Sport 31.01.2012

Spurensuche: Olympische Altlasten

Brisanter Prüfbericht: Das ÖOC muss 331.434,65 Euro Fördermittel an das Sportministerium refundieren.

Sportminister Norbert Darabos hat noch eine Rechnung offen mit dem Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC). Und das hat weniger mit der aktuellen Führung denn mit den eigenwilligen Praktiken in der Ära von Ex-Präsident Leo Wallner und Ex-Generalsekretär Heinz Jungwirth zu tun. Nach wie vor wird die Vergangenheit aufgerollt. Nach wie vor muss sich das ÖOC strengen Prüfungen unterziehen. Nach wie vor ist olympisches Feuer am Dach.

Konkret geht es um eine Sonderprüfung der besonderen Bundes-Sportfördermittel 2008, die von den internen Revisoren des Sportministeriums durchgeführt wurde.

Ergebnis: Grobe Verstöße bei der Verwendung von Steuergeldern durch das ÖOC. Konsequenz: Von den damals ausgeschütteten 806.198 Euro des Bundes muss das ÖOC nunmehr exakt 331.434,55 Euro an das Sportministerium refundieren. Per Zahlschein auf das im Rückforderungsschreiben angegebene Konto. Das Dokument, das dem KURIER aus dem ÖOC-Umfeld zugespielt wurde, datiert mit 25. Jänner 2012 und wurde dem mittlerweile neu konstituierten ÖOC unter Präsident Karl Stoss dieser Tage zugestellt.

Management by Chaos

Aus dem Prüfbericht: Das Sportministerium fordert 331.434 Euro zurück, unter anderem wurden Belege deshalb nicht anerkannt, weil das ÖOC an den Tischtennisverband gar nicht überwiesen hatte.
© Bild: KURIER

Es muss eine ziemliche Zettelwirtschaft geherrscht haben unter der alten Führung, die über finanzielle Ungereimtheiten stolperte und nach wie vor im Fokus staatsanwaltlicher Ermittlungen steht. Insider berichten von einer Buchhaltung by Chaos, in der die Beleg-Sammlung in den untersten Schubladen fröhliche Urständ feierte.

Tatsächlich monieren die gestrengen Prüfer des Bundes, dass für das Jahr 2008, als das ÖOC die Olympischen Sommerspiele in Peking zu beschicken hatte, sämtliche "Gesamtaufstellungen" fehlen. Im Detail betrifft dies die Positionen Reisekosten, Hotelkosten, Bekleidung sowie alle Einnahmen und Ausgaben für das "Österreich-Haus".

Mehrfach dürfte das ÖOC auch in den letzten Monaten versucht haben, Belege nachzureichen. Mehrfach wurden vermeintliche Nachweise einer widmungsgemäßen Verwendung wieder zurückgezogen.

Bemerkenswert: Offenkundig wurde versucht, mit Zahlungen an den Tischtennisverband zu argumentieren, die in den Bereich der Fiktion fallen dürften. Denn die Prüfer des Bundes halten fest: "Von den anderen nachgereichten Belegen konnten keine zusätzlich anerkannt werden, da der Tischtennisverband bestätigte, dass das ÖOC an den Tischtennisverband keine Überweisung vorgenommen hat.". Mehr noch: Die Kontrollore schreiben wörtlich vom Versuch einer "Doppelabrechnung".

Gleichsam zum Drüberstreuen hat irgendein schlauer ehemaliger ÖOC-Fuchs anscheinend versucht, einen PKW der Marke VW Fox dem Steuerzahler unterzujubeln. Auch dieses Ansinnen wurde von Seiten des ÖOC letztlich zurückgenommen.

Das ÖOC trifft die Rückforderung inmitten der Vorbereitung auf die Sommerspiele in London. Neo-Generalsekretär Peter Mennel spricht von Altlasten: "Einige Kritikpunkte des Ministeriums werden berechtigt sein, andere womöglich nicht." Man prüfe. Und wundere sich etwa, warum die Richtlinien 2009 für das Jahr 2008 herangezogen werden.

Das ÖOC lukriert jährlich übrigens rund 2,25 Millionen Euro an öffentlichen Förderungen. Kritiker fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt, wonach es für Fördernehmer mehr Leistungsanreiz und weniger Gießkannenprinzip geben sollte.

( Kurier ) Erstellt am 31.01.2012