Mick Fanning und sein Widersacher.

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Hai-Angriff
07/20/2015

"Ich dachte, wir haben ihn verloren"

Surf-Profi Mick Fannings Mutter sah live im Fernsehen, wie ihr Sohn von einem Hai angegriffen wurde.

Die Szene dauert nur wenige Sekunden (siehe Video), und doch stockt Zuschauern der Atem - so gefährlich nah kommt der Hai dem Surfer Mick Fanning. Der 34-jährige Fanning wirft gerade noch einen Blick über die linke Schulter, als plötzlich direkt hinter ihm eine große Haiflosse aus dem Wasser taucht. Fanning befindet sich im Finale eines internationalen Wettbewerbs der World Surf League (WSL) vor der Küste Südafrikas - im Fernsehen erlebt seine Mutter diese Schrecksekunden live mit.

In einem Internetvideo ist zu sehen, wie sich der Australier der Länge nach auf sein Surfbrett drückt und versucht, mit den Füßen paddelnd dem Raubfisch zu entkommen. Doch schon kurz danach wird er zurück ins Meer geworfen, dann verdeckt eine Welle die Sicht auf den 34-jährigen Profi. Als er wieder zu sehen ist, krault er ohne sein Surfbrett davon, blickt sich immer wieder um und winkt einem der Jetskis zu, die ihm zur Hilfe eilen und ihn an Bord nehmen.

Wenig später erzählt er einem Interviewer, wie er gemerkt habe, dass da etwas im Wasser sei. „Ich bin buchstäblich weggesprungen, habe versucht, auf mein Brett zu kommen und getreten und geschwommen“, sagt der dreifache Weltmeister. Ob er die Zähne gesehen habe, will der Interviewer wissen. „Ich habe nur die Rückenflosse gesehen“, antwortet Fanning noch außer Atem. Er habe dem Hai auf den Rücken geschlagen, berichtet er und lacht kurz. Und schüttelt nur Sekunden später ungläubig den Kopf. Es sieht aus, als könne er selbst noch nicht wirklich fassen, was ihm da widerfahren ist.

Vermutlich war es einfach Glück im Unglück, dass der Australier sich am Sonntag nicht allein auf dem Wasser, sondern mitten im Wettbewerb befand. Kaum eine halbe Minute verging zwischen dem Auftauchen des Hais und dem Eintreffen der Helfer, die den Profi in Sicherheit brachten.

"Ich dachte, wir haben ihn verloren"

Fannings Mutter Elizabeth Osborne war Zuhause, als der Wettbewerb im Fernsehen lief, wie sie dem australischen Sender ABC berichtete. „Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Ich dachte, wir haben ihn verloren.“ Sie habe sofort an ihren anderen Sohn Sean denken müssen, der vor fast 17 Jahren bei einem Autounfall gestorben sei.

Jedes Jahr gibt es in Südafrika durchschnittlich sechs Hai-Angriffe auf Menschen, wie die Naturschutz- und Forschungsorganisation Sharks Board vor einiger Zeit berichtete. Neben Südafrika fanden die häufigsten Hai-Attacken nach Zählung des Naturkundemuseums in Florida in den USA - in Florida, Kalifornien und South Carolina - sowie in Australien statt.

Mick Fanning jedenfalls dürfte der Zwischenfall nicht davon abhalten, wieder auf's Surfbrett zu steigen, zitierte ABC dessen Manager Ronnie Blakey. Auch wenn der Angriff den Profi erschüttert habe, sei dieser insgesamt gesehen in einer großartigen Position, seinen vierten Weltmeister-Titel in Angriff zu nehmen, sagte Blakey. Die World Surf League ließ es nach dem Hai-Angriff übrigens ruhiger angehen. Sie brach den Wettkampf ab - Fanning und sein Konkurrent Julian Wilson bekamen beide die gleiche Punktanzahl für die Rangliste.

Haiangriffe auf Surfer

Surfer müssen vor Australien, dem Süden der USA, Hawai oder Südafrika mit Haiangriffen rechnen. Doch kommen sie selten vor und enden nur in wenigen Fällen tödlich. Einige Beispiele:

Juli 2015 - Innerhalb von zwei Tagen werden zwei Surfer vor der Ostküste Australiens attackiert. Ein Hai stößt einen Surfer von seinem Bord, beißt aber nur in das Brett. Im anderen Fall packt ein Hai einen Sportler an den Beinen und verletzt ihn lebensgefährlich.

Februar 2015 - Vor der Ostküste Australiens reißt ein Raubfisch einem Surfer beide Beine ab, der Mann verblutet.

Mai 2013 - Vor der Insel La Réunion im Indischen Ozean beißt ein Hai einem Surfer in Arm und Bein und tötet den Touristen aus Frankreich.

Oktober 2012 - Vor der Küste des US-Bundesstaates Kalifornien wird ein Wellenreiter angegriffen und tödlich verletzt.

April 2012 - Vor der südafrikanischen Küste wird einer der besten Surfer des Landes mehrfach von einem Hai attackiert und stirbt.

März 2005 - Einem Wellenreiter gelingt es vor der südafrikanischen Küste, sein Bein aus dem Maul eines Hais zu ziehen und schwer verletzt an den Strand zu schwimmen.

Oktober 2003 - Die Hawaiianerin Bethany Hamilton verliert bei einem Hai-Angriff einen Arm. Sie gibt ihren Sport aber nicht auf und veröffentlicht ein Buch mit dem Titel „Soul Surfer“. Ihre Geschichte wird auch verfilmt.

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