Sport
28.01.2015

Tennis-Erfolge als Alterserscheinung

Bei den Australian Open erreichte nur ein Teenager das Semifinale. Ein neuer Trend.

Die 19-jährige Madison Keys ist eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur, weil die US-Amerikanerin nach einem 6:3-4:6-6:4-Erfolg über Venus Williams als ungesetzte Spielerin das Semifinale erreichte, sondern auch, weil sie der einzige Teenager ist, der das schaffte. Eine Besonderheit? In heutigen Zeiten durchaus. Keys war vor dem Turnier als Nummer 35 der Welt der zweitbeste Teenager bei den Damen. Vor den Australian Open lag nur die erst 17-jährige Schweizerin Belinda Bencic vor ihr.

Zum Vergleich: Die Schweizerin Martina Hingis gewann 1997 mit 16 ihr erstes Grand-Slam-Turnier, Maria Scharapowa war 17 (2004) und und Steffi Graf in Paris 1987 nicht ganz 18. US-Spielerin Jennifer Capriati erreichte mit 14 das Halbfinale der French Open, usw... Das Durchschnittsalter der Top-Ten-Spielerinnen beträgt 25,5 Jahre, Eugenie Bouchard aus Kanada ist mit 20 eine "Jungspundin".

Morgen Früh kommt es nun zum Generationenduell zwischen der 33-jährigen Serena Williams und Keys (als Williams in New York ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewann, war Keys vier Jahre). Im zweiten Halbfinale duellieren sich die Russinnen Scharapowa (27) und Ekaterina Makarowa (26).

Routiniertes Semifinale

Bei den Herren ist die Situation ähnlich. Die Halbfinali lauten (Donnerstag, 9.30 MEZ) Andy Murray (27) gegen Tomas Berdych (29) und (Freitag) Novak Djokovic (27) gegen Stanislas Wawrinka (29). Das Durchschnittsalter der Top-100-Spieler beträgt 27 Jahre, auch wenn mit dem 19-jährigen Australier Nick Kyrgios (zwei Viertelfinali bei Grand-Slam-Turnieren) und dem erst 18-jährigen Kroaten Borna Coric zwei Teenager in den Top 100 stehen. Sie steuern einer Tendenz entgegen. Gründe für den generellen Altersanstieg:

Punktesystem: Jüngere Spieler müssen naturgemäß bei kleineren Turnieren beginnen, dort gibt es kaum Punkte, um nach oben zu kommen.

Preisgelder: Gibt es für Talente von den Verbänden wenig, ist eine Karriere kaum leistbar. Siege bei kleinen Turniere decken kaum die Kosten, vor allem Toptrainer sind nicht leistbar.

Athletik: Heute achten die Profis mehr auf den Körper (die Topspieler haben einen eigenen Physiotherapeuten), können so länger spielen.

Dichte: Immer mehr Nationen bringen Spieler hervor, es gibt bereits 210 nationale Tennnisverbände (der Weltfußballverband hat 209).

"Ausnahmetalente werden es aber immer schaffen", betont Toptrainer Günter Bresnik stets. Sein Schützling Dominic Thiem ist 21 – und liegt weit unter dem Durchschnitt der Top-100-Spieler (rund 27 Jahre). Und Jürgen Melzer (er gehört wieder dazu) ist mit 33 längst nicht der Älteste. Tommy Haas ist nach einer Schulter-OP heiß auf ein Comeback. Am 3. April wird der Deutsche 37.

Wawrinka fertigt Nishikori ab

Der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic bekommt am Freitag im Halbfinale der Australian Open gegen Stan Wawrinka die Chance auf Revanche. Der Schweizer hatte ihn im Vorjahr in Melbourne auf dem Weg zu seinem ersten Tennis-Grand-Slam-Titel im Viertelfinale gestoppt. Das neuerliche Duell machten beide mit klaren Dreisatz-Siegen am Mittwoch im Viertelfinale perfekt.

