der 23-Jährige dem KURIER.

KURIER: Nur kurz war der Aufenthalt in Österreich. Jetzt heißt es wieder Koffer packen...

Dominic Thiem: Und schleppen. So viele schöne Annehmlichkeiten der Erfolg bringt, aber das zählt bestimmt nicht dazu. Das ist richtig mühsam.

Aus der bisherigen Sandplatz-Saison können Sie aber viel Positives mitnehmen. In Rom schlugen Sie zuletzt Nadal, ehe es gegen Djokovic eine doch sehr klare Niederlage gab. Überwiegt das Gute?

Die Enttäuschung nach dieser klaren Niederlage war nicht groß. Fakt ist einfach, dass ich noch nie solange Zeit durchgehend auf so hohem Niveau gespielt habe. Das war noch Neuland für mich, auch das wird besser werden.

Auch die Lobeshymnen werden beflügeln...

Lob gab es immer schon in irgendeiner Form. Aber das Lob von Nadal freut mich besonders, weil der sagt nichts nur einfach so, der steht voll und ganz hinter seinen Aussagen, ist immer sehr ehrlich.

Ehrlich gesagt, jetzt wird von Ihnen auch viel bei den French Open erwartet, oder?

Die Erwartungshaltung ist natürlich gestiegen. Aber die Konkurrenz schläft nicht, ist auch nicht schlecht. Wichtig wird jetzt einmal sein, dass ich über die ersten Hürden komme. Darauf gilt die Konzentration. Und Tomic ist sicher kein einfaches Los. Dann sehe ich weiter.

Zurück zum Monsterprogramm. Ist der Terminkalender in der Sandplatz-Saison zu dicht?

Man kann es eh nicht ändern. Der Kalender ist das ganze Jahr dicht. Und ein Nadal spielte beispielsweise auf Sand ständig auf ganz hohem Niveau. Bei dem ist dies schon Gewohnheit.

Nicht wirklich in den Terminkalender passt zumeist auch der Daviscup. Im September werden Sie spielen, aber halten Sie den Teambewerb in derzeitiger Form für sinnvoll?

So wie es derzeit abläuft, ist es teilweise eine Farce. Als Beispiel kann man die Schweizer sehen. Die gewinnen mit Federer und Wawrinka den Daviscup, im Jahr darauf spielen sie mit der Nummer 300 oder 400 und sind chancenlos. Ein einmaliges Daviscup-Turnier wäre vielleicht eine geile Sache. Oder irgendetwas, das besser geplant wird.

Thiem als scharfer Kritiker. Ihr Trainer Bresnik sagt oft, Sie sind sehr anständig, sogar zu anständig. Sind Sie zu anständig?

Ich bin sehr zufrieden, wie ich bin. Ich habe mir auch auf dem Platz nie gedacht, ich müsste mehr ein Gfrast sein. Warum soll ich mich ändern?

Eine Wandlung haben aber viele bemerkt. Jene zum Erwachsenen...

Ja, das ist unabhängig vom Sport passiert. Ich habe vielleicht schon noch meine kindischen Momente, aber mit 23 bist du automatisch erwachsener. Und wenn man gut spielen will, sollte man auch erwachsen sein.

Einen Beitrag dazu leistet wohl auch die neue Wohnung in Mödling. Auch ein Ort, um sich zurückzuziehen?

Das konnte ich zuvor auch schon im Elternhaus. Aber als Sportler kann man nicht ewig bei den Eltern herumhängen. Natürlich bin ich ja trotzdem bei meinen Eltern hin und wieder. Partys werden in der neuen Wohnung aber nicht gefeiert (lacht).

Die Wohnung darf auch als kleiner Luxus angesehen werden. Sie haben schon rund sieben Millionen Dollar verdient, hat sich dadurch viel verändert?

Es ist extrem angenehm, dass man nicht immer auf das Konto schauen muss. Bei den Future-Turnieren war es immer so, dass ich in den Restaurants genau schauen musste, was das Billigste ist. Heute ist es mir wurscht, was die Rechnung ausmacht.

Das Buch "Die Dominic Thiem Methode" ihres Trainers Bresnik war ebenso erfolgreich. Gibt es ein Nachfolgewerk?

Nein, da ist noch nichts geplant.

Sportgeschichte haben Sie in Österreich schon ein paar Mal geschrieben. Und trotzdem werden Skispringer Stefan Kraft und Alpin-Star Marcel Hirscher oftmals im Vorfeld schon als aussichtsreichste Kandidaten für die Sportlerwahl gehandelt. Stört Sie das?

Man kann unsere Sportarten unmöglich vergleichen. Und deshalb können wir auch keine Konkurrenten sein. Über Ausnahmekönner Marcel Hirscher braucht man sowieso nichts sagen. Und mit Kraft bin ich ständig im Kontakt, wir schreiben uns gegenseitig nach den Erfolgen. Außerdem liebe ich das Skispringen, genauso wie ich den Fußball liebe.

Da wären wir beim Thema. Dass Sie Chelsea-Fan sind, ist bekannt, aber gibt es in Österreich keinen Lieblingsklub?

Nein, nur meinen eigenen. Ich habe selbst einen Klub gegründet, den 1. TFC Matzendorf. Wir hoffen, irgendwann auch vom Verband aufgenommen zu werden. Andi Herzog war zum Beispiel schon dabei. Ich arbeite daran, dass demnächst auch Florian Grillitsch für uns einmal spielt.

Aber in Talk-Shows sieht man Sie in Österreich nie. Warum?

Ganz einfach: Ich bin so wenig zuhause und möchte diese Zeit nicht im Fernsehen herumhängen, da gehen natürlich neben dem Training Familie und Freunde vor. Es muss auch nicht sein, nur weil ich gut Tennis spiele.

Apropos: Sehen Sie irgendwo in Österreich einen Spieler, der irgendwann ähnlich gut wie Sie spielen könnte?

Ich hoffe, mein 17-jähriger Bruder Moritz. Das wäre einfach unfassbar, zwei Thiems in der Spitze. Merken kann man sich auf jeden Fall Stefan Andrejic, der auch bei Bresnik und meinem Vater trainiert. Der hat schon einen super Körper für seine 14 Jahre und gute Anlagen.

Danke für das Interview. Aber eines noch kurz: Wer gewinnt jetzt wirklich die French Open?

(Lacht) Ich. Aber das muss ich ja sagen.