Sport
05.07.2017

Tennis-Newcomer Ofner mit Ambitionen

Der 21-jährige Steirer konnte bei seinem Grand-Slam-Debüt überzeugen, jetzt wird über seine Zukunft spekuliert.

Mit seinem überragenden Premierenauftritt in Wimbledon hat er für einen Tag sogar Dominic Thiem die Show gestohlen. Sebastian Ofner hat bei seinem ersten Turnier auf der großen Tennis-Bühne Lunte gerochen. Am Donnerstag trifft der Steirer in der zweiten Runde auf den US-Amerikaner Jack Sock, kampflos will sich der Sensationsmann aus der Steiermark auch der Nummer 18 der Welt nicht geschlagen geben.

Trumpf des 1,91-Meter-Mannes ist sein Service. „Der Aufschlag ist auf Rasen sicherlich einer der wichtigsten Schläge“, meinte Ofner. „Wenn ich gut serviere, muss mich einmal einer breaken.“ Dabei hat er auf dem schnellsten aller Beläge keine nennenswerte Erfahrung: Vor seinem in der Wimbledon-Qualifikation begonnenen Erfolgslauf hatte der 21-Jährige noch nie auf Rasen gespielt.

Geldregen

Mit seinem Drei-Satz-Sieg am Dienstag gegen den Brasilianer Thomaz Bellucci ist Ofner aber ein Teil der großen Tennis-Welt geworden. „Das war bis jetzt der größte Sieg in meiner Karriere“, sagte der Youngster, der sich bisher bei Future- und Challenger-Turnieren beweisen durfte. Verdient hat er bei seiner Grand-Slam-Premiere schon 57.000 Pfund (65.000 Euro) - mehr als davor in seiner gesamten Karriere zusammen (rund 41.000 Euro).

In der Weltrangliste wird sich Ofner selbst bei der wahrscheinlichen Niederlage gegen Sock von Position 217 um fast 50 Plätze verbessern. Gegen den US-Amerikaner ist er krasser Außenseiter. „Jetzt kommt noch einmal ein höheres Kaliber“, weiß Ofner. Sock hat aber im Gegensatz zu Ofners Erstundengegner keine Probleme auf Rasen. Das gilt aber auch für Ofner. „Ich fühle mich wohl beim Return auf Rasen“, sagte der Steirer. „Ich werde versuchen, dass ich jede kleine Chance nütze.“ Ziel sei es, gegen einen Spieler wie Sock zumindest einen Satz zu gewinnen.

Für das bisher größte Spiel seiner Karriere werden auch seine Eltern aus der Region Bruck an der Mur nach London reisen. Ofner stammt nicht aus einer klassischen Tennis-Familie, erst nach der Matura begann er in professionellem Umfeld zu arbeiten. Mittlerweile trainiert das Talent bei Wolfgang Thiem, dem Vater von Österreichs Aushängeschild Dominic, in der Südstadt.

Thiem freute sich mit

Insofern freute sich auch Dominic Thiem über Ofners überraschenden Erfolgslauf. „Das ist völlig verdient“, sagte Österreichs Nummer eins über die mediale Aufmerksamkeit für seinen Kollegen. „Das ist sein erstes Rasenturnier. Er dreht einen Zwei-Satz-Rückstand in der letzten Quali-Runde und schlägt einen Bellucci (Nr. 55 der Welt) glatt in drei Sätzen. Das ist eine unfassbare Leistung, und ich hoffe auch, dass die hoch genug eingeschätzt wird.

Er selbst schätzt seinen Landsmann, den er lange Zeit kaum gekannt hatte. „Seit er bei uns trainiert, kenne ich ihn natürlich“, sagte Thiem. „Um befreundet zu sein, habe ich ihn noch zu wenig kennengelernt. Aber das kann, wenn er so weiterspielt, noch werden.“