Wawrinka war glücklich, neuerlich im Halbfinale zu stehen. "Das ist ein großer Erfolg und auf alle Fälle etwas Besonderes", meinte der 29-Jährige nach dem in gut zwei Stunden fixierten 6:3,6:4,7:6(6)-Erfolg über den Japaner Kei Nishikori. Djokovic gab sich gegen den Kanadier Milos Raonic (8) beim 7:6(5),6:4,6:2 ebenfalls keine Blöße.

Für Wawrinka war es der erste Sieg gegen einen Top-5-Spieler seit rund neun Monaten und auch eine Genugtuung, denn bei den US Open 2014 hatte ihn der spätere Finalist Nishikori im Viertelfinale besiegt. Besonderen Druck verspüre er als Vorjahressieger nicht, behauptete Wawrinka. "Ich bin nicht hier mit dem Ziel, den Titel zu verteidigen. Ich bin hier für eine neue Herausforderung, ein neues Grand-Slam-Turnier. Ich bin wirklich sehr zufrieden, es ins Halbfinale geschafft zu haben und bisher so gut zu spielen."

Eine Topleistung wird auch am Freitag (9.30 Uhr MEZ) nötig sein, will er den Vorjahrserfolg über Djokovic wiederholen. Der Serbe führt in den direkten Duellen mit 16:3 und hat von den jüngsten 16 Matches gegen seinen Halbfinal-Gegner nur eines verloren. Die drei jüngsten Vergleiche bei Major-Turnieren gingen allerdings jeweils über fünf Sätze.

"Bisher beste Leistung"

Djokovic weiß also, was auf ihn zukommt. "Es wird ein großer Kampf, denn er fühlt sich hier sehr wohl", erklärte der 27-Jährige. "Aber ich treffe den Ball auch sehr gut und weiß, was ich gegen ihn machen muss."

Mit seiner Form ist Djokovic jedenfalls zufrieden. Gegen Raonic war es nur im ersten Satz knapp, in der Folge spielte der vierfache Australian-Open-Gewinner groß auf. "Das war meine bisher beste Leistung bei diesem Turnier, ich habe mich von Match zu Match gesteigert", betonte der auch von Boris Becker betreute Belgrader. Er hat in fünf Matches noch keinen Satz und erst ein Aufschlagspiel abgegeben. Und in Australien jedes Mal, wenn er im Halbfinale stand, das Turnier auch gewonnen.

Indes ist Alexander Peya der Einzug ins Halbfinale versagt geblieben. Der 34-jährige Wiener schied im Viertelfinale des Mixed-Doppel-Bewerbs in Melbourne gemeinsam mit der Tschechin Andrea Hlavackova aus. Das als Nummer vier gesetzte Duo unterlag Martina Hingis/Leander Paes (SUI/IND-8) 3:6,1:6.

Im Herren-Doppel war Peya mit dem Brasilianer Bruno Soares in der zweiten Runde gescheitert, nun verlor er als letzter Österreicher im ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres auch im Mixed.

Teenager stoppt Venus Williams

In der Damen-Konkurrenz erreichten die Weltranglisten-Erste Serena Williams durch einen 6:2, 6:2-Sieg gegen Vorjahresfinalistin Dominika Cibulkova und die 19 Jahre alte Madison Keys mit 6:3, 4:6, 6:4 gegen Serenas ältere Schwester Venus das Halbfinale.

Keys, 19 Jahre alt und die Nummer 35 der WTA-Rangliste, hatte gegen Venus Williams nach 1:55 Stunden das bessere Ende für sich. Auf der Tribüne klatschte ihre Trainerin Lindsay Davenport strahlend Beifall, auf dem Platz stieß Keys nach dem Sieg gegen ihr Idol einen kurzen Freudenschrei aus.

„Es ist großartig, diesen Moment musst du einfach genießen“, freute sich Keys.Im ersten Duell mit Serena Williams habe sie nichts zu verlieren. „Ich muss einfach auf den Platz gehen und mein Bestes geben, weil sie offensichtlich sehr, sehr gut drauf ist.“