Sport
05.04.2012

Spitzauer will noch aufs Olympia-Boot aufspringen

Gute Vorschoter sind in Österreich schwer zu finden. Als die Zusammenarbeit von Hans Spitzauer und Adi Lüzlbauer im Herbst zu Ende ging, wollte Starboot-Steuermann Spitzauer das Thema sechste Olympiateilnahme endgültig abhaken.

Mit Gerd Habermüller holte er einen ehemaligen Leichtathleten und Bob-Abschieber ins Boot. Last Minute soll nun bei der WM im Mai das Ticket für Olympia gebucht werden.

Im Finn klassierte sich Spitzauer bei Olympia auf den Rängen 4, 8 und 18, im Starboot auf 13 und 12. Eigentlich hatte er seine Olympia-Karriere vor vier Jahren in Qingdao/China beendet, doch es kam anders. Ein Italiener, mit dem er Match Race segelt, stellte ihm seine Starboote zur Verfügung und sponsert die Kampagne. "Letztes Jahr waren wir mit Blick auf Olympia schon gut unterwegs, blöd, dass es so gelaufen ist (Lüzlbauer-Abschied/Anm.). Leider hatten Gerd und ich nicht viel Zeit, aber dafür machen wir es ganz gut. Mit Gerd ist super zu arbeiten", erzählte Spitzauer, der die Professionalität seines neuen Segelpartners lobt, der als Fitnessanlagenbetreiber und Berufsschullehrer sein Geld verdient.

"Wir können auf ein sehr großzügiges Etat zurückgreifen, unser Sponsor ist selbst auch Starboot gesegelt und hat Verständnis dafür, was notwendig ist. Bei unserer letzten Kampagne für Peking ist das ja immer wie ein Damoklesschwert über uns gehangen, dass wir nur beschränkte Mittel hatten", erinnerte Trainer Alfred Pelinka, der bei Spitzauer nach wie vor das Feuer lodern sieht: "Obwohl er älter ist und jetzt wenig Zeit hatte, ist Hans von der Fitness her noch einen Schritt weiter gekommen. Ich glaube, das drückt auch die Entschlossenheit und den Willen aus, es noch einmal wissen zu wollen."

Dabei hatten alle Beteiligten im vergangene August mit London praktisch abgeschlossen, weil wegen gesundheitlicher Probleme von Lüzlbauer das Testevent in Weymouth nicht gesegelt werden konnte. "Das war für alle unbefriedigend, wir waren nicht wirklich damit fertig. Aber es gibt in Österreich keine Kultur von sehr guten Finnseglern, auf die du zurückgreifen und die du einfliegen kannst", weiß Pelinka. Dann bot sich Habermüller an, der schon länger vorwiegend in nichtolympischen Klassen aktiv ist. Spitzauer überlegte, versuchte sein Glück und mit vereinten Kräften - auch von Freunden Spitzauers, die mit Habermüller trainierten - wurde aus dem Niederösterreicher ein Starboot-Vorschoter gemacht.

Die ersten Trainingstage verbrachte das Duo im vergangenen Dezember auf dem Neusiedler See, die erste Regatta war jene im Jänner vor Miami. Am Dienstag gelang vor Palma de Mallorca der erste Wettfahrtsieg im Rahmen des Weltcups, am Mittwoch folgte ein zweiter Rang.

Zu tun gibt es noch genug, doch die fehlenden Stunden am Wasser, bei Regatten, der Koordination und Kommunikation lassen sich nicht so schnell aufholen. Die Olympiateilnahme ist aber möglich. "Das gründet sich auf mehreren Säulen. Der großen Erfahrung von Hans, der professionellen Sportlereinstellung von Gerd. Und darauf, möglichst effizient die Dinge anzugehen und Leerläufe welcher Art auch immer zu vermeiden. Ich bin überzeugt, dass es sich ausgehen kann", glaubt Pelinka.

Spitzauer setzt in der wenig verbleibenden Zeit auf hohe Qualität. "Wir schreiben jeden Tag Sachen auf, die wir machen müssen. Vor Hyeres haben wir fünf Tage, da müssen wir ein paar Dinge optimieren. Wenn wir unsere Leistung abrufen können, dann haben wir gute Chancen, auch eine gute WM zu fahren und uns zu qualifizieren", meinte Spitzauer. Nach der olympischen Woche vor Hyeres Ende April (Weltcup-Regatta) gehen ebendort die Welttitelkämpfe der Starboote in Szene (5. bis 11. Mai).

"Jeder Tag ist für uns der wichtigste. Jedes Training, jede Wettfahrt. Wir versuchen, schnell Rückschlüsse zu ziehen und zu reagieren. Und Fehler zu minimieren. Wir müssen in der richtigen Woche alles abrufen, aber das müssen die anderen auch", meinte Habermüller, der auf die Erfahrung seines Steuermannes vertraut. "Das Gute ist, dass Hans so ein renommierter und arrivierter Segler ist. Er ist sensationell. Vom Feintuning her weiß er alles. Er schaut rauf und sagt, hier ein Millimeter, dort zwei Millimeter - und die Kiste fährt. Ich muss halt meine Jobs so gut als möglich machen", weiß der 43-Jährige, dass es letztlich aber auch auf ihn ankommen wird.